Wie man sich auffrisiert

Die kleine Sommer-Akademie 2007 für mehr Erfolgs-PS.

„Tu dir selbst was Gutes. Wer sich
auf andere verlässt, ist schon halb verloren“
Manfred Greisinger, Autor und Berater

Etwa alle drei Jahre wird der trend-Essay „Tune Yourself!“ aufgefrischt. Dies geschieht idealerweise fürs Juni-Heft. So hat man den luftigen Sommer lang Zeit, gemäß den Ratschlägen an sich zu arbeiten, um für den dichten Herbst gerüstet zu sein, in dem sich die meisten Karrieren entscheiden.

Die meisten Tipps sind für unselbstständige Karrieristen (Manager) wie für Selbstständige (Unternehmer) gleichermaßen gültig. Dort, wo nur eine Seite angesprochen ist, erklärt sich dies von selbst.

Die frühere Konzentration der Frisuranleitungen auf blutjunge Neueinsteiger wurde aufgegeben. Auch die vielen Neueinsteiger unter den 50-plus-Jährigen, deren Erfahrung zunehmend wieder gefragt ist, zeigen Unsicherheiten, was vom Alten gut blieb und an Neuem verlangt wird.

Gewiss gibt es einige, vielleicht sogar viele Karriere-Kandidaten, die ohne jede Hilfe schnell vorankamen und selbst in unserer komplexen Gegenwart schnell reüssierten. Man sagt von ihnen gern, sie hätten das Gewinner-Gen. Das entspricht dem heutigen Trend, für alles Erdenkbare ein maßgebliches, prädestinierendes Gen zu entdecken, das im Wege der Vorbestimmung alle Schuld und alles Verdienst auf das Schicksal ablädt.

Das ist bei Erfolgreichen der Wirtschaft mit Sicherheit ein Holler. Ein Studium der Spitzenleute legt vielmehr nahe, dass Erfolg eher mit Milieu als mit Erbe verbunden ist. Bevorzugt scheinen jene, deren Kindheit in einer glücklichen Atmosphäre heiterer Tüchtigkeit ablief. Oder krass umgekehrt in einer psychologisch elenden Familie, wo Vater und Mutter permanente Verlierer und Jammerer waren und in den Kindern (sofern diese dabei gesund blieben) der eiserne Wunsch geweckt wurde, anders und besser als die Alten zu werden.

Die hier ausgewählten Tipps fallen in zwei grobe Kategorien. Die mit PSY bezeichneten haben mit richtiger Psychologie zu tun, im Umgang mit sich selbst wie im Umgang mit anderen. Die mit PE bezeichneten stehen für Persönliche Energie. PE wird normalerweise unterschätzt, weil es dort meist um schlichte, keineswegs intellektuelle Regeln geht. Deren Unterschätzung ist töricht. „Wer immer strebend sich bemüht“ (Goethe), braucht viel Kraft, zumal Managen und Unternehmen als Nicht-Routine-Aufgaben zu den anstrengendsten Berufen zählen. Jedes Kraftdefizit schlägt unverzüglich in ein Denkdefizit um.

PSY 1: Gesunder Egoismus
Die Dummheiten der Überkorrekten

Seit etwa 15 Jahren ist unsere Gegenwart durch ein lästiges Stigma entstellt: die permanente Einmischung von Gutmenschen und Korrektheitsfanatikern in die Gebarung der Mitmenschen. Besonders töricht die Kritik an Egoismus aller Art. Sie macht zwar Sinn im höflichen Umgang mit anderen oder in Teilfragen des Umweltschutzes. Eine generelle Kritik an Egoismus zeigt aber Unreife und Unbildung. Nobelpreisträger Konrad Lorenz: „Er ist die natürlichste Anlage. Ohne Egoismus keine Evolution.“ Oder Sir Carl Popper: „Auch winzige Organismen, selbst die Amöbe, sind in jeder Sekunde ihrer Existenz darauf bedacht, die eigenen Lebensumstände zu verbessern. Was den Einzellern recht ist, darf uns Mehrzellern billig sein.“

Speziell lächerlich, jungen Newcomern (die eine Familie aufziehen und ein Nest bauen) oder älteren Wiedereinsteigern (die oft nochmals von vorne anfangen müssen) ein schlechtes Gewissen zu machen, wenn sie egozentrisch ihr Ziel verfolgen. Schlechtes Gewissen ist wie eine angezogene Keramik-Handbremse. Der ständige Reibungsverlust kostet zu viel seelische Kraft, kann auch zu schweren psychosomatischen Krankheiten führen.

Wenn man später seine wichtigsten Ziele erreicht hat, kann man immer noch Altruist werden. Dann sollte man aber gleich ein ordentlicher, leiser und kluger Wohltäter sein, nicht einer der vielen aufdringlich lauten Philanthropen, von denen wir heutzutage mehr als genug haben.

PSY 2: Das richtige Rollenspiel
Authentizität statt Schauspielerei

Viele Aufstrebende machen sich lächerlich, weil sie, obgleich erst mitten auf dem Weg, schon oberste Angekommene spielen. Das sollten sie bleiben lassen. Wer sich lächerlich macht, verliert den Respekt. Wer den Respekt seiner Mitarbeiter und Vorgesetzten (bei Unternehmern: der Kunden) verliert, kommt nie an die Spitze. Und wenn man schon einen „Angekommenen“ spielen will, dann richtig. Wirkliche Weltmeister, auch in der Wirtschaft, zeichnen sich nach der Erfahrung des Autors dadurch aus, dass sie das Gegenteil von Neureichen sind: Sie treten eher still und bescheiden auf. Sie würden niemals einen hierarchisch Niedrigeren (auch keine Kellnerin) schlecht behandeln. Sie sind schon wieder freundlich und können schon wieder zuhören.

Zusatztipp: Wenn Sie sich schon lächerlich gemacht haben, wechseln Sie nach Möglichkeit den Arbeitsplatz. Eine Korrektur ist kaum oder nur mit unwirtschaftlich hohem Einsatz möglich.

PSY 3: Passive Fähigkeiten
Vom Verlust des Denkens mit dem Kopf des anderen

Im vorigen Kapitel fiel das Wort „zuhören“. Eine der negativsten Erscheinungen ist der Verlust dieser Fähigkeit. Heutigen Managern fällt gar nicht mehr auf, dass sie in Büromeetings oder bei Betriebsfeiern oft alle zur gleichen Zeit reden, aber nachher von einer schönen Diskussion schwärmen. Aktionsfiebrigkeit ist ein dunkles Merkmal unserer rastlosen Zeit. Kluge Aufstrebende werden aufmerksam zuhören, nicht schwätzen. Dies macht erstens sympathisch. Es bringt auch zweitens Wissensgewinn: Was man selbst sagt, wusste man schon; was man hört, ist neu.

Im aktuellen Bestseller „Darf man per E-Mail kondolieren?“ („Der Knigge des 21. Jahrhunderts“), für das ich hier Eigenwerbung machen darf,1) wird generell der Verlust der Fähigkeit beklagt, mit dem Kopf des anderen zu denken. Das ist privat eine Schande, wenn beispielsweise geriatrische Witze in Gegenwart alter Menschen erzählt werden, und ist kaufmännisch eine Dummheit, sobald Geschäftspartner und Kunden am Tisch sitzen.

PE 1: Die Überprüfung der Leidenschaft
Der Erfolgsfaktor Nr. 1

Zu den ganz alten, im Wege der Digitalfiebrigkeit aber vergessenen Erfolgsrezepten gehört die Weisheit: Man macht auf lange Sicht nur gut, was man gerne macht. Ein markantes Beispiel: Die letzten begeisterten und rar gewordenen Schuster, die erstklassige alte Schuhe und Gürtel heute noch gern renovieren, machen wieder ein gutes Geschäft, während Programmierer, die den Beruf nicht aus persönlicher Leidenschaft wählten, sondern weil er in Mode war, heute oft auf der Straße stehen.

Einer der schönsten Drei-Sätze hilft, einmal pro Jahr zu überprüfen, ob man noch am Ort seiner Leidenschaft tätig ist: love it – change it – or leave it. Die immer wieder gestellte Frage, ob man etwas liebt oder ändern will oder verlassen muss, ist das vielleicht wichtigste Werkzeug für eine nachhaltige Karriere.

PE 2: Körper hilft Geist
Verblüffende Hilfen

Die in diesem Essay gemeinten Karrieristen sind ausnahmslos Kopfarbeiter, intellektuell oft auf hohem Niveau – und ebenso oft körperfern. Sport und Training galten lange Zeit als Merkmale der Arbeiter. Das Bild hat sich gewandelt, muss aber immer noch propagiert werden. Kurzformel: Bewegung und Sauerstoff hilft dem Hirn. Der Zeitaufwand-Gewinn-Nutzen ist nach allen Untersuchungen beträchtlich, ebenso der Vorrang des Ausdauer-Bewegungs-Trainings (Stiegensteigen, Laufen) gegenüber dem Krafttraining und reinen Muskelaufbau.

PE 3: Die Kunst der Pausen und des Schlafs
Die Fehler der Workaholics

Reine, quasi besinnungslose Suchtarbeiter (Workaholics) kommen selten ganz an die Spitze – und wenn doch, sterben sie früh dort weg. Sie haben nicht begriffen, dass Pausen kein Verlust, sondern Gewinn sind. Abgesehen vom Krafthaushalt ist dies auch Digitalsüchtigen so zu erklären, dass jede Festplatte nach längerem Gebrauch wieder Ruhe und Neuordnung des Inhalts braucht, um nachher umso besser zu funktionieren.

Die vernünftigen Pausen, die tunlichst mit berufsfremden Inhalten zu füllen sind (Fotografie-Spaziergänge, Lesen von Lyrik, Rendezvous), lassen sich als Zeitverlust leicht durch eine Änderung der Schlafgewohnheiten aufholen. Die meisten schlafen schlecht und zu lang. Nach fernöstlicher Auffassung genügen vier bis fünf Stunden Schlaf bei Nacht, sofern begleitet von 20 Minuten Schlaf im biorhythmischen Tief des Nachmittags. So komme man, heißt es, zu den drei Tiefschlafphasen, die jeder braucht, um nicht krank zu werden, bei kleinstem Zeitbedarf.

PE 4: Die Frage des Sachverstands
Der Wert der Avantgarde

Früher hieß es, man müsse von seiner Sache etwas verstehen. Diese Selbstverständlichkeit muss auch heute noch gelten. Doch selbst Mittelmanager müssen zuweilen mit Weiterbildungsseminaren gezwungen werden, auf dem Stand der Dinge in der eigenen Branche – Papier, Stahl, Mikroprozessoren – zu bleiben. Diese Mittelmanager werden niemals Topmanager und Weltgrößen ihrer Profession sein.

Ihnen fehlt das Temperament des Willens, um jeden Preis zu den Ersten ihrer Branche, den Vordersten, der Avantgarde zu zählen. Das kann niemals mit Weiterbildungsseminaren allein erreicht werden. Diese sind immer ruckartige Wissenserweiterungen, die geistig gar nicht verkraftet werden. Avantgarde wird man durch ständigen, täglichen Wissenszufluss, den man sich selbst besorgt über alle Branchenmagazine, die man abonnieren kann (auch deutsche, amerikanische, japanische), und mittels der segensreichen Hilfe des Internets und seinen hinreißenden Verstrebungen (Links).

Über Sachverstand und Kenntnis der englischen Sprache sollte man nicht mehr reden müssen. Oder über das Wissen vom Gebrauch des Computers und des World Wide Web. Muss man aber doch. Man erlebt zu viele Anfänger, Wiedereinsteiger und angeblich ambitionierte Mittelmanager, die in einem dieser Punkte Ignoranz oder Weinerlichkeit zeigen. „Ich komme einfach nicht mehr zum Lesen und Surfen“ ist ein Satz, der heutige Verlierer bis zur Kenntlichkeit enthüllt.

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

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