Wer verdient es?

Wenn es um Manager­einkommen geht, hat bisher niemand die richtigen Fragen gestellt. Hier ein Versuch.

Als Andreas Treichl für das Jahr 2004 ein Jahreseinkommen jenseits der vier Millionen Euro einstreifte und diese Summe auch noch veröffentlichte, geschah Seltsames: Keinesfalls reagierten die Vorstände anderer Unternehmen auf das Rekordgehalt des Erste-Chefs mit Missgunst oder gar Neid. Vielmehr nickten die Kollegen zustimmend. Warum? Weil Treichl sein Einkommen durch die Vervielfachung des Unternehmenswertes rechtfertigen konnte? Weil er seinen Sonderbonus aufgrund eines handfesten Abwerbungsversuches einer deutschen Bank bekommen hatte? Oder gar, weil die Republik in der Tatsache, dass der trend Treichl zuvor zum „Mann des Jahres“ gemacht hatte, eine Begründung für diese außerordentliche Summe erkannte?
Obwohl alle diese Vermutungen etwas für sich haben, war die Ursache eine andere: Mit Recht nahmen die Führungskräfte des Landes an, dass damit nun eine neue Benchmark für Vorstandsgehälter geschaffen war, dass sie selbst also schon im Jahr danach mit Verweis auf Treichl höhere Bezüge fordern würden können. Was sie dann auch mit Erfolg taten.
So einfach ist die Welt manchmal.

Etwas komplizierter ist die Antwort auf die Frage, wann Manager sehr viel verdienen sollen und wann weniger. Zu kurz gegriffen ist es, die Antwort mit einem Verweis auf die Funktionstüchtigkeit des Marktes zu verweigern, also die Gehaltsentwicklung diesem vollständig zu überlassen. Der Markt funktioniert in diesen lichten Höhen und anders als etwa bei Angebot und Nachfrage im Segment der Hilfsarbeiter nämlich nicht sonderlich gut. Daher bedarf es Korrekturen, die nur durch veröffentlichte und in der Folge durch öffentliche Meinung zu erzielen sind.
Dass der Markt hier nicht durchgehend sinnvolle Lösungen hervorbringt, zeigen viele Beispiele. Ich erspare mir (und den Betroffenen), einzelne Personen in Österreich zu benennen, die in Relation zu ihren Kollegen bizarr zu viel verdienen, lade aber zu einer Diskussion per Leserbriefe ein. Ich erlaube mir allerdings, darauf hinzuweisen, was denn die spezifischen Kriterien in einem funktionierenden Markt für Manager wären. NICHT wäre dies die Relation zwischen Vorstandsgehalt und durchschnittlichem Einkommen der Mitarbeiter. Dieses Verhältnis spielt im Markt erst dann eine Rolle, wenn die Performance des Unternehmens oder das Image (und damit Wert und/oder Aktienkurs) durch ein Missverhältnis Schaden nehmen. Hingegen haben jene Kriterien eine Bedeutung, die etwa bei Treichl ausschlaggebend waren: Was würde ein anderer Konzern für einen bestimmten Manager zahlen? Gibt es ein konkretes Angebot? Und wie hoch wäre der Schaden, wenn der Manager abwandert (was reziprok heißen kann, wie groß war der monetäre Nutzen, den jemand gebracht hat)?
Aber warum bemessen sich die Managereinkommen nicht nach diesen Parametern? Das ist zunächst die falsche Frage: Denn bei durchschnittlichen Spitzenmanagern funktioniert der Markt ohnehin. Bloß bei den absoluten Topmanagern stimmen die Preise nicht mehr. Warum? Antwort: Weil es zu wenige solcher Positionen gibt, um eine ausgewogene Preisbildung zu ermöglichen. Das wiederum führt zu anderen Bestimmungsfaktoren: Die Gehälter hängen im besseren Fall von der individuellen Situation eines Unternehmens ab. Im schlechteren Fall – und zumeist – bestimmen sie sich nach der Qualität des Netzwerkes einer Führungskraft: Ein schneller Blick auf die Zusammensetzung von Aufsichts­räten zeigt, dass diese meist weniger Kontrollorgan sind als ein Abbild von Netzwerken.

Vergessen wird über der Betrachtung der Einzelfälle und dem Sinnieren über Gerechtigkeit freilich die Frage, warum die Entwicklung überhaupt so läuft, wie sie läuft. Denn unbestreitbar ist, dass die Managereinkommen in den vergangenen Jahren schneller gestiegen sind als die Masseneinkommen, vulgär gesprochen, dass „die Schere aufgegangen ist“. Warum? Ein Rundruf bei befreundeten Generaldirektoren löst neugieriges Erstaunen aus, bringt jedoch keine Antwort.
Warum also? Was ist jetzt ganz anders als vor 20 Jahren? Die Finanzmärkte mit allen ihren neuen Produkten? Das glaube ich nicht, Vergleichbares gab es immer schon. Liegt es vielleicht an einer Globalisierung, die durch das Ende der Sowjetunion und durch die Turbokapitalisierung Chinas erstmals jedes Gegengewicht verloren hat? Das ist jedenfalls meine beste Erklärung.

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