Wenn Sicherheit zum Schein wird: Die
besten Zahlungsmittel für unterwegs

Was bequem ist, das ist nicht immer sicher. Besonders sicher ist, was besonders unbequem ist: zahlen unterwegs, auf der Flucht vor Trickdieben und Computerbetrügern.

Von Franz C. Bauer

Wahrscheinlich hätte ich ausnahmsweise auf meine Frau hören sollen. „Die U-Bahnen sind viel zu voll, da wird sicher gestohlen.“ Drei Stationen und eine – im Nachhinein betrachtet, auffallend theatralische – Auseinandersetzung zwischen einem alten Mann und einer jungen Frau später (ein blendend inszeniertes Ablenkungsmanöver) war die Brieftasche meines Sohns samt Kreditkarte und Uniausweis verschwunden. Alltag in Rom, Alltag in jeder Großstadt.

Doch auch bei Kriminellen muss die solide Handarbeit von Taschendieben immer häufiger dem fantasievollen Einsatz der Technik weichen. Versteckte Minikameras, die jede Codeeingabe filmen, manipulierte Geldausgabeautomaten, die Magnetstreifeninformationen kopieren, oder Hacker, die Geschäftscomputer knacken und Kundendaten stehlen – die Sicherheit von Zahlungsmitteln wird angesichts steigender Kriminalitätsraten zum alltäglichen Problem. Erst kürzlich konstatierte Michael Rauschenbacher, Leiter der Abteilung für Geld- und Kreditkartenfälschung der europäischen Polizeibehörde Europol, resignierend: „Der Kunde hat praktisch keine Chance.“ Ärger droht nicht nur durch kriminelle Machenschaften. „Es gibt vor allem von Kreditkartennutzern immer wieder Beschwerden über die Umrechnungskurse“, berichtet Michaela Kollmann, Konsumentenschützerin der Arbeiterkammer Wien und dort für den Bereich Finanzdienstleistungen zuständig.

Kreditkarte oder Bares, Bankomatkarte (die korrekterweise eigentlich Maestro-Card heißt) oder vielleicht gar Reiseschecks – welches ist das ideale Zahlungsmittel, zumal in der Fremde? „Eine einheitliche Antwort darauf gibt es nicht“, meint Manfred Bartal­szky vom Produktmanagement der Erste Bank. „Wenn ich selbst unterwegs bin, dann verwende ich meine Kreditkarte und Bargeld.“ Doch sogar der Experte muss sich dabei auf eine Art Blindflug einlassen. „Wenn Sie die Karte benutzen, können Sie nicht wissen, welchen Wechselkurs das Kartenunternehmen für die Abrechnung her­anzieht“, warnt AK-Expertin Kollmann. Fast alle Kreditkartenunternehmen verfügen über eigene Bankkonzessionen und erstellen die Wechselkurse daher selbst.

Gerald Weiss, verantwortlich für das Kartenausgabegeschäft bei Card Complete (Visa, MasterCard), muss das bestätigen: „Einheitliche Umrechnungskurse gibt es nicht mehr.“ Von Willkür der Kartenunternehmen sei aber keine Rede: „Wir bilden die Kurse entsprechend der jeweiligen Marktsituation.“ Abweichungen von den in den Medien veröffentlichten Tageskursen können aber auch einen anderen Grund haben. „Die Abrechnung eines Einkaufs mit einer Kreditkarte erfolgt nicht automatisch an jenem Tag, an dem der Umsatz getätigt wurde, sondern erst, wenn der Händler die Kreditkartenabrechnung bei uns einreicht“, erläutert Weiss. Bei volatileren Währungen wie etwa der türkischen Lira können geschickte Händler auf diese Weise Kursschwankungen zu ihren Gunsten nutzen.

„Viele Konsumenten sind auch darüber überrascht, dass bei Kreditkarten Spesen anfallen können, wenn man sie im Ausland einsetzt“, spricht Kollmann einen weiteren Konfliktpunkt an. Zwar dürfen die Kartenfirmen im Euro-Raum keine zusätzlichen Spesen verrechnen, die sie nicht auch im Heimatland des Kartenhalters in Rechnung stellen, doch außerhalb des Euro-Raums werden zusätzliche Gebühren fällig – und zwar selbst dann, wenn die Transaktion auf Euro-Basis erfolgt. Ähnliches gilt für Bankomatkarten.

Kostspielig wird’s, wenn Kreditkartennutzer ihr praktisches Plas­tikgeld einsetzen, um an Bares heranzukommen. Drei Prozent kassieren die Kartenunternehmen in diesem Fall, wobei ein Mindestspesensatz niedrigere Abhebungen besonders teuer macht (siehe Tabelle). Andererseits sind Konsumenten bei Kreditkarten gegen Missbrauch relativ gut geschützt. Bei Schäden durch Diebstahl oder Manipulation haften Karteninhaber nur bis zum Höchstausmaß von 72,67 Euro. Schäden darüber hinaus sind durch eine Versicherung gedeckt. Das Sperren der Karte kostet allerdings noch einmal 40 Euro. Dafür ist dann aber die Ersatzkarte gratis.

Verhältnismäßig günstig im Vergleich zu Kreditkarten sind Bar­abhebungen mit der Bankomatkarte. Deren Einsatz ist freilich nicht ganz risikofrei. Wird die Karte gestohlen oder manipuliert, greift nicht automatisch ein Versicherungsschutz. Wichtigste Regel: den Verlust sofort melden. Ab dem Zeitpunkt der Sperre haften Bankkunden in keinem Fall. „Wenn aber eine halbe Stunde nach einem Diebstahl Abhebungen getätigt werden, dann muss man davon ausgehen, das der PIN-Code nicht korrekt, also getrennt von der Karte verwahrt war. So schnell lässt sich ein Code nicht knacken“, argumentiert Erste-Zahlungsverkehrsexperte Bartalszky. Besteht aber der Verdacht auf eine Mitschuld des Karteninhabers, dann trägt der Kunde den vollen Schaden. Anders liegt der Fall, wenn die Bank die Argumentation ihres Kunden akzeptiert, dass hier kein Eigenverschulden vorliegt. In diesem Fall bleibt der geschädigte Kartennutzer – im Gegensatz zur Kreditkarte – völlig haftungsfrei. Aus Sicht der Bank ist die Beurteilung des Eigenverschuldens allerdings Ermessenssache. Wer sich mit der Entscheidung nicht abfinden will, muss den mühsamen und aufwändigen Prozessweg beschreiten. Am 1. November wird sich dies freilich ändern. Dann tritt in Umsetzung einer EU-Richtlinie das Zahlungsdienstleistergesetz“ in Kraft. „Dieses wird die Haftung für den Kunden auf 150 Euro beschränken“, so Bartalszky. Kreditkartenfirmen müssen ab diesem Zeitpunkt auch ihre jeweiligen Umrechnungskurse allgemein zugänglich machen und überdies auf den Monatsabrechnungen ausweisen.

Und welches ist das sicherste Reisezahlungsmittel? „Für Menschen, die sich sicher fühlen wollen, ist der Reisescheck eine tolle Sache“, bricht Bartalszky eine Lanze für das etwas antiquierte Zahlungsmittel. Einlösen kann man Reiseschecks nur bei Banken und da auch nur unter gleichzeitiger Vorlage eines amtlichen Lichtbildausweises. Die niedrige Stückelung ab 50 US-Dollar ermöglicht es, immer nur kleine Bargeldbeträge zu wechseln. In puncto Sicherheit schlägt Papier das Plastikgeld also klar.

Interessant sind die Schecks für Taschendiebe daher nicht – im Gegensatz etwa zu Kreditkarten. Laut einer jüngst veröffentlichten Untersuchung des Internet-Sicherheitsunternehmens Symantec können Trickdiebe und Hacker gestohlene Kreditkartennummern um bis zu 30 US-Dollar an organisierte Banden weiterverkaufen. Was einen eher bescheidenen Stundenlohn für die Bande ergibt, die das aus der Sicht des arglosen Zuschauers durchaus vergnügliche Theater in der römischen U-Bahn inszenierte. So gesehen war der Anschauungsunterricht in Sachen Trickdiebstahl ja fast wohlfeil.

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