Wenn Geld Fußball spielt: Ein globales
Geschäft mit Milliardenumsätzen

Fussball. Am 11. Juni erfolgt der Ankick zur Fußballweltmeisterschaft und damit zum wirtschaftlich erfolgreichsten Sportspektakel der Welt. Denn Fußball ist längst zu einem Geschäft mit Milliardenumsätzen geworden.

Von Oliver Judex und Peter Sempelmann

Wenn Lionel Messi für die argentinische Nationalelf dem gegnerischen Tor zusprintet und dabei den Jabulani, den offiziellen Fußball der Weltmeisterschaft 2010, geschickt an den Verteidigern vorbeispielt, setzen sich 80 Millionen Euro in Bewegung. Das ist der aktuelle Marktwert des 22-jährigen FC-Barcelona-Stars, des wertvollsten Spielers der Welt. 32 Nationen werden ihre besten Kicker ab 11. Juni in Südafrika gegeneinander antreten lassen – und wer einen Monat später nach dem Finale den Goldpokal küssen darf, ist für den Veranstalter der WM, den Weltfußballverband FIFA, Nebensache. Längst wurde das Fußballspektakel zum einträglichsten Sportturnier der Welt mit Millionenverträgen rund um Sponsoren, TV-Rechte und Merchandising-Artikel. „Die weltweit größte Sportveranstaltung erweist sich – vielleicht gerade in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit – als Fels in der Brandung“, erklärt Julio H. Grondona, Vorsitzender der FIFA-Finanzkommission, und bezeichnet die WM als „exzellente Plattform für kommerzielle Marken“. So nützen Adidas, Coca-Cola, Sony, Visa und andere globale Brands die WM-Euphorie zur Umsatzankurbelung. Der kumulierte Ertrag aus Lizenz- und Marketingrechten für die WM 2010 beträgt eine Milliarde Dollar, eine weitere Milliarde stammt aus TV-Rechten und Ticketverkäufen.

Doch nicht nur die WM, sondern vor allem auch der Club-Fußball in Europa – im Speziellen in den Top-Ligen Spanien, England, Italien und Deutschland – entwickelte sich in den letzten Jahren zu einem nüchtern kalkulierten Milliardenbetrieb. So taxiert die Zeitschrift „Forbes“ den Marktwert von Manchester United auf mittlerweile 1,8 Milliarden Euro. trend hat auf den folgenden Seiten die imposanten Zahlen und Fakten des boomenden ­Geschäfts mit dem Ball zusammengetragen.

Goldgrube WM
Die Fußballweltmeisterschaft ist das größte und lukrativste Sportereignis der Welt. Die Soccer City in Johannesburg bietet 94.700 Zusehern Platz und ist damit das größte Stadion Afrikas. In der Arena werden das Eröffnungsspiel, das Finale und sechs weitere Matches der Fußballweltmeisterschaft 2010 ausgetragen. Das Stadion ist mit 117 Logen, mehr als 6000 Business Seats, mehreren Restaurants und einem modernen Sendezentrum ausgestattet. Die Fassade des Gebäudes, die an das traditionelle afrikanische Trinkgefäß Kalebasse erinnert, wurde übrigens von dem Salzburger Betonspezialisten Rieder gefertigt. Die Weltmeisterschaft selbst wird vom Fußballweltverband FIFA (Fédération Internationale de Football Association) veranstaltet, dem mächtigsten Sportverein der Welt. FIFA-Präsident Joseph Blatter, der den Verein mit eiserner Hand führt und die Geschäfte streng kontrolliert, rangiert in der aktuellen „Forbes“-Liste der mächtigsten Menschen der Welt auf Platz 53. Für die FIFA ist die alle vier Jahre ausgetragene Fußballweltmeisterschaft eine äußerst lukrative Veranstaltung. Alleine aus den TV-Rechten lukriert sie 623 Millionen Dollar. Fast ebenso viel bringt der Ticketverkauf. Für das Turnier in Südafrika wurden insgesamt 3,4 Millionen Eintrittskarten aufgelegt.

Verspielte Millionen
Ins Tor zu treffen ist eine Sache von Begabung, Training und Glück, damit aber Millionen zu scheffeln ein knallhartes Business. Vor allem die spanischen und englischen Clubs beherrschen es perfekt, ihre Vereine zu einer weltweit gefragten Marke aufzubauen. Denn die Einnahmen an Matchtagen sind längst nicht mehr so bedeutend: Wegen der Wirtschaftskrise sind die Zuschauerzahlen bei manchen Top-Clubs sogar leicht rückläufig. Laut einer Deloitte-Studie machen die Ticketverkäufe bei den 20 umsatzstärksten Clubs im Durchschnitt aber nur noch rund 26 Prozent der Gesamteinnahmen aus. Die größte Einnahmequelle sind die Fernsehrechte mit 1,6 Milliarden Euro oder 42 Prozent aller Umsätze der Top 20. Spanische Vereine haben noch dazu den Vorteil, ihre Verträge individuell mit den TV-Anstalten abschließen zu können, was beispielsweise alleine Real Madrid für sieben Saisonen 1,1 Milliarden Euro garantiert. Dazu zählen auch Einnahmen aus dem clubeigenen TV-Kanal. Von großer Bedeutung sind schließlich alle Merchandising- und Sponsoringaktivitäten, die rund ein Drittel der Einnahmen ausmachen. Das Dress-Sponsoring (Grafik oben) ist dabei die Königsklasse der Markenverwertung. Hier gelang dem FC Bayern München der derzeit beste Deal mit über 24 Millionen Euro pro Jahr vom Hauptsponsor Deutsche Telekom.

Unternehmen Champions League
Die UEFA Champions League (CL) ist der ­erfolgreichste Fußballclub-Wettbewerb der Welt. In der mit dem Finale in Madrid soeben zu Ende gegangenen Saison wird der Umsatz erstmals die Milliarden-Euro-Marke überspringen. Die UEFA (Union of European Football Associations), rechtlich gesehen ein nicht gewinnorientierter Verein aus 53 nationalen Verbänden, unterzieht das europaweite Turnier seit Jahren einer regelmäßigen Erneuerung, um das Unternehmen CL zu wirtschaftlichen Höhenflügen zu führen. Vor allem die neue Gruppenphase mit 32 Mannschaften garantiert den qualifizierten Teams eine Mindestanzahl an Matches und damit an Einnahmen über TV-Übertragungsrechte und Sponsoren, die von 45 Millionen Euro in der ers­ten CL-Saison 1992/93 auf heute fast 1,1 Milliarden Euro wuchsen. Diese werden nach einem ­genauen Schlüssel je nach Erfolg der Teams und dem Wert des TV-Markts der einzelnen Länder zum allergrößten Teil an die Teams ausgeschüttet. So kassierte zum Beispiel Manchester United seit CL-Bestehen insgesamt über 275 Millionen Euro nur durch Prämien der CL, Bayern München kommt auf fast 250 Millionen Euro. Allein eine Endspiel-Teilnahme der Münchner bringt dem Club 5,2 Millionen Euro ein, insgesamt machen die Prämien für die heurige CL-Teilnahme rund 60 Millionen Euro aus – das ist immerhin rund ein Fünftel des vorjährigen Gesamtumsatzes des deutschen Meisters.

In Leder und Gold
Wer einmal auf einem der gepols­terten Lederfauteuils in der Gold-VIP-Area des Camp Nou – mit 98.800 Sitzplätzen Europas größtes Fußballstadion und Heimstätte des FC Barcelona – Platz genommen hat, erfährt, wie man Fußball zelebrieren kann: Gleich hinter den Trainerbänken, nur ein paar Meter vom Spielfeldrand entfernt, taucht man mitten ins Spielgeschehen ein, umhüllt vom Toben der normalen Fans, von denen die meisten Mitglieder des 160.000 Anhänger umfassenden Vereins sind. Damit zählen sie zum elitä­ren Personenkreis, der bevorzugt behandelt wird, wenn es darum geht, eines der begehrten Matchtickets zu ergattern. Die VIP-Lounges bieten den Gästen exklusiven Komfort, überall hängen Plasmaschirme an den Wänden, und das Catering ist formidabel. Viele Unternehmen haben zudem eigene Zuschauerboxen für das ganze Jahr re­serviert – und auch wenn nicht gespielt wird, nutzen Manager das Camp Nou für Einladungen und Veranstaltungen. Im Durchschnitt sind in Europas neuesten Stadien bereits bis zu 15 Prozent aller Sitzplätze für Businesskunden reserviert, in der Premier League Englands machen diese Einnahmen bereits 40 Prozent der Umsätze an Matchtagen aus. Die weltweit höchsten Einnahmen an Spieltagen erzielt übrigens Manchester United mit fast 130 Millionen Euro im Jahr. Die meisten Zuschauer pro Match sind allerdings in Deutschland zu finden mit 42.600 – Österreichs Fußballer kicken im Vergleich dazu nur vor einer Kulisse von durchschnittlich 7900 Fans.

Land der Zwerge
Den Juni 2008 werden österreichische Fußballfans so schnell nicht wieder vergessen: Die Fußballeuropameisterschaft brachte einen Monat lang die große Welt des internationalen Sports ins Land. Zwei Jahre später ist davon kaum etwas geblieben. Die Realität heißt seither wieder Ried gegen Kapfenberg vor weniger als 3000 Zuschauern. In der Saison 2009/10 lag der Zuseherschnitt bei mageren 7869 Fans pro Spiel. In England, Italien oder Deutschland zieht jeder Drittligaverein mehr Fans an. In der FIFA-Weltrangliste rangiert Österreich nur noch unter „ferner liefen“: derzeit an 64. Stelle hinter Kanada und vor Montenegro und Saudi-Arabien. „Wie sollte es auch anders sein, wenn alle Bundesliga-Clubs und die Erste-Liga-Clubs gemeinsam nur ein Budget von 180 Millionen Euro haben. In Deutschland hat jeder durchschnittliche Bundesliga-Club mehr Geld zur Verfügung“, meint Fußballmäzen Richard Trenkwalder, der das im Land Geleistete angesichts der bescheidenen Mittel gar nicht so schlecht findet. Und trotz oft gespenstisch leerer Stadiontribünen war es schon einmal schlechter: 1,4 Millionen Zuschauer in der Saison 2009/10 bedeuten immerhin die sechsthöchste Besucherzahl seit Bestehen der Bundesliga. Und mit einem Marktanteil von 45,9 Prozent ist Fußball auch der beliebteste Fernsehsport Österreichs. Die Übertragungen bescheren der von der BLM Marketing und Event GmbH geführten Bundesliga jährlich Einnahmen von 17 Millionen Euro aus TV-Rechten, die in den nächsten drei Jahren beim ORF und bei Sky TV liegen.

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