Weiterbildung: Büffeln statt baden

Besuchen nur verschwitzte Streber Fortbildungskurse in den Ferien, oder bringt die geopferte Freizeit doch einen Karriere-Kick? trend zeigt, wo Sie locker Ihr Managementwissen aufpeppen können.

Endlich Sommer, endlich Urlaub! Viel Zeit, um im Liegestuhl Bücher, die übers Jahr zu kurz gekommen sind, zu lesen oder vielleicht einfach nur die Seele mit Blick auf Meereswellen oder einen Salzkammergutsee baumeln zu lassen. Wäre da nicht das schlechte Gewissen, dass man endlich auch einmal an der beruflichen und persönlichen Weiterbildung arbeiten sollte.

Zwar werden Manager und Führungskräfte von ihren Unternehmen auch gerne während des Arbeitsjahres in Fortbildungsseminare geschickt, doch meist handelt es sich dabei um fachspezifische Hard Skills. Seminare, die Persönlichkeitsbildung, Rhetorik und Teamführung abdecken, bleiben auf der Strecke oder werden, wie Günther Tengel, geschäftsführender Gesellschafter der Personalberatung Jenewein & Partner, kritisiert, nur dann in Anspruch genommen, „wenn den Unternehmen noch Weiterbildungsbudget übrig bleibt“, oder als Zuckerl für besonders Emsige. Doch um schwierige Situationen, die sich im Berufsleben auftun, nicht nur fachlich, sondern auch menschlich mit Eloquenz zu meistern, ist das bei Weitem nicht genug.

Soft Skills. Um im Job zu punkten, zahlt sich Büffeln im Sommer aus. Anbieter gibt es wie Sand an der Adria, und auch die Bandbreite an Angeboten kann sich sehen lassen. Dass Weiterbildung dabei nicht unbedingt im Seminarraum, sondern auch im Gebirge, am Golfplatz oder in der Reithalle stattfinden kann, zeichnet das sommerliche Bildungsangebot (siehe Tabelle auf Seite 146) aus. Immer stärker nachgefragt werden Seminare aus dem Soft-Skills–Bereich. Charlotte Eblinger, Geschäftsführerin der Personalberatung Eblinger & Partner, kennt die Gründe: „Fachlich sind alle gleich, Führungskräfte unterscheiden sich durch Soft Skills.“ Wer also Selbsterfahrung als Seelenmassage abtut, irrt. „Man sollte die Weiterbildung finden, die zu einem passt, nur dann profitiert man“, so Eblinger. Während sich der eine beim Frontalvortrag eines Wirtschaftsgurus am besten aufgehoben fühlt, müssen andere Führen in der Praxis üben, wie man es beispielsweise bei Seminar DMC an Pferden testen kann. Unmittelbares, manchmal auch beinhartes Feedback der Vierbeiner ist garantiert.

Naturfreunde werden auch mit „Erfahren und begreifen. Das Outdoor-Seminar der anderen Art“ glücklich. Das Herz von Wandervögeln unter den Managern schlägt dabei höher, streift man doch mit Ex-Spitzenskirennläufer Marc Girardelli durch die Wälder und bezwingt Tiroler Berggipfel, um aus dem „Unternehmen Natur“ zu lernen. Fragestellungen in der Unternehmensführung sind denen im „größten und erfolgreichsten Betrieb der Welt“ ähnlich, ist Mitveranstalter Otto Glaser überzeugt. Auch wenn sich überzeugte Stadtpflanzen wahrscheinlich schwer vorstellen können, dass ihnen ein Stein am Wegesrand erklärt, wie sinnvoll Teambildung für ein Projekt sein kann.

Wem dieser Ansatz zu esoterisch erscheint, ist mit der Sommerakademie „Erfolgreiche Mitarbeiterführung“ des management forum starnberg besser beraten. Am idyllischen Starnberger See werden Kommunikationsprozesse in Gang gebracht und Konfliktvermeidung in der Praxis geübt. Wer glaubt, am späten Vormittag ein paar gemütliche Lektionen in Sachen Führungskompetenz zu bekommen und sich danach auf die faule Haut legen zu können, liegt falsch. Das ist schließlich kein Urlaub. Das straff gegliederte Seminar startet jeden Morgen um neun Uhr. Um die Wellness-Landschaft des gediegenen 4-Sterne-Hotels „Leoni“ zu genießen, sind Frühaufsteher im Vorteil, denn Zeit für Massagen und Hantelschwingen bleibt nur vor dem Frühstück. Bereits da finden Gespräche über die persönliche Work-Life-Balance statt, wenn nicht bei Sonnenaufgang am See Teambildung geübt wird. Auch das Sportprogramm am Nachmittag ist zielorientiert angelegt: Beim Bogenschießen fokussiert man sich auf die Strategie „Der Weg ist das Ziel“. Nach fünf hoch konzentrierten Tagen hat man sich einen längeren Urlaub redlich verdient.

Doch könnte all das in kostspieligen Kursen vermittelte Wissen nicht auch aus dem unerschöpflichen Pool der Ratgeberliteratur bezogen werden? Outdoor-Trainer Rüdiger Rader verneint: „Grundwissen lässt sich zwar erlesen, aber Menschen mit hervorragendem Fachwissen sind nicht automatisch gute Führungskräfte. Das Anwenden in der Praxis lernt man nicht aus Büchern.“

Wenn draußen die Sonne lacht und der Rest der Welt die Tage im Schwimmbad verbringt, fällt Konzentration naturgemäß schwer. Rader verlegt daher seine Führungsseminare mitunter auf ein Segelboot vor der kroatischen Küste. Dass dabei das ganze Team nicht nur sprichwörtlich in einem Boot sitzt und für die Themen Kooperation und Wettbewerb sensibilisiert wird, macht das Wissen fassbarer. „Man muss selbst anpacken und kann sich nicht in der Anzug-Rüstung verstecken und zum Vortrag nicken“, schmunzelt Rader.

Hard Facts. Verglichen mit der Selbstdisziplin, die sich die Teilnehmer der Controlling Sommerakademie des Österreichischen Controller-Instituts (ÖCI) auferlegen, ist der gruppendynamische Segeltörn allerdings ein Honigschlecken. Der Beachvolleyball-Platz muss warten, wenn Kostenrechnen und Bilanzenlesen auf dem Stundenplan stehen. Dafür haben Absolventen im Herbst auch ein Controller-Diplom in der Tasche – vorausgesetzt, man schafft die Abschlussprüfung. Trotz des trockenen Lehrplans steigt die Nachfrage. Bernd Kadic, Geschäftsführer des ÖCI: „Viele haben während des Jahres keine Zeit. Im Sommer lässt man sich eher auf das Thema ein. Der Kopf ist freier.“ Auch das gemeinsame Büffeln mit Leidensgenossen schweißt zusammen, was bei gruppendynamischen Übungen von Vorteil ist. Kadic: „Wir können uns ja nicht 15 Tage am Stück mit Bilanzierung beschäftigen.“

Fachliche Weiterbildung bietet auch das renommierte Institute for International Research (IIR) an, allerdings hat man dort die Erfahrung gemacht, dass Führungskräfte eher an Persönlichkeitsbildung wie „Körpersprache für Manager“ beim Pantomimen Samy Molcho interessiert sind als am „Risikomanagement nach Basel II“. Viele wünschen sich auch Werkzeuge um „Die fünf schwierigsten Situationen für Führungskräfte“ zu meistern. Diese wurden in Befragungen von Topmanagern erhoben. Renate Goldnagl, Teamleiterin am IIR: „Die Teilnehmer sollen Situationen schildern, die sie selbst als kritisch erlebt haben. Im Anschluss werden Lösungsansätze erarbeitet.“

Um das Gefühl zu vermitteln, zumindest kurz aus dem alltäglichen Arbeitstrott auszusteigen, findet das Seminar in Rust am Neusiedler See statt. Ob da für eine Fahrt mit dem Elektroboot Zeit bleibt, ist beim Blick aufs umfangreiche Programm fraglich. Doch bei Kosten von 1395 Euro für zwei Tage schwänzt ohnehin kein Teilnehmer.

Selbsterkenntnis. Der Aufwand lohnt sich, ist Charlotte Eblinger überzeugt, denn bei der Besetzung von Führungspositionen steht zwar Fachkompetenz weiterhin an erster Stelle, doch Kandidaten, die sich bereits in Seminaren intensiv mit Teamführung und Ähnlichem auseinander gesetzt haben, haben die besseren Karten. „Erkenne dich selbst“, lautet immer öfter die Devise, wenn es um Spitzenpositionen geht. „Daher boomen Soft Skills, einiges wäre wahrscheinlich mit ein bisschen Vertrauen in den eigenen Hausverstand auch gewonnen. Nur wenn ich weiß, wer ich selbst bin, kann ich andere führen.“ Die Personalberaterin gibt solchen Angeboten den Vorzug gegenüber reinem Faktenwissen, das sowieso vorausgesetzt wird: „Rhetorik und Präsentation sind dabei nur das Sahnehäubchen. Ist keine Persönlichkeit da, können sie auch nicht darüber hinwegtäuschen.“

Um die innere Stimme zum Klingen zu bringen und auch auf Kunden und Mitarbeiter wieder intensiver eingehen zu können, sollte man in aller Stille in sich hineinhören. Wo könnte man das besser als in einem Kloster? Im steirischen Stift St. Lambrecht finden in der „Schule des Daseins“ gestresste Zeitgenossen durch Meditation wieder zu sich selbst. Während der erste Tag noch ganz christlich um zehn Uhr vormittags beginnt und über Textmeditation und -reflexion schnell verstreicht, ist am nächsten Tag frühes Aufstehen im Morgengrauen angesagt, um die Morgenmeditation um sieben Uhr Früh nicht zu verpassen.

Entspannter geht man den Tag im deutschen Mettlach an. Hier gibt man sich mit zwei spirituellen Zen-Sitzungen für Führungskräfte am Tag zufrieden. Doch kann man aus all diesen Angeboten auch tatsächlich etwas ins Berufsleben hinüberretten? Die Experten sind überzeugt. Günther Tengel: „Oft werden Topmanager zwar nach fachlichen Gesichtspunkten rekrutiert, aber wegen ihrer sozialen Fähigkeiten rausgeschmissen.“

Von Ulrike Moser

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