Wasser-Test: Geheime Quellen

Bei Design-Mineralwässern geht Form vor Inhalt, und nicht immer ist alles in der Flasche drin, was der Hersteller außen draufschreibt.

Dieses Mal ging es Stephan Bruck zu weit: 11,40 Euro waren einfach zu viel für die Flasche Mineralwasser, die auf der Rechnung eines Wiener Restaurants standen – ganz abgesehen davon, dass sich nur ein halber Liter in der eleganten, dunkelblauen Flasche befand. Der Unternehmer, der sich mit seiner Firma AQA mit Wassertests beschäftigt, griff zur Flasche und erlitt eine weitere Enttäuschung: Weder der genaue Quellort war angegeben noch das Prüfinstitut und Prüfdatum, auch die Angaben über die Inhaltsstoffe schienen ihm lückenhaft. Bruck wunderte sich, „dass man über so teures Mineralwasser so wenig erfährt“.

So entstand die Idee eines Design-Mineralwasser-Tests. Bruck kaufte im Supermarkt zwölf Wässer, die entweder mit Flaschendesign, mit Angaben über den Inhalt oder vor allem durch den Preis von sich behaupteten, außergewöhnlich zu sein. Mit dem Chemiker Martin Jung von Seibersdorf Research wurden die Produkte schließlich auf mehr als 25 Inhaltsstoffe untersucht und mit den Herstellerangaben auf den Flaschen verglichen.

Inhaltsleer. Das Ergebnis schmeckt schal: Nur vier von zwölf Herstellern geben das Prüfinstitut bekannt, welches das Wasser zertifiziert hat. Zehn der zwölf untersuchten Produkte verzichten auf die Angabe des Prüfjahres. „Das ist insofern wichtig, als sich die Zusammensetzung der Quelle im Laufe von Jahren verändern kann“, sagt Chemiker Jung. So kann es leicht passieren, dass die Menge der gelösten Inhaltsstoffe nicht mehr den Angaben auf der Flasche entspricht. Jedes dritte untersuchte Wasser verzichtet auch auf die Angabe des genauen Quellorts. Bruck und Jung kritisieren auch die zum Teil schlechte Lesbarkeit der Inhaltsangaben: „Einige der Wässer, etwa Oxygizer oder Montes, geben die Inhaltsangaben an der Innenseite der Flasche an. Sie durch das Glas zu lesen ist beinahe unmöglich.“

Weiteres Negativum, das den beiden nach den Untersuchungen aufgefallen ist: Einige der Hersteller geben an, besonders viel Sauerstoff im Wasser zu haben. „Das ist mit herkömmlichen Methoden so nicht nachvollziehbar“, sagt Jung. Er nennt das Beispiel O2 alive regular, das damit wirbt, 50 mg Sauerstoff pro Liter im Wasser zu haben – 500 Prozent mehr Sauerstoff in jedem Tropfen. Ähnlich beim Produkt Oxygizer: 150 mg/l sind angegeben, messbar waren nur 42 mg/l.

O2-Geschäftsführer Alexander Maurer relativiert. „Es stimmt, der Sauerstoff in unserem Produkt ist mit herkömmlichen Methoden nicht nachweisbar. Es bedarf dafür der so genannten Winkler-Methode.“ Dabei werden angereicherte Wasserpartikel auf mikroskopischer Basis entnommen und auf Sauerstoff geprüft. Eine Methode, die vom Fresenius-Institut in Frankfurt durchgeführt wird. „Was unser Wasser genau bewirkt, hat auch der Mediziner Wolfgang Marktl durch ein lupenreines Doppelblindverfahren mit 40 Testpersonen auf dem Fahrradergometer untersucht: Oxygizer verbessert messbar die Leistungsfähigkeit bei Höchstbelastungen und die anschließende Regenerationsphase.“ Einfacher gesagt: Wer das Wasser trinkt, dem geht die Luft nicht aus.

Chemiker Jung bleibt allerdings skeptisch: „Wenn Sie vor dem Trinken einmal kräftig Luft holen, haben Sie bestimmt mehr Sauerstoff zu sich genommen, als in dem ganzen Wasser steckt.“ Er vergleicht solche Phänomene mit Grander- oder Mondwasser wie dem Pineo, dessen Kraft davon kommen soll, dass es an Vollmondabenden abgefüllt wird: „Entweder man glaubt daran oder nicht. Klassisch messen konnten wir diese Werte nicht.“ Dafür hat er aber andere Dinge im O2 alive regular gefunden: etwa 71 mg Kalzium pro Liter oder knapp 25 mg Magnesium – die allerdings auf der Verpackung nicht zu finden waren. „Das sind Werte, die man nicht verstecken muss“, so Jung. Maurer dazu: „Als Tafelwasserhersteller schreiben wir das drauf, wozu uns das Gesetz verpflichtet, unsere Etiketten werden auch von den zuständigen Behörden überprüft und nicht beanstandet.“

Hier hakt Wassertester Bruck ein. Wasserhersteller machen es dem Kunden unmöglich, nachzuvollziehen, was sich in den Flaschen befindet. „Für den mündigen Kunden ist es beinahe unmöglich, die Produkte miteinander zu vergleichen.“ Er fordert daher mehr Informationen auf den Etiketten. „Und zwar solche, die der Kunde auch lesen und verstehen kann.“ Bruck ortet einen weiteren Missstand: Abfüller sind nur dazu verpflichtet, die Messwerte einzutragen, die dem Wasser an der Quelle entnommen werden. Vielfach haben diese Werte dann mit den getesteten Werten in der Flasche wenig zu tun. Er nennt exemplarisch zwei Beispiele: Tau gibt an, über einen Säure-Basen-Wert von 7,2 zu verfügen, „gemessen haben wir einen Wert von 4,2“. Oder Perrier: „Auf der Flasche sind 7 mg Magnesium pro Liter angegeben, zu finden war nur die Hälfte.“ Ähnlich auch San Pellegrino: 52 mg Magnesium sollten in der Flasche sein, gemessen wurden 36 mg pro Liter.

Fazit: Bei nur zwei von zwölf getesteten Wässern (Montes aus Österreich und San Pellegrino aus Italien) ist annähernd alles drinnen, was außen draufsteht.

Nicht schädlich. Eines wollen die beiden Wassertester trotzdem festhalten: Alle Wässer entsprechen der Trinkwasserverordnung, enthalten keine schädlichen Konzentrationen von Schadstoffen. Jung: „Wer einen Salat aus Holland isst, nimmt unter Umständen mehr Nitrat in sich auf als mit den von uns getesteten Mineralwässern.“

Trotzdem: Den Herstellern der Mineralwässer am Markt geht es um Marketing und Design, die Qualität des Wassers ist keine Messlatte mehr, Form geht vor Inhalt. Das zeigt sich etwa daran, dass Wasserflaschen optisch immer stärker an Parfümflakons erinnern und manchmal sogar zu echten Sammlerstücken werden. Voss etwa ließ seine Flasche von Neil Kraft, dem früheren Calvin-Klein-Kreativdirektor, entwerfen. Evian bringt Limited-Gold-Editions und Künstler-Flaschen auf den Markt, die Gefäße mit fortlaufend nummerierten Zahlen werden auf eBay mittlerweile um bis zu 100 Euro gehandelt – eine Wertsteigerung um 1500 Prozent.

Brucks Fazit: „Oft zahlt man das Design, nicht das Wasser.“ Der italienische Hersteller Lauretana lässt seine Flaschen von Pininfarina stylen, dem Büro des weltberühmten Designers, der schon dem Alfa seine Form gegeben hat. Dafür behauptet Lauretana, das angeblich leichteste Mineralwasser der Welt zu produzieren. „Bei 14 Milligramm Mineralisierung pro Liter können Sie auch gleich destilliertes Wasser trinken“, so Bruck. Und generell sagt der Experte zu den schicken Wässern: „Bei vielen der teuren Designerwässer ist so wenig an gelösten Mineralien drin, dass ein Schluck vom guten alten Wiener Leitungswasser dem Körper mehr Mineralien zuführt als das Lifestyle-Getränk.“ Und günstiger ist es obendrein: 1000 Liter Wiener Quellwasser kosten nur 1,1 Euro.


von robert kropf

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