Was wurde aus... Staribacher

Macher von gestern, heute betrachtet. Von Klaus Kamolz

Andreas Staribacher war, von April 1995 bis Jänner 1996, nur neun Monate Finanzminister, eine reichlich kurze Zeit, um steuerpolitische Spuren zu hinterlassen. Ein Pionier war der kurzzeitige SPÖ-Minister dennoch. Er war der erste Ressortchef, auf dessen Schreibtisch in der Himmelpfortgasse ein Computer stand; er hatte damals sogar angeboten, ihn selbst zu kaufen, falls die Mühlen der Bürokratie zu langsam mahlen würden. Und er war, das bekam er nach seinem baldigen Abgang und der Rückkehr in seine Steuerberatungskanzlei mehrfach zu hören, der erste Finanzminister, der sich von all seinen Mitarbeitern verabschiedete, nämlich ganz einfach mit einer e-Mail. „So gesehen“, sagt er in seinem Büro in der Wiener Hegelgasse mit einem leicht selbstironischen Zug um die Lippen, „habe ich wohl ein bisschen Neuzeit in die Himmelpfortgasse gebracht.“

Dass der Sohn des langjährigen SPÖ-Regierungsmitglieds Josef Staribacher schon in der Bronzezeit des Internets entgegen Ressortgepflogenheiten nicht auf den letzten Stand der elektronischen Kommunikation verzichten wollte, hat allerdings auch mit der Leidenschaft zu tun, der er ein Dutzend Jahre zuvor verfallen war. Ausgebildete Passagierpiloten, die ihren Job in Cockpits voller Schalter und Displays tun, gehören nicht zu den Leuten, die länger als nötig an Schneckenpost und Schreibmaschine festhalten. Vor zwei Jahren hat Staribacher denn auch die höchsten Weihen des Pilotendaseins erhalten: Der 51-Jährige ist jetzt Flugkapitän. Tausende Passagiere eines flyniki-Urlaubsflugs nach Palma de Mallorca, Antalya, Lissabon, Paris oder Rom wurden seither von einem ehemaligen Finanzminister aus dem Cockpit begrüßt.

Im Büro der Steuerberatungskanzlei PKF, die er 1984 mit seinem Partner Primus Österreicher gründete, wird sofort klar, dass die Luftfahrt längst auch seinen Hauptberuf erobert hat. In der Bibliothek dominieren Bände über sämtliche Aspekte der Fliegerei, rechtliche und ökonomische vor allem, denn von den 70 gewerblichen Air Operators in Österreich gehört ein großer Teil zu seinen Kunden; wie viele es sind, will er nicht sagen: „Das wäre unzulässige Werbung.“

Es war ein Zufall, dass der junge Steuerberater 1983 mit dem Fliegen begonnen hat. Andreas Staribacher sah einen TV-Bericht über einen ausgewanderten burgenländischen Piloten, der in Florida eine Flugschule gegründet hatte. „Das wär doch was, wenn wir dort fliegen lernen“, sagte er zu seiner Freundin, und dann erwarb er über Weihnachten in drei Wochen den Privatpilotenschein. Er schmunzelt, wenn er heute davon erzählt: „Wir sind mit einem Touristen­visum eingereist, kurz zum Fliegerarzt gegangen – und dann ab in die Schule. Seit dem 11. September 2001 ist das unvorstellbar.“

Staribacher flog zunächst hobbymäßig („meist nach Portoroz und wieder retour“), erwarb dann bald die Instrumentenflugberechtigung. Nebenher begann er für das Transplant-Team des Wiener AKH Ambulanzflüge zu absolvieren. Da läutete dann immer wieder um ein Uhr nachts das Telefon, und um zwei war Staribacher am Flughafen, um irgendwo in Europa ein Spenderorgan abzuholen. Die Ambulanzfliegerei hat er dennoch vor einigen Jahren aufgegeben: „Eine Altersfrage, man ist nach so einer Nachtschicht am nächsten Tag dann doch belastet.“

Linien- und Executive-Flüge sind da einfacher durchzustehen. Unterwegs ist er mit einem Airbus der Serie 320, die er seit vier Jahren als Co-Pilot und seit 2006 als Kapitän fliegen darf – seit er mit Niki Lauda bei der Finnair die Ausbildung dafür absolvierte, denn die brauchte auch der bis dahin Boeing-sozialisierte Lauda noch. Staribachers Tätigkeit als Linienpilot ruht derzeit gerade, aber noch im Herbst will er wieder nebenberuflich bei einer Airline anheuern.

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