Was wurde aus... Maria Schaumayer

Was fällt auf? Die Handtasche. Klein ist sie geworden in den letzten Jahren, gerade das Notwendigste findet Platz, jedenfalls keine Akten.

Maria Schaumayer ist keineswegs indigniert, wenn die Sprache auf ihr früheres Markenzeichen, einen stattlichen, locker A4-formattauglichen und handgefertigten Aktentransportbehälter, kommt: „Es hat mich auch immer amüsiert, wenn ein Bild meiner Tasche in den Zeitungen die Nationalbank symbolisierte.“

Kaffee in der Wiener Innenstadt. Die ehemalige Nationalbankpräsidentin kommt mit öffentlichen Verkehrsmitteln aus ihrem Wohnbezirk Döbling. Es schiene banal, das zu erwähnen, ließe sich anhand ihrer Anreise nicht trefflich ein Bogen zu der bemerkenswerten beruflichen Laufbahn der heute 76-jährigen Ex-Politikerin und Wirtschafts- und Bankenexpertin spannen. Für Straßenbahnen war sie nämlich einst auch politisch zuständig – in den sechziger Jahren als Wiener ÖVP-Stadträtin für Städtische Unternehmungen, als sie eine Tarifreform, den Fahrscheinvorverkauf in den Trafiken und die ersten schaffnerlosen Tramways einführte. Und heute benutzt sie ebendiese, wenn sie ihren Verpflichtungen nachkommt. Welche Verpflichtungen? Wo sie doch offiziell schon seit mehr als zehn Jahren „i. R.“ ist, wie sie vor einiger Zeit kokettierte? Die Antwort liegt in Schaumayers Definition von „i. R.“: in Rufweite.

Den letzten lauten Ruf vernahm sie im Jahr 2000, als ihr
„politischer und menschlicher Freund“ Wolfgang Schüssel sie bat, die Entschädigung der NS-Zwangsarbeiter als Regierungsbeauftragte zu einem guten Ende zu bringen; längst galt sie als brillante, aber faire Verhandlerin. Als überzeugte Katholikin ließ sie sich von Kardinal Schönborn dazu überreden, im Kontroll- und Wirtschaftsrat der Erzdiözese Wien mitzuwirken, „was nach wenig klingt, aber bei fast 700 Pfarren eine ganz schöne Arbeit ist“. Daneben ist sie immer noch Kuratorin der Margarete-Lupac-Stiftung des Nationalrats: „Lupac war eine alleinstehende Dame, daher habe ich eine gewisse Affinität zu ihr, die dem Parlament ihr Vermögen mit der Auflage vererbte, damit Demokratie und Meinungsvielfalt zu schützen.“ Und dann ist da noch ihre eigene Stiftung, die sie 1991 mit dem Ziel, Frauenkarrieren zu fördern, gründete. Sie fühlte sich nicht zuletzt durch ihren eigenen Weg dazu verpflichtet.

In den frühen fünfziger Jahren verwirft sie Pläne, nach Uru­guay auszuwandern, um dort eine Bankkarriere zu starten, und tritt in die CA ein. „Als erstes weibliches Wesen in dieser Liga“ wird sie zu einem Führungskräftelehrgang zugelassen und betreut in der Filiale Rilkeplatz Bankkunden: „Mein prominentester war Hans Moser, Safe-Inhaber und immer ziemlich grantig.“ Als sie später mit jugendlicher Ungeduld die Prokura einfordert, wird ihr mitgeteilt, dass das „nicht so g’schwind“ gehe: „Nicht in wirklich ­sexistischer Weise, aber doch mit dem Unterton, man solle das ­eigene Geschlecht nicht vergessen, wenn man Ambitionen hege.“

Noch in den neunziger Jahren – Schaumayer ist die erste weibliche Notenbankchefin weltweit – erhält sie Angebote, die Frauen nie zuvor gemacht wurden: 1991 lehnt sie Rudolf Kirchschlägers Vorschlag, Kurt Waldheim in die Hofburg nachzufolgen, nach ernsthaften Überlegungen ab: weil ihr der Job erstens zu „formalistisch und protokollarisch“ erscheint und sie es zweitens spannender findet, Österreich auf EU und Euro vorzubereiten. Das spätere Ansinnen von Teilen der Volkspartei, Erhard Busek auf den ÖVP-Chefsessel zu folgen, weist sie, wie sie heute betont, entschlossen zurück. Nicht zuletzt wegen einer anstehenden Bein­operation verlässt Schaumayer 1995 die Nationalbank.

Die Erkrankung beendet langsam auch ihre Hobbykarriere als Eistänzerin – unter ihren Partnern: Otto Schenk – und „untermittelprächtige“ Tennisspielerin: „Ich konnte leider nicht mehr ans Netz vorstürmen.“ Bridge und Tarock wurden zu ihrem „geistigen Tennis“. Das Problem von Maria Schaumayer i. R. ist nur: „Meine Freunde sagen, es ist heute viel schwieriger, mit mir eine Partie zu vereinbaren als früher. Ohne Fixtermine im Kalender lebt man spontaner. Ich bin heute zwar nicht unglücklich, wenn ich nur getrödelt oder mich an den japanischen Kirschmagnolien erfreut habe, aber ich habe es nicht ungern, wenn ich sagen kann, da und dort konnte ich ein bisschen helfen.“

Von Klaus Kamolz

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