Was wurde aus... Hellmut Longin

Manager mögen Aufwinde in übertragenem Sinn. Hellmut Longin schätzt sie auch, wenn sie eine günstige Thermik versprechen. Beinahe jedes Wochenende im Sommer lässt er sich auf dem steirischen Segelflugplatz Trieben von einem Motorflugzeug in etwa 800 Meter Höhe bringen, klinkt sich dann aus und gleitet lautlos durch die Lüfte.

„Wunderbare Verhältnisse“, schwärmt der 73-jährige Ex-Vorstandsvorsitzende der Radex-Heraklith Industriebeteiligungs AG (RHI AG), „ich bin kürzlich bis nach Lienz geflogen und dann über das Gasteinertal zurück. Und wo ich Aufwinde entdeckt habe, konnte ich ordentlich auftanken: Man schraubt sich wieder einige hundert Meter hoch und erreicht sicher den Ausgangsflugplatz.“ Das sei beim ­Segelfliegen wichtig, denn nichts ist peinlicher als eine Außenlandung, bei der die Sportsfreunde einen halben Tag helfen müssen, den Flieger auf einer Kuhweide zu zerlegen und wieder nach ­Hause zu fahren. Longins eigene Außenbilanz: „Null, zum Glück.“ Szenenwechsel in ein ganz anderes Element. Mehrmals im Jahr steht Longin im kalten Wasser des irischen Flusses Finn, wirft mit einer Angel bunte Köder aus Fell und Federn hinaus in die Strömung und wartet auf den Biss eines Lachses: „Fünfmal war ich erfolglos in Irland, erst beim sechsten Mal habe ich den ­ersten gefangen.“ Das Fliegenfischen und die Segelfliegerei standen ganz oben auf Longins Liste, als er 1995 seinen Abschied als Vorstandsvorsitzender der Radex-Heraklith Industriebeteiligungs AG nahm. „Ich hatte ganz einfach den Wunsch aufzuhören, bevor ich von meinem Schreibtisch mit der Schubkarre auf den Friedhof gefahren werde“, dachte er sich damals. Im steirischen Göss der Nachkriegsjahre verbringt Longin eine ziemlich technikaffine Jugend. Er jobbt in der örtlichen Brauerei, lernt Schweißen und Drehen und nutzt seine Kenntnisse für ein nicht ganz ungefährliches Hobby. Bei einem Vortrag lernt er einen der Konstrukteure der V1-Rakete kennen, lässt sich Pläne schicken und baut eigene, zwölf Kilo schwere Raketen, die er mithilfe von Autobatterien, Glühkerzen und Benzin in die Luft jagt; mit sechs Kilo krachen sie aus bis zu zehn Kilometer Höhe wieder auf den Boden. Oft wartet schon die Polizei, wenn er nach Hause kommt. „Und jedes Mal hab ich einen Meineid geschworen, dass ich mit der Bastlerei aufhöre.“

Longin will Triebwerkstechnik studieren, aber es ist in diesen Jahren schwer, in die USA zu kommen, und so absolviert er in der Mindestzeit sein Metallurgie-Technik-Studium in Leoben; „ohne einer der Studentenverbindungen beizutreten“, wie er betont. 1960 heuert er bei jener Firma an, die ihn sein restliches Berufsleben beschäftigen wird: den österreichisch-amerikanischen Magnesitwerken unter der US-Mutter Grefco. Ab 1974 leitet er deren europäische Niederlassungen und steuert auf jene Ereignisse zu, die ihn in der Managementszene erst beinahe ­unmöglich machen und dann zum Pionier werden lassen.

28. Juni 1985. Hellmut Longin befindet sich in den USA, um das Management-Buy-out der europäischen Grefco-Niederlassungen abzuschließen und einen Feuerfest-Konzern unter österreichischer Führung zu begründen, doch zwei Stunden vor Beginn der Generalversammlung fehlen plötzlich 180 Millionen Schilling; die Zentralsparkasse („Z“) war ausgestiegen. Longin schleicht „wie ein geprügelter Hund mit der Lufthansa heim nach Wien“, storniert vorerst alle Geschäfte mit der „Z“, lässt sich von deren Vorstand René Alfons Haiden aber schließlich besänftigen – und startet einen zweiten Versuch. 1987 klappt das erste österreichische Management-Buy-out großen Stils, für das der Initiator neun Jahre später zum trend-„Mann des Jahres“ gekürt wird; da zeigten die Bilanzen, dass die Idee gut und erfolgreich war. Aber noch heute sucht ihn „der Albtraum von 1985“ (Longin) manchmal heim. Ob im Segelflieger oder an irischen Ufern – „es kommt regelmäßig, zuletzt habe ich vor zwei Wochen daran ­gedacht“. Zwei Maximen gelten jedenfalls seither für Longin: Am Ende bloß keine Außenlandungen. Und Lachse beißen nicht ­immer beim ersten Mal.

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