Was wurde aus... Heinrich Übleis

Macher von gestern, heute betrachtet. Von Klaus Kamolz

Im Sommer vor elf Jahren begann die so genannte Phase 4 in der langen Karriere des Heinrich Übleis. Der Mann, der in der dünnen Luft der staatlichen Spitzenjobs eine Gipfeltour hingelegt hatte, die heute undenkbar erscheint – nämlich Generaldirektor der Post, Bautenminister und dann noch oberster ÖBB-Chef –, hatte ein Seniorenheim im Auge. Mit 64 vielleicht ein wenig früh? Nein, er wollte nicht darin wohnen, sondern es aufbauen und betreiben. Seit seinem Ausscheiden aus den ÖBB im Jahr 1993 hatte Übleis sich mit dem Thema Pflege beschäftigt, weil er – wie er heute sagt – „den dringenden Bedarf an betreuten Plätzen“ erkannt hatte. Dann entdeckte er ein altes Krankenhaus in Hainburg an der Donau, verhandelte mit seinem „alten Freund“, dem örtlichen Bürgermeister, und erhielt das Objekt für einen Schilling, mit der Auflage, daraus ein Pflegeheim zu machen.

Jetzt sitzt Übleis im Waldviertlerhof in Wien , nahe seiner Wohnung, und spricht über sein Projekt, als hätte er ein Luxusresort nahe der ostösterreichischen Donauauen gebaut. Drei Jahre führte er die Pflegeeinrichtung auch als Heimleiter, dann verkaufte er das Heim an das Land Niederösterreich und baute in unmittelbarer Nachbarschaft auch noch ein Gebäude als Seniorenwohnheim aus: „Alle Wohnungen mit Loggia, absolute Ruhelage, hauseigene Bibliothek, Dachterrasse mit Fernblick nach Bratislava, Restaurant und Bäckerei fünf Gehminuten entfernt um etwa 500 Euro pro Monat.“ 50 betreute Wohnungen verwaltet der 75-Jährige derzeit, und seine statistischen Aufzeichnungen, nach denen die Menschen immer älter werden und immer länger in solchen Einrichtungen leben, lassen ihn nach Möglichkeiten zur Erweiterung seines Seniorenwohnhauses fahnden. Heinrich Übleis hört das Bonmot nämlich nicht ungern, dass er älter sei als so mancher Bewohner seines Seniorenheims, aber noch reichlich aktiv. Und so hält er sich bei seinen häufigen Besuchen in Hainburg auch weitgehend fern von der Idylle der Au. Kontemplation ja, aber sie muss mit Tätigkeit verbunden sein. Dann schon lieber intensive Gartenpflege in seinem Marchfelder Landhaus: „Ein Wanderer in Ruhe, der sich gerne die Gegend anschaut, bin ich nicht.“

So, sagt Übleis , habe er es seit frühester Jugend gehalten. Der „Heinerl“, wie ihn seine Volksschullehrerin in Edt bei Lambach in den frühen vierziger Jahren nennt, sei „g’scheit“; man müsse ihn studieren lassen. Aber wie? Übleis stammt aus armen Verhältnissen. Er wächst bei Zieheltern auf, die ihm – animiert durch den Rat der schulischen Respektsperson – die Matura in Wels ermöglichen. Er schreibt an die Post – an wen sonst in diesen Zeiten, Briefträger waren Dorfhonoratioren. Und dann eines Tages kommt der Briefträger mit einem Schreiben von der Post, und Übleis ist so schnell in Scharnstein, wo er dienstzugeteilt wurde, dass er nicht einmal den Koffer packt. Briefträger, Schalterdienst, Postamtsleiter und schließlich Wechsel in die Generaldirektion nach Wien; das Jusstudium absolviert er nebenbei. Und weil er von „Schwarzen umgeben ist“, wie er heute schmunzelnd sagt, engagiert er sich erstmals politisch im Betriebsrat, plakatiert, dass die Post „jung, modern und zukunftsorientiert“ werden müsse, und erlebt, wie die anderen seine Sprüche „von überall wieder herunterkletzeln haben müssen“. Mit 46 ist er Generaldirektor der Post, und die schriftlichen Unterlagen von damals, die beweisen, dass er nie vergessen hat, wo er herkam, hat der eingefleischte Sozialdemokrat heute noch.

Eines Donnerstags , er weiß es noch, erfährt er im Büro, dass Bautenminister Karl Sekanina zurückgetreten ist und Kanzler Fred Sinowatz schon angerufen hat. Das ist ihm „komisch vorgekommen“, sagt er. Zu Recht, zwei Tage später ist er Minister. Und zwei Jahre später – die kleine Koalition unter Sinowatz ist Geschichte – Generaldirektor der ÖBB, die im schon leicht holprigen Austrotakt auf neue, nicht gerade einfachere Zeiten zusteuern.

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