Was Anlegern 2008 bringen wird

Kommt jetzt der Aufschwung, oder schlittern wir in die Rezession? Insider zum Thema Nummer eins für Anleger.

Es ist nicht die Frage, ob ein Rückschlag kommt. Es ist nur die Frage, ob die Landung hart oder sehr hart sein wird“, sagt US-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz.

„Das Risiko einer Rezession ist sehr hoch“, sagt Harvard-Starprofessor Martin Feldstein.

„Die Probleme bei den Immobilienkrediten betreffen nicht nur die USA. Das ist keine kurze Korrektur, sondern ein zäher, langer Abschwung, der bis ins Jahr 2009 hinein anhält“, sagt der Chef­ökonom der größten deutschen Bank und „EU-Wirtschaftsweise“, Norbert Walter.
Drei Meinungen von Top-Ökonomen, eine Botschaft: Die Krise ist da, und sie ist ernst.

Seit Sommer herrscht unter den Anlegern das große Zittern: Im Wochentakt müssen (vor allem amerikanische) Großbanken immer neue Verluste aus Immobilienkrediten eingestehen, erscheinen laufend Wirtschaftsprognosen mit immer niedrigeren Schätzungen für das Wirtschaftswachstum, wächst der Kreis der vom Hypothekar-Crash Betroffenen.

Doch es gibt auch gänzlich andere Signale. Warren Buffett, der erfolgreichste Investor aller Zeiten, ließ erst kürzlich die Öffentlichkeit wissen, er nutze die niedrigen Kurse für Aktienkäufe. Der Dubai-Staatsfonds ADIA legte 7,5 Milliarden Dollar auf den Tisch, um sich fünf Prozent von der weltgrößten Bank – Citigroup – zu schnappen. Der Staatsfonds von Singapur und ein unbekannter Investor aus Nahost machten zusammen 7,8 Milliarden Euro locker, um sich einen Brocken von der Schweizer Großbank UBS zu sichern. Selbst der alles andere als optimistische Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter – er beriet unter anderem als einer der sieben „Wirtschaftsweisen“ die EU bei der Liberalisierung der Wertpapiermärkte – lässt sich von seinen eigenen pessimistischen Prognosen nicht zurückhalten und sagt ganz klar: „Ich kaufe jetzt Aktien.“

2008 – das Jahr der Krise oder das Jahr der Chancen? „Wir stellen jedenfalls fest, dass die vom Markt eingepreisten Risiken die tatsächlichen Risiken derzeit schon deutlich übersteigen“, beob­achtet Gerhard Aigner, Vorstand von Raiffeisen Capital Management (RCM). „Das gilt vor allem für den Geldmarkt.“ Mit insgesamt 44 Milliarden Euro gemanagtem Anlagevolumen liegt RCM nicht nur in Österreich an der Spitze, sondern spielt auch international eine beachtliche Rolle.
Vor allem in den nächsten Wochen, so meint Aigner, werde es aber trotz der ohnedies schon herrschenden Zurückhaltung der Anleger noch einige weitere Nachbeben an den Börsen geben. „Wir gehen davon aus, dass die Schäden durch die US-Hypothekarkrise letztendlich 300 bis 400 Millionen Dollar ausmachen werden. Davon ist aber erst ein Teil offiziell eingestanden. Da kommt noch etwas nach.“ Andererseits aber sollten sich die Nebel spätestens im Februar lichten. „Wenn die ersten von Wirtschaftsprüfern tes­tierten Bilanzen heraußen sind, wird das für Beruhigung sorgen. Denn wir gehen nicht davon aus, dass es in den USA zu einer Rezession kommt, und schon gar nicht, dass es Bankenzusammenbrüche gibt“, so Aigner.

Mit einer Rezession rechnet freilich auch Wirtschaftsweiser Walter nicht. Doch „zu einer Abschwächung des Wachstums wird es kommen, und zwar zu einer empfindlichen. In den USA auf unter zwei Prozent, ebenso in Europa. Und die fünf Prozent Wirtschaftswachstum, die der Internationale Währungsfonds für die Weltwirtschaft prognostiziert, die sehe ich auch nicht. Das werden höchstens vier Prozent, da werden die Schwellenländer an Bedeutung zunehmen.“

Ein Thema, das 2008 für Anleger jedenfalls wichtiger sein wird als je zuvor. Ulrich Baumann, Manager des Volksbank Pacific Invest-Fonds: „Für mich lautet die zentrale Frage: Können sich die BRIC-Staaten von der Konjunktur in den USA abkoppeln?“ Diese so genannten BRIC-Staaten – Brasilien, Russland, Indien und China – zählten schon im abgelaufenen Jahr zu den Hoffnungsgebieten für Anleger. 2007 stellten diese Schwellenländer das Wachstum der „alten“ Industrienationen bereits deutlich in den Schatten. Zwischen knapp fünf Prozent (Brasilien) und über zehn Prozent (China) konnte die Wirtschaft in diesen Ländern zulegen – gegenüber 2,2 Prozent in den USA und 2,6 Prozent in der Euro-Zone. Doch ob diese vier Wachstumsgiganten 2008 den Schwung beibehalten können, steht in den Sternen. „Ob das mit dem Abkoppeln dann wirklich funktioniert, dazu gibt es keine Erfahrungswerte. Historisch betrachtet, hat es das bisher noch nie gegeben.“

Deutsche-Bank-Chefökonom Walter ist, zumindest was Brasilien und den Rest Südamerikas betrifft, optimistisch. „In dieser Region hat man das Potenzial bisher noch verhältnismäßig schlecht genutzt. Da gibt es einmal das demografische Potenzial – eine junge Bevölkerung mit einer großen Arbeitskräftereserve. Die Eliten sind in den USA ausgebildet, da gibt es gute Manager. Es gibt Bodenschätze und agrarische Rohstoffe. Die Wirtschaftsordnung begünstigt das Wachstum ebenfalls.“

China könnte hingegen auf Probleme zusteuern. „China hat alle Bremsen angezogen, um eine Überhitzung der Wirtschaft zu vermeiden“, meint Fondsmanager Ulrich Baumann. „In Indien und China wird die Binnennachfrage künftig zunehmen, das bringt neue Impulse für die Wirtschaft.“ Weniger optimistisch zeigt sich da Chefökonom Walter. „Die chinesische Binnennachfrage kann drohende Einbrüche beim Export – wenn sich nämlich die Nachfrage in den USA abschwächt – keinesfalls ausgleichen. Das ist eine Illusion.“ Für Ulrich Baumann sind die chinesischen Aktien darüber hinaus längst nicht mehr billig. „Man muss schon auch sagen, dass die Aktien in China recht optimistisch bewertet sind“, so der Fondsmanager. „Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich da die nächste Blase bildet. Sein Favorit in der Region heißt Japan. „Der Aktienmarkt ist günstig bewertet, manche Unternehmen notieren an der Börse nur noch mit ihrem Buchwert – an anderen Börsen kann das bis zum Zweieinhalbfachen des Buchwertes gehen. Die Dividendenrendite der Aktie liegt höher als die Zinsen für zehnjährige Anleihen. Und man darf auch nicht vergessen, dass Japan derzeit in allen größeren Portfolios eindeutig untergewichtet ist. Allein schon wenn das auf eine neutrale Gewichtung angehoben wird, fließen enorme Summen in den japanischen Aktienmarkt.“

Nischen sind es auch, die Norbert Walter bei seinen eigenen Anlageentscheidungen sucht. „Ich glaube an ein Comeback von Technologieaktien – und zwar in ganz bestimmten Bereichen.“ Die Themen lauten hier: Energieeffizienz, Alternativenergie, aber auch agrarische Rohstoffe. Energie zählt für ihn zu den „Megatrends“ der kommenden Jahre. „Und zwar nicht die traditionellen Ölkonzerne. Sogar in den USA bahnt sich ein Wandel in der Einstellung zum Thema Energiesparen an“, meint Walter. Hier werde es in den kommenden Jahren eine rege Investitionstätigkeit geben. Papiere aus den Bereichen erneuerbare Energie und Energietechnologie würden sich daher auch gegen eine insgesamt schlechte Börsenstimmung durchsetzen.

Also doch Aktien für 2008? „Man wird 2008 wieder Aktien im Portfolio haben müssen“, glaubt Bernhard Ramsauer, Vorstandsvorsitzender der Privatbank Sal. Oppenheim (Österreich). „Reich wird man damit sicher nicht. Aber eine gemischte Vermögensverwaltung für konservative Anleger sollte zu rund 30 Prozent auf Aktien setzen. In Kombination mit Anleihen sollten dann so um die sechs Prozent herausschauen.“
Was ja immerhin um einiges mehr wäre als 2007.

Strategie 1: Börsen für Bullen
Mit dem richtigen Mix durchs neue Jahr.

- Szenario: Sie glauben, die Immobilienkrise in den USA weitet sich nicht aus, mit der Veröffentlichung der testierten Bilanzen Jänner bis März 2008 kommt Beruhigung in die Märkte, die Aktien holen ihre Verluste seit Sommer 2007 wieder auf.

- Was dafür spricht: Noch nie in der Geschichte gab es eine vergleichbare Summe von Kapital, das, schlecht verzinst, praktisch nutzlos „herumliegt“. Chinesische Währungsreserven, die diversen Investmentfonds der arabischen Ölproduzenten und Russland horten zusammen geschätzt mindestens 2,5 Billionen US-Dollar, davon 1,2 Billionen allein China.

- Was dagegen spricht: Das Vertrauen der Anleger in Aktienmärkte ist – nach dem Technologie-Crash 2002 und der US-Hypothekarkrise – nachhaltig beschädigt.

- Strategie: Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, zählt keineswegs zu den Optimisten, kauft aber dennoch jetzt schon Aktien. Er favorisiert für das neue Jahr Werte, die im Zusammenhang mit Agrarrohstoffen stehen, Technologiewerte (Umwelttechnik, Energiesparen) und südamerikanische Werte. Außerdem ist Walter optimistisch, was die Chancen Afrikas betrifft. Bei einer vom Business Circle veranstalteten Diskussionsrunde zum Thema erklärte er: „Es ist uns allen nicht aufgefallen, dass dieser Kontinent in den vergangenen sechs Jahren ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum von sechs Prozent jährlich geliefert hat.“ Außerdem stehen strategische Beteiligungen an wichtigen europäischen und US-Unternehmen im Visier der Staatsfonds.

- Investment: Aktien von Unternehmen, die den Agrarsektor beliefern (Monsanto, Deere, Agrium, Syngentis, Potash); börsennotierte Fonds und Zertifikate auf Agrarindizes (ABN RICI Agricul­ture, DWS GO Agrikultur Aktiv); Afrika (ABN FTSE Africa Top 40), Lateinamerika (DWS GO Lateinamerika small & midcaps-Zertifikat, DWS GO Lateinamerika All Stars-Zertifikat); Energie­effizienz (DWS GO Energy Efficiency).

Strategie 2: Bonds für Bären
Investment für alle, die an ein schlechtes Jahr glauben.

- Szenario: Sie rechnen damit, dass die von den faulen US-Hypothekarkrediten ausgelöste Krise in den USA weitere Nachbeben auslöst und zu massiven Kaufkraftverlusten führt. Immobilienmärkte in Europa (Großbritannien, Spanien, Irland) und China werden erfasst. Die Bilanzsaison offenbart weitere massive Verluste von Banken und Versicherungen.

- Was dafür spricht: Derzeit ist erst ein Teil der Wertberichtigungen, die Banken im Zusammenhang mit Immobilienkrediten vornehmen müssen, bekannt. Die Bilanzsaison kann daher ergeben, dass die Schäden, vor allem im Finanzsektor, noch größer als befürchtet sind. Dies würde zu einem weiteren Vertrauensschwund der Anleger führen.

- Was dagegen spricht: Angesichts der Tatsache, dass in der Wirtschaftsberichterstattung seit einem halben Jahr „Krise“ zu den häufigsten Wörtern zählt, sollte eigentlich jeder, der vor einem Crash Angst hat, schon verkauft haben.

- Strategie: Wenn’s an den Aktienmärkten wirklich kracht, dann kann man davon ausgehen, dass die Zentralbanken die Zinsen nicht weiter erhöhen, sondern eher noch weiter senken, was für die Anleihekurse gut wäre. Groß ist das Risiko für Anleihekäufer 2008 ohnedies nicht. „Mit Anleihen wird man heuer zumindest den Kupon verdienen und damit besser als die Inflation abschneiden“, sagt Bernhard Ramsauer. Das war in den vergangenen Jahren nicht immer so: Der Zinserhöhungszyklus bis 2007 führte jedes Jahr zu Kursverlusten bei Anleihen.

- Investment: Ganz einfach Euro-Staatsanleihen, Wohnbauanleihen, als Beimischung Unternehmensanleihen bester Bonität.

Strategie 3: Zertifikate für Zauderer
Geldanlage auf der Waage zwischen „Gut“ und „Böse“.

- Szenario: 2008 passiert – einfach nichts. Die Aktienmärkte gehen seitwärts, die Notenbanken lassen die Zinsen unverändert – gähn!

- Was dafür spricht: Viel tiefer kann die Stimmung kaum noch sinken, der Pessimismus ist in den Kursen bereits enthalten, aber die Anleger sind nervös und schrecken vor neuen Engagements zurück.

- Was dagegen spricht: Die enorm hohe Liquidität der staats(nahen) Fonds und Zentralbanken – siehe Strategie 1.

- Strategie: Anleihen und Zertifikate. Bei Anleihen locken die sicheren Zinsen. Bei Zertifikaten gibt es Angebote, die Gewinne auch bei seitwärts gerichteten Börsen ermöglichen. Dabei kann man durchaus auch auf einen Sektor setzen, der zusätzlich eine Gewinnchance bietet.

- Investment: Bonus-Zertifikate, die auch bei seitwärts gerichteten Börsen eine garantierte Rendite bieten, zum Beispiel: Volksbank Bst Balance High Tech Bonus Garant, Volksbanken China Alpha Performer III, Raiffeisen Centrobank (RCB) Bonus-Zertifikat auf den DJ Euro Stoxx 50, RCB Bonus-Zertifikat auf den RDX Euro, RCB Bonus-Zertifikat auf den CECExt; Euro-Staatsanleihen, Wohnbauanleihen.

Von Franz C. Bauer

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

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