Viele bekommen neue Benimmregeln verpasst

Viele heimische Führungskräfte, Einkäufer und Verkäufer bekommen neue Benimmregeln verpasst - eine Auswahl.

• Obergrenzen: Bei der OMV sind Geschenke und Einladungen über 150 Euro genehmigungspflichtig. Wenn es ein Vorstand abnickt, dürfen es in Einzelfällen aber sogar mehr als 1000 Euro sein.

• Cost-Sharing: Daumen-mal-Pi-Regel für Voestalpine-Verkäufer, die ihre Kunden - etwa aus der Autoindustrie - zu den Salzburger Festspielen einladen wollen: Karte und Abendessen sind drin, Reisekosten und Übernachtung müssen sich die Gäste selbst zahlen. Das deckt sich inzwischen übrigens ziemlich genau mit den Compliance-Richtlinien der Kunden.

• Geld-Lasten der Briefträger: Die Post ist eines der wenigen Unternehmen, in denen der Außendienst Geldgeschenke annehmen darf: Briefträgern sind bis zu zehn Euro als "Trinkgeld“ erlaubt. Heikel ist, dass Postler, wenn sie einen RSb- oder RSa-Brief zustellen, so genannte Amtsträger sind. Dabei dürften sie keine Geldgeschenke annehmen. Alle anderen Mitarbeiter können nur Sachgeschenke bis zu einem Wert von 50 Euro annehmen.

• Branchen-Usus: Im ORF dürfen laut den hausinternen "Regeln für den geschäftlichen Verkehr“ nur Geschenke und Vergünstigungen, die "branchenüblich” sind, akzeptiert werden. Auf Nachfrage interpretiert das ein ORF-Sprecher: "Eine Einladung von einem Produktionspartner zum Mittagessen ist drin - aber sicher nicht eine Einladung zur Jagd oder ein Wochenende in einem Hotel.“

• Verwandtschafts-Check: Die Asfinag schiebt dem Nepotismus einen Riegel vor: Jede Führungskraft der ersten oder zweiten Ebene muss schon bei ihrem Eintritt ins Unternehmen offenlegen, ob ein "naher Verwandter“ bei einem Konkurrenten, Lieferanten etc. arbeitet. Nahe Verwandte sind: Eltern, Geschwister, Schwager, Ehepartner, Lebensgefährten, Kinder, Onkel, Tanten, Neffen, Nichten und Großeltern.

• Amtsträger-Verbot: Die Geschäftsführer ihrer Firmengruppe, so haben die Bauunternehmer Erwin und Hanno Soravia beschlossen, dürfen keine Bürgermeister mehr einladen. Schwierig ist es, wenn man mit den Leuten persönlich befreundet ist. "Der Bürgermeister von Spittal an der Drau ist ja ein ehemaliger Schulkollege von mir“, erzählt Hanno Soravia. Selbst will er keine Einschränkungen machen, vor allem nicht bei der Jagd: "Ich darf mir ja wohl noch einen Abschuss zahlen. Und auch einladen lassen darf ich mich.“

• Holzklasse: Beim Pharmaunternehmen Roche Austria gelten die Richtlinien der Konzernmutter in Basel, z. B. für Einladungen an Ärzte im Rahmen von Fortbildungen sowie an Journalisten, die zur Pressekonferenz ins Headquarter geflogen werden: Flug Economy, Zug 1. Klasse, Übernachtung in Vertragspartnerhotels von Roche. Ähnliche Regeln haben die meisten Pharmaunternehmen (siehe auch Seite 36).

• Angemessenes Essen: Bei Essenseinladungen an ÖBB-Mitarbeiter gilt u. a. die "soziale Adäquanz“, die für einen Vorstand anders aussehen kann als für einen Sachbearbeiter. Entsteht der Eindruck, dass eine Einladung mit Erwartungshaltung verknüpft ist, muss sie von allen abgelehnt werden.

• Schonkost für Polit-Kunden: Young & Rubicam ist eine Werbeagentur mit politischen Parteien und Ministerien als Kunden. In diesen heiklen Fällen ist man bei der Bewirtung knausrig: Es gibt kein Essen im feierlichen Rahmen, sondern höchstens Brötchen in der Agentur.

• Null-Toleranz: Vom schweigsamen Diskonter Hofer wird berichtet, dass selbst Sekretärinnen eine freundschaftlich zugesandte Tafel Schokolade wieder zurück an den Absender schicken müssen: mit dem Hinweis, es dürfe gar nichts angenommen werden.

• Kammer-Prinzip: Die hausinternen Regeln der Wirtschaftskammer bilden im Wesentlichen das aktuell gültige Korruptionsstrafrecht ab und werden deshalb in den nächsten Monaten überarbeitet werden.

• Lobbying bis 100.000 Euro: In vielem sind die neuen Richtlinien der Telekom Austria (TA) vorbildlich streng. Aber die Grenze, ab der ein Lobbying-Auftrag einen Vorstandsbeschluss braucht, ist eher hoch angesetzt: 100.000 Euro. Darunter genügt auch die Unterschrift eines Vorstands bzw. Geschäftsführers sowie eines Prokuristen. Einladungsprinzipien sind in den neuen TA-Richtlinien klar definiert: Zu High-Level-Veranstaltungen wie etwa Kitzbühel werden keine Amtsträger mehr eingeladen. Zu "kleinen, gesetzten Sponsoringveranstaltungen“ laut TA-Compliance- Officer Martin Walter schon - gegen eine schriftliche Bestätigung der Eingeladenen, dass dies nicht gegen deren eigene, interne Regeln verstößt.

• Grenze für Geschenke: Als gängigste Wertgrenze bei Geschenken, Einladungen etc. kristallisiert sich die 100-Euro-Marke heraus. In der RLB Oberösterreich ist man mit 50 Euro noch strenger.

• Sicher ist sicher: Geld, Reisen, Rabatte, Vergünstigungen - alles tabu für Generali-Mitarbeiter. Einzige Ausnahme: Essenseinladungen zu besonderen Anlässen, z. B. Geschäftsabschlüssen, sind erlaubt - sie sollten aber den Richtwert von etwa 50 Euro nicht übersteigen. Werbegeschenke nur unter einem Richtwert von etwa 35 Euro.

• Wertgegenstände abgeben: Wenn sich Geschenke nicht mehr zurückschicken lassen, dann greift bei der Raiffeisen Bank International (RBI) folgende Maßnahme: Der Wertgegenstand wird an die RBI übertragen. Die Bank kann diesen dann zur Benützung an den Beschenkten rückübertragen - so geschehen etwa bei einem Gemälde - oder auch nicht.

• Ausschluss für Politiker: Der Autokonzern Audi sponsert unter anderem auch die Salzburger Festspiele. Dabei nutzt Audi das Vorkaufsrecht für Festpielkarten. Was früher gang und gäbe war, wird heute nicht mehr praktiziert: Die Einladung von Politikern ist absolut verpönt.

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

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