Mehr Meer!

Mehr Meer!

Die traditionsreichen Bootsbauer vom Traunsee, Trio-Preisträger 2003, verlegen sich zusehends auf Motorboote, die auf dem Gardasee ebenso unterwegs sind wie an der Côte d’Azur. Mit dieser Wachstumsstrategie wollen sie ihr Unternehmen durch stürmische Zeiten der Branche steuern.

Es riecht noch alles neu in der soeben eröffneten Werft von Frauscher im oberösterreichischen Betriebspark Ehrenfeld, unweit der Papierfabrik Steyrermühl. In der großen Fertigungshalle stehen Rümpfe und Decks von Booten herum, in einer Ecke türmen sich Sitzpölster. Und nur ein vielleicht fünfzehn Meter langer Probekanal, in den die fertig gebauten Boote zu Testzwecken gesetzt werden, erinnert an die Endbestimmung: Hier geht es um Produkte für „schöne Stunden am Wasser“, wie der alte Leitspruch der Frauschers hieß.

Ganz vorne in der Halle steht eine halb fertige 1017 GT. Sie ist das neue Wunderkind – und Zukunftshoffnung zugleich. Im Herbst 2011 gelauncht, ist sie das mit Abstand teuerste Boot in der Modellpalette: In der Basisausstattung ist das knapp über zehn Meter lange Schinakel ab 250.000 Euro netto zu haben. Auf den mondänen Bootsmessen in Monaco und Cannes wird es ebenso gefeiert wie auf Mallorca, wo das seit 1927 bestehende Familienunternehmen vor einem Jahr ein Auslandsbüro eröffnet hat.

Die Botschaft ist klar: Die edel designten Frauscher-Boote sollen in Zukunft noch stärker in den Meeren unterwegs sein, sie sollen zu den Must-Haves der Elite in Sardinien, an der Côte d’Azur, an den spanischen Küsten gehören. „Seit fünf Jahren bauen wir bewusst fürs Meer“, sagt Stefan Frauscher, der mit seinem Bruder Michael und seiner Cousine Andrea Frauscher-Oberfrank die Firma in dritter Generation führt. Das bedeutet natürlich viel höhere Anforderungen an die Belastbarkeit: Salzwasser und hoher Wellengang beanspruchen die Materialien deutlich mehr. Doch es ist auch eine klare Strategie, wie man durch die stürmischen Gewässer der Branche navigieren will.

Denn „das Bauernsterben ist eine Kleinigkeit gegen das Bootsbauersterben“, charakterisiert Frauscher flapsig die aktuelle Weltmarktlage. So wurde etwa der italienische Yachtbauer Ferretti dieses Jahr an die chinesische Shandong-Gruppe verkauft. Für die Oberösterreicher bedeutet das, ihre Nische zu globalisieren – und in der Globalisierung womöglich weitere, viel versprechende
Nischen zu entdecken. Denn noch immer sind rund die Hälfte der jährlich 80 gefertigten Frauscher-Boote Elektroboote, für die Süßwasserseen Österreichs, der Schweiz und Süddeutschlands bestimmt, wo das Wachstum limitiert ist.

Das Geschäft der Zukunft sind deshalb die mit Benzin-, Diesel- oder Hybridmotoren betriebenen, größeren Frauscher-Vehikel, von denen inzwischen schon jedes zweite im Meer landet, die
anderen auf den Schweizer Seen oder am Gardasee. Zehn Prozent Umsatzplus hat sich das Unternehmen für das am 1. September begonnene laufende Geschäftsjahr zum Ziel gesetzt – keine Kleinigkeit in diesen turbulenten Zeiten. Acht Millionen waren es im eben abgeschlossenen Jahr. Der Schwerpunkt bleibt unverändert in Europa, Lieferungen nach Australien, in die USA oder den Nahen Osten sind auch weiterhin die Ausnahme. Neuer Leitspruch: Engineers of Emotion.

Hinter der Transformation stecken prominente Investoren: 2008 haben sich mit je 12,5 Prozent Ex-Hofer-Österreich-Chef Armin Burger und die Gmundner Baustoff-Familie Asamer an Frauscher beteiligt. Seitdem ist extreme Fokussierung angesagt: Der operative Bootsbau wurde von der Hafenbetriebsfirma, die weiterhin ihren Sitz in Gmunden am Traunsee hat, und den Immobilien abgespalten. Mit Andreas Ahamer gibt es nun auch einen familienfremden Manager, in der Praxis eine Art Chief Operating Officer. Den meist lokalen Lieferanten von Metall, Holz oder Pölstern wurde eine moderne Just-in-time-Logistik aufgezwungen. Die Asamers sind überzeugt, dass das Manöver am Ende von Erfolg gekrönt sein wird: „Wir unterstützen die Wachstumsstrategie voll und ganz. Frauscher erschließt damit neue Märkte, die das Unternehmen vorher nicht hatte“, so der zuständige Andreas Asamer.

Design oder nicht sein

Bei der Schönheit werden auch in Zukunft keine Abstriche gemacht – Design gehört weiterhin zu den Kernkompetenzen. Noch streng geheim: Auch die renommierte ¬Design-Schmiede Kiska (lesen Sie dazu das Porträt über den diesjährigen Trio-Preisträger auf Seite 46) tüftelt derzeit schon an einem Frauscher-Boot.

Und dass es auch als Familienunternehmen in die Zukunft weitergehen wird, davon sind die Frauschers ohnehin restlos überzeugt: Die vierte Generation, insgesamt sieben Heranwachsende, beginnt sich schon für die Boote zu interessieren. Mit Thomas Gerzer, seinem Cousin, gebe es obendrein ein „Entwicklungsgenie“ in der Familie, wie Stefan Frauscher sich ausdrückt: Gerzer hat das 1017er-Modell entwickelt. Und am wichtigsten: Die Bootsbauer haben nun rechtzeitig die notwendigen Schritte gesetzt, um auch in schlechteren Zeiten sicher navigieren zu können.

FRAUSCHER BOOTSWERFT GMBH & CO KG
GESELLSCHAFTER: Fam. Frauscher (75%), Investoren (s.u.)
FIRMENSITZ: 4810 Gmunden
UMSATZ 2003: 4 Mio. Euro
UMSATZ 2012: 8 Mio. Euro
EXPORTANTEIL AM UMSATZ: 70 Prozent
MITARBEITER 2003: 25
MITARBEITER 2012: 34
BRANCHEN: Boots- und Yachtbau, Handel
INTERNET: www.frauscherboats.com

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