Kraftfutter in kleinen Dosen

Kraftfutter in kleinen Dosen

Die Firma Gartenleben aus Zwettl schafft mit neuartigen Pflanzentees biologischen Nährboden für Pflanzen im Garten, auf Balkons und im Wohnzimmer. Und erntet damit gleichzeitig die Früchte ihres Geschäftsmodells.

Wie und wann der Samen der Idee Wurzeln schlagen konnte, daran kann sich Elisabeth Koppensteiner, Gründerin und geschäftsführende Gesellschafterin der Gartenleben GmbH, nicht mehr erinnern. Dass die Saat aufging und zum Geschäftsmodell reifte, verdankt sie ihrer langjährigen Tätigkeit als Betreuerin des niederösterreichischen Gartentelefons, eines Gratisberatungsdienstes der Landesregierung, die Hobbygärtner im ganzen Land zur Ökologisierung ihrer Aktivitäten animieren will. Am Telefon lernte sie im Laufe der Jahre die Wünsche und Sorgen der Gartenamateure immer besser kennen - unter anderem fiel ihr der wachsende Widerwillen gegenüber Chemie im Garten auf.

So kam Koppensteiner auf die Idee mit den Pflanzentees, die in Aufgussbeuteln portioniert und in Wasser aufgelöst werden - nicht ganz neu, wie gerne verraten wird: Früher einmal hätten Bäuerinnen mit Kompost gefüllte Jutesäcke einige Zeit in die Regenwassertonne getaucht und mit dem Sud ihre Pflanzen gegossen - was aber nicht allzu praktisch war, weil jedes Mal der gesamte Inhalt der Tonne sofort verwendet werden musste. Das ist nach Koppensteiners Innovation nicht mehr nötig.

Dazu mussten aber vorerst noch einige Probleme gelöst werden. So galt es, Bio-Kompost-Produkte (also mit lebenden Organismen) zu entwickeln, die länger gelagert werden und in kleinen Portionen eingesetzt werden können. Die entscheidende Lösung fand man bei der Firma Vermigrand, die seit zwei Jahren frischen Regenwurmkompost produziert (siehe trend 5/2010, "Der Herr der Würmer“ ). Gemeinsam fand man heraus: Der Wurmkompost lässt sich nicht nur trocknen, man kann ihn, so Produktentwicklerin Gabriele Knapp, in wenigen Stunden wiederbeleben. "Die Organismen werden voll aktiv, sobald sie ins Wasser kommen.“ Was übrigens auch mehrere wissenschaftliche Institutionen bestätigten - unter anderem die Universität für Bodenkultur, das Austrian Institute of Technology in Tulln oder die Masaryk-Universität in Brünn.

Nachdem nun auch das Problem der Portionierung gelöst war, konnte man 2010 an den Start gehen: Um diese und künftige Produktideen umsetzen zu können, gründete Koppensteiner die Gartenleben GmbH, die bis auf Weiteres nebenbei auch das Gartentelefon im Auftrag des Landes Niederösterreich betreibt.

Als Erstes lancierte die Waldviertler Firma einen Universal-Pflanzentee ("Bio-Grünguss“). Daneben wird nun auch eine Spezialmischung ("Bio-Rosenguss“) angeboten, Komposttees für Orchideen und Paradeiser sollen folgen.

Gesundes Angebot

Für Koppensteiner ist entscheidend, dass ihre Produkte ein breites Spektrum nützlicher Organismen enthalten: "Das funktioniert wie ein Selbstbedienungsbuffet - jede Pflanze nimmt sich, was sie gerade braucht.“ Was nicht angenommen wird, versickert ohne Schäden im Boden - im Gegensatz zu chemischen Düngekeulen, die gerne das Grundwasser ruinieren. Mit den Grünguss-Produkten könne man jedenfalls die heimische Bio-Diversität fördern, was Koppensteiner ein Anliegen ist und wodurch letztlich die Gesundheit aller Pflanzen gestärkt würde.

Mittlerweile wurde eine eigene Abfüllanlage für Teebeutel angeschafft, insgesamt beschäftigt die Gartenleben GmbH elf Mitarbeiter (darunter zwischendurch auch ein paar schwer vermittelbare Praktikantinnen). Vertrieben werden die Bio-Kompost-Produkte über drei Kanäle. Anfangs nur über den Online-Shop versandt, kamen die Aufgussbeutel 2011 erstmals in die Regale der Rewe-Group Austria, und zwar unter der Handelsmarke "Grüner Daumen Komposttee“. Seit 2012 haben schließlich auch die Bio-Läden der Sonnentor-Kette die Wurmkompostaufgüsse ins Verkaufsprogramm übernommen. Dementsprechend steigen die Umsätze: von 820.000 Euro im Vorjahr, "wovon noch 80 Prozent auf das Gartentelefon entfallen“ (Koppensteiner), auf voraussichtlich 900.000 Euro heuer - womit eine EBIT-Marge von acht Prozent erzielt werden kann. Mittelfristig will man sich freilich mit der Bio-Pflanzennahrung wirtschaftlich emanzipieren.

Dazu will man möglichst rasch nach Deutschland vorstoßen. Bei der BioFach-Messe Nürnberg wurden die Gartenleben-Produkte auf dem Sonnentor-Stand präsentiert. "Das Interesse war groߓ, sagt Koppensteiner und hofft auf einen baldigen Vertrag mit einem Vertriebspartner in Deutschland. Der einzige Wermutstropfen: "Unsere Produkte düngen nicht nur, sie stärken auch gegen Pilzbefall und Krankheiten“, doch man dürfe sie nicht als Pflanzenschutzmittel anpreisen. Das Problem sei ein finanzielles: "Die nötigen Untersuchungen kosten eine Million Euro. Und die können wir uns derzeit leider noch nicht leisten.“

GARTENLEBEN GmbH
Gesellschafter: Elisabeth Koppensteiner (GF)
Firmensitz: 3910 Zwettl
Umsatz 2011: 820.000 Euro; EBIT-Marge: 8,0%
Umsatz 2012e: 900.000 Euro; EBIT-Marge: 8,0%e
Exportanteil am Umsatz (2012e): 3,3%
Mitarbeiter 2011: 10
Mitarbeiter 2012: 11
Gewerbeberechtigung: Gärtner
Internet: www.gartenleben.at

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