Frequentis inside

Frequentis inside

Wenn Piloten und Flugsicherung kommunizieren, sind heute zumeist Anlagen aus Österreich im Spiel: Die Firma Frequentis ist Weltmarktführer in dieser Nische. Und sie ist drauf und dran, nach der Luftfahrt noch ganz andere Branchen mit ihrem Know-how zu beglücken.

Hannes Bardach liebt es präzise: „Ich möchte auf dem Gebiet der Nachrichtentechnik einen österreichischen Elektronikkonzern aufbauen – und wir werden dazu Nischenmärkte besetzen.“ Eine klare Ansage damals, als Bardachs Firma zum Triosieger 1997 (Sektor Gewerbe) gekürt wurde. Heute ist klar: Der Alleineigentümer der Frequentis hat sein Ziel punktgenau erreicht. In der globalen Luftfahrt ist das Unternehmen mit 40 Prozent Marktanteil Weltmarktführer. Der Umsatz betrug 2011 das Viereinhalbfache von damals, die Zahl der Mitarbeiter hat sich fast vervierfacht.

Alles in allem ein Paradefall des Aufstiegs eines innovativen KMU zum global verankerten Nischenkaiser und zum trend-Top-500-Unternehmen (Rang 454): 1947 begannen zwei junge Nachrichteningenieure mit dem Aufbau einer Wiener Radiostation, 1977 stieß Bardach dazu, 1979 kam der große Durchbruch mit der Einladung zur Mitarbeit beim Aufbau der neuen Flugverkehrszentrale Wien. Und seit der Übernahme der Geschäftsführung fokussierte sich Frequentis auf den Luftfahrtsektor. „Der Auftrag der deutschen Flugsicherung war ein wichtiger Meilenstein“, erinnert sich Bardach, „seit damals ist der Branche klar, dass die Österreicher mehr können als Mozartkugeln rollen.“

Sich in der Luftfahrt zu etablieren sei vor allem auch eine Frage der Vertrauenswürdigkeit. „Der Sicherheitsgedanke muss in Firmenkultur und Denkweise verankert werden“, sagt Bardach, und das sei nicht gerade typisch für IT-Companies, deren Servicetechniker bei Störungen wortlos irgendwelche Komponenten oder die Software auszutauschen pflegen, aber nicht den Fehler suchen. Anders bei Frequentis. „Wir suchen, bis wir den Fehler logisch erklären können. Das schafft Vertrauen beim Kunden“, weiß Bardach. Ehrlichkeit sei überhaupt ein wesentliches Element der Firmenkultur. Wer bloß darüber nachdenkt, wie er stets am besten seine persönliche Unschuld erklärt, sei fehl am Platz. „Bei uns darf man Fehler machen, ohne dass man gleich geköpft wird.“ Als eigentümergeführtes Unternehmen funktioniere Frequentis auch sonst ein wenig anders als der Mainstream, erklärt Bardach: „Wir legen mehr Wert auf Nachhaltigkeit. Wir versuchen ein tiefes Verständnis für die Prozesse beim Kunden zu entwickeln.“

Tatsächlich konnte Frequentis rasch das Vertrauen der Branche gewinnen. Das Geschäft entwickelte sich hervorragend – bis der New Economy Crash und 9/11 die Luftfahrtbranche in eine tiefe Krise stürzten. Das war der Startschuss für konsequente Diversifizierung. Schließlich ergaben sich ja unter dem Titel „Sprachkommunikation und Sicherheit“ eine Menge neuer Möglichkeiten. ¬Frequentis begann, ihre Kompetenz auch anderen Branchen anzubieten, die Bedarf an leistungsfähigen Einsatzzentralen haben – von Polizei, Rettungsdiensten und Feuerwehr über Eisenbahngesellschaften, Hafenmanagement und Schifffahrtsbehörden bis hin zu militärischen Interessenten.

Funkfeuerwerk

Und so begann es nach kurzer Durststrecke Aufträge zu regnen: von der NASA, der kanadischen Küstenwache, der Nil-Schifffahrt über Scotland Yard, Berliner Feuerwehr bis British Rail – die Strategie der Diversifikation erwies sich als Volltreffer.

Dass es dabei keine finanziellen Engpässe gab, lag an solider Gestion: Die Gewinne blieben großteils im Betrieb, der Eigenkapitalanteil beträgt 50,6 Prozent. Ins Anlagevermögen ist wenig zu investieren, die Ausgaben für Ausbildung und F&E (zwölf Prozent des Umsatzes) werden aus dem laufenden Geschäft bezahlt.

Der für 2007 geplante Börsengang hätte Geld für Firmenzukäufe bringen sollen, wurde aber abgesagt, als die Börsen wegen der beginnenden Subprime-Krise in die Knie gingen. Bardach heute: „Wir wären damals weit unter unserem Wert geschlagen worden, falls wir das nicht gestoppt hätten. Also haben wir auf Zukäufe verzichtet und sind organisch weitergewachsen.“

Derzeit steht Frequentis, so der Firmenchef, vor einem neuerlichen Strategiewechsel, denn: „Die Staaten sparen, vor allem die europäischen, und das bekommen wir schon zu spüren.“ Schwerpunkt ist künftig Übersee, aber das Geschäft ist kein Selbstläufer. So werden Indien und Afrika wohl noch länger die großen weißen Flecken auf der Frequentis-Landkarte bleiben, denn wie man aus Flugsicherungskreisen hört, sind dort Anlagen im Einsatz, die in Europa vor 30 Jahren ausrangiert wurden und wohl noch weitere zehn Jahre verwendet werden. Hoffnungsgebiete sind die USA, wo Frequentis eine autonom produzierende Tochter für militärische Kundschaft betreibt, der arabische Raum sowie Brasilien: Dort wurde man mit der kompletten Neuausrüstung der großen Flughäfen betraut, und der Auftrag werde sicher rechtzeitig exekutiert – also vor dem Anpfiff der Fußball-WM 2014.

FREQUENTIS AG
GESELLSCHAFTER: Hannes Bardach (100%)
FIRMENSITZ: 1100 Wien
UMSATZ 1997: 29,8 Mio. Euro; EBIT-Marge: n.v.
UMSATZ 2011: 163,0 Mio. Euro; EBIT-Marge: 4,5%
EXPORTANTEIL AM UMSATZ: >90%
MITARBEITER 1997: 210
MITARBEITER 2012: 1030
GEWERBEBERECHTIGUNG: IT-DL/Kommunikationstechniker
INTERNET: www.uptime.at , www.pipelinersales.com

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