Feine Nische

Feine Nische

Ein Tischlerbetrieb aus dem Bergland im südlichen Niederösterreich spezialisierte sich auf edle Einrichtung für Schiffe und wurde 2002 als Trio-Sieger ausgezeichnet. Mittlerweile ist das Unternehmen auch in die Luft gegangen.

Man nimmt die A2 Richtung Süden, erreicht zehn Minuten nach Wiener Neustadt die ersten Hügel der Buckligen Welt, verlässt die Autobahn aber relativ bald – genau dort nämlich, wo sie beginnt, sich hinüber ins Steirische zu winden, und wo Tempo 100 mittels Section Control überwacht wird.

Man fährt also ab nach Edlitz, und der erste Verdacht, hier würden sich die Füchse Gute Nacht sagen, verfliegt augenblicklich, sobald man das ausgedehnte Werksgelände der Firma List Components & Furniture umrundet und vor dem Headquarter einparkt. Hier in der ruralen Beschaulichkeit einer Gemeinde mit tausend Seelen, von denen ein Gutteil zur Arbeit auspendelt, hat sich in den letzten 25 Jahren ein braver regionaler Tischlereibetrieb zu einem globalen Player ausgewachsen.

Andernfalls hätte der Betrieb möglicherweise gar nicht überlebt. Franz List, der älteste der drei Söhne des Firmengründers, war 1962 nach der Tischlerlehre eingestiegen und hatte bald darauf die Betriebsleitung übernommen. Wachsender Konkurrenzdruck zwang in den achtziger Jahren zur Suche nach Nischen mit besseren Margen, wie List senior rekapituliert: „Erst kam das Segment mit der höchsten Qualität, dann begannen wir mit der Ausstattung von Hotels.“ Doch Mitte der neunziger Jahre tat sich plötzlich eine völlig neue Chance auf: Die Firma List wurde eingeladen, die Einrichtung des Kreuzfahrtschiffs „Deutschland“ (das „Traumschiff“) zu übernehmen. Man wagte den Sprung ins Wasser und landete schließlich im lukrativen Segment der Luxusyachten.

Heute beschäftigt List an zwei Standorten – Edlitz und Bad Erlach – rund 500 Mitarbeiter und erzielte 2011 einen Umsatz von 50,7 Millionen Euro. Das Geschäft stützt sich mittlerweile längst nicht mehr allein auf Schiffe für die Superreichen.

Über Vermittlung des Flugzeugkomponenten-Zulieferers FACC kam List 2004 mit der kanadischen Firma Bombardier in Kontakt, einem führenden Produzenten von Business-Jets und Regional-Verkehrsflugzeugen. Die rasch präsentierten Entwürfe gefielen, und nach der behördlichen Zertifizierung begann man Ende des Jahres mit der Produktion des ersten Aviation-Großauftrags – den ersten von insgesamt 200 Einrichtungen für das Modell Learjet 40/45. Nach Folgeaufträgen für die Challenger 300 klopfte 2008 auch die brasilianische Firma Embraer, der größte Konkurrent von Bombardier, in Edlitz an. Der erste Auftrag für die Business-Jets Legacy 450 und 500 kam nur wenige Monate nach dem Erstbesuch. Mittlerweile arbeiten die Niederösterreicher auch mit einem weiteren Anbieter exklusiver Privat-Jets zusammen – mit der Lufthansa-Technik in Hamburg, die Verkehrsflugzeuge aller Größen auf Wunsch zu fliegenden Palästen oder Privatkliniken umbaut.

Keine Masse

Egal, ob zu Wasser oder in der Luft, List zieht scharfe Grenzen bei der Auswahl des Geschäfts: Man übernehme im Auftrag des Herstellers nicht nur die Standardausstattung, sondern, so Geschäftsführerin Katharina List-Nagl, selbstverständlich auch die individuelle Einrichtung nach den Wünschen einzelner Kunden, doch „an der Serienproduktion von Linienmaschinen sind wir nicht interessiert, da herrscht enormer Preisdruck“.

Gerade im Flugzeuggeschäft habe man eine Menge gelernt, berichtet Franz List: „Da geht es ständig um Brandschutz und Gewichtseinsparung.“ Beides ist heutzutage aber auch im Yachtbau gefragt. Aber das ist, so Burkhard List, CEO der List General Contractor, noch nicht alles: „Laden oder Türen dürfen weder aufgehen noch klemmen – trotz heftiger Bewegungen, Verwindung, Feuchtigkeit, Luftdruckschwankungen oder Salz.“

Mehr als neun Prozent des Umsatzes werden für Forschung und Entwicklung ausgegeben, im Vordergrund stehen verbesserte Prozesse und neue Materialien. Zum Beispiel ein Steinboden als Teppichersatz in Flugzeugen – federleicht und pflegeleicht, wichtig vor allem im Eingangsbereich und in den Toiletten.

Mehr als in anderen Unternehmen ist bei List Geheimhaltung erstes Gebot – und nicht nur was die Herstellung hauchdünner Folien aus diversen Steinen betrifft. „Wir dürfen keine privaten Auftragnehmer nennen, keine Projekte verraten, keine Bilder herzeigen“, bedauert Burkhard List, somit bleibe fast nur Mundpropaganda als Marketing-Tool. Und so werden auch keine Details zum jüngsten Großauftrag der brasilianischen Embraer verraten, der ab Anfang 2013 exekutiert werden soll. Angeblich war der Auftrag gerade zum richtigen Zeitpunkt hereingetrudelt, wird gemunkelt, die Krise habe eben die Lust auf mobilen Luxus gebremst. Aber das tut der Freude von List senior keinen Abbruch. „Wir haben gegen amerikanische Konkurrenz gewonnen, weil man weiß, dass wir halten, was wir versprechen. Also werden wir die neue große Fertigungshalle in kürzester Zeit voll auslasten.“ 

LIST HOLDING GMBH
GESELLSCHAFTER: Familie List
FIRMENSITZ: 2842 Edlitz
UMSATZ 2002: 30 Mio. Euro; EBIT-Marge: n.v.
UMSATZ 2011: 51 Mio. Euro; EBIT-Marge: 4,6%
EXPORTANTEIL AM UMSATZ: >80%
MITARBEITER 2002: 240
MITARBEITER 2012: 504
GEWERBEBERECHTIGUNG: TISCHLER, METALLTECHNIKER
INTERNET: www.list.at

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