Die Botschafter des Specks

Die Botschafter des Specks

Der Trio-Sieger 1996 aus dem Bereich Gewerbe ist ein waschechter Tiroler: Mit Karl Handl schaffte der 1902 gegründete Familienbetrieb den Sprung vom einfachen Dorfmetzger zum Exporteur des Tiroler Specks. Der vife Unternehmergeist hat auch seine Söhne angesteckt. Sie haben eben die operative Führung übernommen.

Ruhig sitzen bleiben kann Christian Handl nicht – ständig läutet an diesem Freitag Ende August das Handy. „Das -Chaos bei den Rohstoffpreisen für Schweinefleisch ist perfekt“, erklärt Vater Karl: In nur acht Wochen seien diese vor allem aufgrund der weltweiten Ernteausfälle bei den Futtermitteln Soja, Getreide oder Mais um 28 Prozent gestiegen – bei einem Rohstoffanteil von über 50 Prozent ein wesentlicher Kostenfaktor für Handl, den Produzenten von Tiroler Speck-, Rohwurst- und Braten-Spezialitäten.

„Wir brauchen eine Preiserhöhung von zwölf Prozent“, fordern Vater und Söhne daher unisono. Das wird es wohl kaum spielen, schließlich ist auch der Lebensmittelhandel in der Zwickmühle: Auf der Jagd nach dem Kunden werden in den Supermärkten laufend neue Aktionen lanciert – das drückt auch da auf die Margen. Dabei ist „speziell Frischfleisch zum Lockartikel geworden“, moniert die Familie. Speck gehört da aber eigentlich nicht dazu, schließlich wird das rohe Fleisch ja verarbeitet, ärgert sich Karl Handl.

Mission possible

Seinen Anfang nahm alles Ende der sechziger Jahre, als Karl und seine Schwester jenen Betrieb übernahmen, den die Mutter nach dem frühen Tod des Vaters gut 20 Jahre lang geführt hatte – die Metzgerei im Zentrum von Pians, dazu je eine Filiale in Landeck und Galtür. Alsbald fühlte er sich in seinen Zukunftsperspektiven eingeengt und verlegte zunächst die Metzgerei auf die grüne Wiese. „Der Groschen fiel dann Anfang der siebziger Jahre bei einem Kongress in Finnland“, erinnert sich der Senior, der neue Trends stets begierig aufsog wie ein Schwamm. Der Auslöser: die Erfolge eines auf Saunaschinken konzentrierten Produzenten. Die Erkenntnis: „Auch wir müssen uns spezialisieren.“

Und so kam es, dass sich Handl für ein Tiroler Traditionsprodukt entschied: die nach alten Familienrezepten hergestellten Speckarten. Erstes Expansionsgebiet: Vorarlberg. „Die kannten damals nur Gebratenes, wir stehen für Geräuchertes und Luftgetrocknetes“, erklärt Karl Handl. Das Rohfleisch wird mit Meersalz und einer geheimen Gewürzmischung eingerieben, drei Wochen lang gepökelt, dann in modernsten, PC-gesteuerten Anlagen über feinstem Buchenholz geräuchert und in der Folge luftgetrocknet. In dem sehr handwerklichen Prozess, bei dem das Produkt bis zu 40-mal in die Hand genommen wird, reduziert sich das Ursprungsgewicht von etwa sieben Kilo um rund 40 Prozent – mit ein Grund, warum die jeden Freitag neu ausverhandelten Einkaufspreise so heikel sind.

Dabei ist die Fleischauswahl qualitätsentscheidend. „Wir
arbeiten mit einem nicht genormten Ausgangsmaterial, sollen aber gleichmäßige Qualität liefern“, erklärt Handl. Man müsse darauf achten, dass das Fleisch nicht zu fett, aber auch nicht zu mager sei, dass das Fett weiß und kernig sei, was auf eine richtige Fütterung schließen lasse (bei zu viel Mais wird das Fett schneller ranzig), und eine hohe, tiergerechte Hygienequalität gegeben sei: „Glückliche Tiere sind nicht bloß ein Ethikthema, das Fleisch gestresster Schweine ist eindeutig minderwertiger.“

In all den Jahren seit der Übernahme verlief freilich nicht alles reibungslos – vor allem die 1993 übernommene Südtiroler Christanell bereitete wegen ihrer Dumpingpreise gröbere Kopfzerbrechen. Dazu kam der EU-Beitritt zwei Jahre später, der die „gesamte Lebensmittelwirtschaft ins eiskalte Wasser gestürzt hat“, erinnert sich Karl Handl an den beinharten Konkurrenzdruck, der an der Substanz zerrte. Die Konsequenz, an der auch schon die beiden Söhne mitarbeiteten: eine klare Strukturbereinigung. Die Zerlegung wurde eingestellt, die Produktion in Pians konzentriert und Schönwies zum neuen Standort für Aufschneiden, Verpacken und Logistik bestimmt. Die Exportquote stieg von praktisch null auf 60 Prozent, die Produktpalette wurde weiter verfeinert und jüngst um ungeräucherten Rohschinken und neue Varianten ergänzt: Die 40 Grundartikel gibt es neuerdings auch in gewürfelter oder gestiftelter Form, ganz im Sinne des Convenience-Trends.

Mittlerweile sind die Schulden abgebaut, und das mit einer soliden Eigenkapitalquote von knapp 50 Prozent ausgestattete Unternehmen ist zu einem der bedeutendsten Arbeitgeber im Tiroler Oberland avanciert. Dazu gehört auch eine solide Investitionspolitik: „Wir finanzieren alles über den Cash Flow.“

Die Weichen für die Zukunft sind mit der Firmenübergabe von Karl Handl an die nächste Generation jedenfalls gestellt. „Wir wollen jährlich ein gesundes Wachstum mit möglichst geringem Risiko erzielen“, sagt Finanzchef Markus Handl, „und dabei die üblichen Fehler der Branche vermeiden.“ Etwa nicht alle Preissegmente bedienen zu wollen, sondern sich auf das obere Qualitätsdrittel zu konzentrieren. Was Bruder Christian konkretisiert: „Unser Ziel ist es, Marktführer in den Kernmärkten Österreich, Deutschland und der Schweiz zu werden und in Italien unter die Top fünf aufzusteigen.“

HANDL TYROL GMBH
GESELLSCHAFTER: KR Karl Handl - 40%; Christian & Markus Handl - je 30%
FIRMENSITZ: 6551 Pians
UMSATZ 1996: 54,22 Mio. Euro; EBIT-Marge: n. v.
UMSATZ 2011: 115,5 Mio. Euro; EBIT-Marge: ca. 3%
EXPORTANTEIL AM UMSATZ: 60%
MITARBEITER 1996: 318
MITARBEITER 2011: 524
GEWERBEBERECHTIGUNG: Fleischverarbeitung, Handel mit Fleisch- und Wurstwaren
INTERNET: www.handltyrol.at

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