Alles fließt

Die Anton Paar GmbH war bereits Trio-Preisträger im Jahr 1995. Was seither geschah: Der aufstrebende Hightech-Betrieb wurde gemeinnützig – und nebenbei schlicht Weltmarktführer für Flüssigkeitsmessungen.

Alles fließt

Da kann die Firma fast 1500 Mitarbeiter beschäftigen und 155 Millionen Euro Umsatz machen, für ihn ist sie nach wie vor einfach nur „die Werkstatt“. Jeden Tag geht Ulrich Santner, der langjährig prägende Vorstand der steirischen Anton Paar GmbH, in sein Unternehmen, um dort nach dem Rechten zu sehen. Er dreht ein paar Runden, gerne spricht er mit den Kollegen aus den Forschungslabors.

Das war schon so, als trend das Familienunternehmen im Jahr 1995 zum Sieger des „Trio des Jahres“-Wettbewerbs kürte. Alte Gewohnheiten legt man eben nicht so schnell ab. Und doch gibt es kleine, feine Unterschiede, stellte der trend bei seiner Nachschau anlässlich des Jubiläums der Aktion fest.

Längst hat mit Santners Schwiegersohn Friedrich die nächste Generation die Leitung des Hightech-Betriebs übernommen. Ulrich Santner selbst kümmert sich nun im Aufsichtsrat um die große strategische Linie. Seine Betriebsrunden sind daher mittlerweile auch vorwiegend Besuchergruppen gewidmet. Und wenn er sich mit Forscherkollegen trifft, dann machen wohl alte Geschichten die Runden, wie er in den 1960er-Jahren als Uni-Assis¬tent der TU Graz der Firma seines Schwiegervaters den Eintritt in die Welt der Flüssigkeitsmessung ebnete.

Gleich geblieben allerdings ist der bemerkenswerte Erfolg „der Werkstatt“. Kaum eine Branche, in der die Technologien der Anton Paar GmbH keine tieferen Erkenntnisse liefern. Wie zäh verhält sich Rohöl unter Druck in mehreren hundert Meter Meerestiefe? Wie viel Alkohol enthält Bier? Oder wie sieht die optimale Parfum-Mischung aus? Die Möglichkeiten seien schier unerschöpflich, sagt Johanna Landlinger, eine Enkelin Santners, die mittlerweile im Betrieb mitarbeitet: „Jedes Cola ist durch eines unserer Geräte geflossen. Und Steigerungspotenzial gibt es überall: Es geht um die Geschwindigkeit der Messung, die Flexibilität, die Benutzerfreundlichkeit.“

Das Geheimrezept der Santners ist mittlerweile keines mehr – und doch so schwer nachzumachen. Es ging der Familie nie um den kurzfristigen Gewinn, sondern um nachhaltiges Wachstum. Knapp nach seinem Pensionsantritt und dem Wechsel in den Aufsichtsrat hat Santner die Firma daher auch in eine gemeinnützige Stiftung eingebracht. Vielleicht war auch der Gedanke an die Hofübergabe ein wenig Motivation – denn die Aufteilung der Firma auf seine sieben Kinder, sechs Töchter und einen Sohn, wäre einigermaßen kompliziert geworden. Doch die Familie steht hinter der Strategie Santners. „Wir sind zum Schluss gekommen, dass es irrelevant ist, ob wir das Unternehmen besitzen oder nicht. Für uns war es wichtiger, dass wir in den Managementfunktionen die Gegenwart und Zukunft des Unternehmens gestalten und entscheiden können“, so Landlinger.

Da die Gewinne vorwiegend reinvestiert wurden, konnten die Santners auch ein unglaubliches Wachstum finanzieren. In den 17 Jahren hat sich der Umsatz schlicht verachtfacht, die Mitarbeiteranzahl versechsfacht. Mehr als 20 Tochtergesellschaften auf der ganzen Welt kümmern sich nun um Service und Vertrieb der hochkomplexen Gerätschaft.

Insourcing statt Outsourcing

Ein Meilenstein etwa war der Erwerb der Physica Messtechnik GmbH im Jahr 1997, eines Spezialisten für das Messen des Fließverhaltens von Flüssigkeiten (Rheometrie). Was ganz gut zur bisherigen Kernkompetenz, der Dichtemessung bei Flüssigkeiten, passte. Ein anderer die Erfindung des „Stabinger Viskosemeters“, der wiederum die Zähigkeit von Flüssigkeiten auf effizienteste Art bestimmen kann.

Dass nun eine gemeinnützige Stiftung für das Unternehmen verantwortlich ist, hat auch noch andere Auswirkungen: Ganz entgegen sonstigen Gepflogenheiten wird so gut wie nichts ausgelagert. Im Gegenteil: Alle Hightech-Teile werden selbst produziert, sogar eine eigene Glasbläserei gibt es, um Messröhrchen herzustellen. Gefertigt wird ausschließlich in Graz und Deutschland. Das Insourcing geht so weit, dass keine externen Putzfirmen beschäftigt werden – und den Kindern der Mitarbeiter ein eigener Betriebskindergarten zu Verfügung gestellt wird. Und nicht zuletzt engagiert man sich in sozialen Projekten, von der Suchtgiftprävention bis zur Resozialisierung.

Damit auch die richtigen Schlüsselarbeitskräfte den Weg in die Steiermark finden, bemüht man sich im Rahmen des „Girls Day“ um den weiblichen Nachwuchs, unterstützt die Chemie- und Physikolympiade oder die „Lange Nacht der Forschung“. Denn eines hat sich auch in den langen Jahren des Erfolgs nicht geändert, sagt Landlinger: „Gute Techniker zu finden war schon immer kein leichtes Unterfangen.“ 

ANTON PAAR GMBH
GESELLSCHAFTER: Santner Verwaltungs AG, F. Santner
FIRMENSITZ: 8054 Graz
UMSATZ 1995: 260 Mio. öS (ca. 19,5 Mio. Euro)
UMSATZ 2011: 155 Mio. Euro; EBIT-Marge: 17,5%
EXPORTANTEIL AM UMSATZ: 95–97%
MITARBEITER 1995: 240
MITARBEITER 2011: 1422
BRANCHEN: Metalltechnik, Mechatroniker, Handel
INTERNET: www.anton-paar.com

Im Zuge der #MusicMondays bringt Bieber heute zweite Single auf den (Internet)Markt.
#allthatmatters #MusicMondays #10weeks #heartbreaker #justinbieber @justinbieber @bieberfever #10weeks
 

All That Matters: Justin Bieber setzt Marketing-Feldzug fort

Wie der kanadische Teenie-Schwarm mit einer ausgeklügelten …

Österreichs größte Designfirma Kiska auf dem Sprung in die USA und nach China.
 

1. Platz Dienstleistung 2012: Kiska

Gerald Kiska hat die größte und beste österreichische Designfirma …

Wasser- und Abwasseranlagen werden von Piplan veredelt.
 

3. Platz Gewerbe 2012: Anlagenbauer Piplan

Der Kärntner Anlagenbauer Piplan veredelt Wasser- und Abwasseranlagen.

Immobilienentwickler Leitner verwandelt Altbauten zu Schmuckstücken.
 

2. Platz Gewerbe 2012: Immobilienentwickler Leitner Altbauten

Wie der steirische Immobilienentwickler Leitner Altbauten zu …