Tränen aus Stahl

Okay, Hillary Clinton verfügt über den Behindertenbonus, eine Frau zu sein. Doch wäre sie ein Mann, könnte man sie auch nicht leiden.

Ach, Hillary …“ Dieser Resignations-Seufzer, in dem noch immer ein Quäntchen Hoffnung mitschwingt, dass sich das Blatt doch noch wenden könnte, kommt verlässlich zum Digestif bei diesen gewissen Dinnerpartys. Und stets aus dem Munde der Damen mit den soignierten Kurzhaarfrisuren, den florierenden Karrieren und den dementsprechend vielen teuren Beige-Tönen im Outfit. Klirrendes Schweigen, wenn man, schon immer mit einem guten Händchen für schlechtes Benehmen ausgestattet, dann etwas in dieser Art ablässt: „Oh, Obama, denn Hillary find ich zum Kotzen!“ Jetzt kommt mit kalten Blicken unterfütterter Tadel, schließlich wäre es doch so schön, so wichtig und eine solche Errungenschaft für die Frauenbewegung, wenn der Direktionsjob der mächtigsten Industrienation der Welt von einer Frau … blablabla. Diese Argumentationslinie hat schon Alice Schwarzer dazu bewogen, sich bei den letzten deutschen Wahlen für die CDU-Kandidatin Angela Merkel rauszuhängen – nach dem Motto: Hauptsache Frau, egal welche. So wird geschlechtliche Identität nämlich zu einer Art Behindertenbonus. Und keinen wundert’s wirklich, wenn wir Weiber nach wie vor wie die Säbelzahntiger und Buckelwale ein Artenschutzprogramm in Form eines jährlichen Weltehrentags verpasst bekommen.

Ganz abgesehen davon: Ich würde Hillary Clinton auch nicht leiden können, wenn sie ein Mann wäre. Jeder Augenaufschlag, jedes Lächeln, jedes Scherzchen der Tante atmet Kalkül, Unauthentizität und die verzweifelten Versuche, Charisma-Defizite mit Ehrgeiz und Konsequenz wettzumachen. Selbst der Moment, in dem sie einmal öffentlich die Fassung verlor und ein paar Tränen zerdrückte, wirkte wie die Einlage einer sehr überschaubar talentierten Laiendarstellerin. „Ich werde gerade erst einmal warm“, verkündete sie nach ihren unerwarteten Wahlsiegen in Ohio und Texas, und das ist auch schon der kürzeste Hillary-Clinton-Witz, der im Angebot ist. Tränen aus Stahl, Starre im Lächeln – jetzt erst wird einem klar, was für ein wirklich cooler Junge Bill Clinton gewesen ist, souverän im Umgang mit seinen Fehltritten und dem Saxofon. Und selbst eine feministische Superpower wie die Schriftstellerin Erica Jong attestiert im Rückblick dem Penis des Präsidenten „das Recht auf Privatsphäre“, außerdem müsste „das Alpha-Männchen eines Stammes die besten Hühnchen wahrscheinlich mit Stöcken von seinem Hosenbund wegprügeln, um treu bleiben zu können“. Die tragischste Figur in der Blamage à trois war mit Sicherheit Hillary, die sich und ihre Tochter verkaufte, um ihre strahlende Zukunft nicht mit ein paar Spermaspuren auf einem GAP-Kleid für immer zu beflecken. „Ehrgeiz“, so Herr Oscar Wilde, „ist die Wurzel aller Hässlichkeit.“ Und dieser Ehrgeiz trieb Hillary Rodham Clinton zu einer Handlung, die sich Menschen mit Appetit auf Macht nun einmal nicht leisten können. Sie zeigte Schwäche, indem sie ihrem Ehemann damals bedingungslose Unterstützung zusicherte und damit ihre Würde am Eingang des Weißen Hauses abgab. Heute sitzt Bill Clinton wie ein schlecht bezahlter Statist auf der Wartebank zum „First Husband“, wenn ­Hillary ihr nicht vorhandenes Charisma am Rednerpult zu verschießen trachtet. Payback-Time, Bill. Sollte Hillary gegen ­Obama endgültig abbeißen, werden wir mit einer schönen Scheidung rechnen können. Und einem erleichterten Alt-Präsidenten. Benita Ferrero-Waldner gab nach ihrer Wahlniederlage gegen Heinz Fischer den „linken Emanzen“ die Schuld für ihr Versagen. Wäre auch eine Option für Hillary, die Harriet Rubins „Machiavelli für Frauen“ artig studiert haben dürfte. Dort heißt es nämlich: „Markieren Sie schon einmal einen Tränenzusammenbruch, sollte es Ihnen beim Abstecken Ihres Machtreviers behilflich sein.“

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

trend

Avaaz – Politik und Konzerne im Visier

 

trend

Berufsunfähigkeitsversicherungen – Prämienübersicht und Vergleich

Die Reichsten aller Kontinente

trend

Die Reichsten aller Kontinente