Top-Aktien: Österreichs größte Goldesel

Die Gewinne der wichtigsten börsenotierten Unternehmen sprudeln wie nie zuvor. Anleger profitieren vor allem von der guten Konjunktur bei den Nachbarn.

Schön langsam wird’s unheimlich. Nach einem Indexrekord im vergangenen Jahr erklomm die Wiener Börse nach einem eher mäßigen Start ins neue Jahr im Februar einen neuerlichen historischen Höchststand. Mit 4596,71 Punkten kratzte der Börseindex ATX – er bildet die Kursbewegungen der wichtigsten österreichischen Unternehmen ab – haarscharf an der magischen Marke von 4600 Punkten. Und: Analysten halten heuer weitere Rekorde für möglich. Alfred Reisenberger, Österreich-Analysechef CA Investmentbank (CA IB), bekannt für kritische Analysen und vorsichtige Prognosen, kennt die Begründung: „Die Unternehmen schwimmen im Geld.“

Noch nie in der österreichischen Wirtschaftsgeschichte waren die Kassen so prall gefüllt wie jetzt. Im vergangenen Jahr verdienten alle ATX-Unternehmen rund 4,265 Milliarden Euro1). „Heuer schätzen wir die kumulierten Gewinne der ATX-Unternehmen auf 4,688 Milliarden Euro“, sieht Birgit Kuras, Chefanalystin der Raiffeisen Centrobank (RCB), genug Raum für eine weitere Zunahme. Im kommenden Jahr dürfte dann die 5-Milliarden-Schallmauer durchbrochen werden. Auch Kuras beurteilt die aktuelle Lage optimistisch: „Wir haben derzeit ein absolut gutes Umfeld.“

Impuls von außen. Gründe für die üppig sprudelnden Gewinne gibt es mehrere. Da wäre zunächst die deutsche Konjunktur. Jahrelang dominierten bei Österreichs historisch wichtigstem einzelnen Handelspartner die Molltöne. Nach dem kurzen Jubel über die Wiedervereinigung folgte bald der Katzenjammer: Exorbitante Kosten für den Wiederaufbau der östlichen Bundesländer strapazierten die Budgets. Als Folge davon geriet die Konjunktur der wichtigsten EU-Volkswirtschaft unter Druck. Das Selbstbewusstsein der Deutschen erlitt in dieser Phase einige gröbere Kratzer. Doch seit rund einem Jahr bessert sich die Stimmung. „Die deutsche Konjunktur läuft wieder, davon profitieren zunächst einmal die Branchen Maschinenbau und Bau“, berichtet Reisenberger. „Für zahlreiche österreichische Unternehmen ist Deutschland der wichtigste Einzelmarkt.“

Nach wie vor intakt ist auch die Konjunktur in den zentral- und mitteleuropäischen Staaten (CEE) sowie den neuen EU-Mitgliedsländern. „Österreichs ATX- Unternehmen sind zu 80 Prozent stark auf den CEE-Raum ausgerichtet. Die Binnenkonjunktur bestimmt schon lang nicht mehr, wohin die Börse geht“, weiß Erste-Chefanalyst Friedrich Mostböck. An sich eine erfreuliche Situation für Anleger. Peter Szopo, Leiter der Österreich-Analyse bei Sal. Oppenheim, sieht das ähnlich: „Für österreichische Aktien, vor allem zyklische Werte, ist die Weltwirtschaftslage wichtiger.“ Tatsächlich liefern die so genannten „Zykliker“ – also Unternehmen, die besonders stark auf Konjunkturschwankungen reagieren wie etwa Stahlkocher oder Baufirmen – zuletzt überwiegend erfreuliche Zahlen.

Dennoch geben sich die Analysten vorsichtig, was die weitere Entwicklung betrifft. „Ein generelles Investmentthema gibt es derzeit eigentlich nicht. Man kann nicht einzelne Branchen empfehlen, sondern muss einzelne Unternehmen suchen, die interessant sind“, so Szopo. „Das Einzige, was generell gilt, ist, dass sich der Wirtschaftszyklus offenbar verlängert.“

Kräftigere Schwankungen. Im vergangenen Jahr gab es nämlich im April die ersten Korrekturen der Unternehmensgewinne nach unten – so genannte „downgrades“. Anleger und Analysten rechneten damit, dass sich die Konjunktur abkühlen könnte. Ein kräftiger Rückschlag der Aktienkurse vor der Jahresmitte war die Folge. „Doch die zweite Jahreshälfte hat die Anleger dann eines Besseren belehrt. Vor allem deutsche Zykliker kamen mit starken Zahlen“, erinnert sich Szopo. Die Index-Rekordjagd setzte sich nach der kurzen Unterbrechung fort.

Roland Neuwirth, Österreich-Analyst der Wiener Deutsche-Bank-Filiale, glaubt, dass die Anleger aus diesen Erfahrungen ihre Lehren für heuer gezogen haben. „Seit dem Einbruch vom vergangenen Juni herrscht unter den Anlegern große Skepsis. Es ist zwar sehr viel Geld vorhanden, das nach Anlagemöglichkeiten sucht, und es wird ja offensichtlich auch gekauft, aber alle sagen, es kann nicht mehr lang so weitergehen.“ Daher rechnet der Analyst für das heurige Jahr mit kräftigeren Kursschwankungen und insgesamt empfindlicheren Rückschlägen als 2006.

Der erste Indexeinbruch könnte bereits zwischen März und Mai kommen. „Wenn sich die Anleger erinnern, dass es im vergangenen Juni massive Verluste gegeben hat, dann werden sich viele vom Markt zurückziehen und einmal abwarten, was passiert“ (Neuwirth). Logisch, dass diese Anleger nicht erst bis Juni warten – da war’s vergangenes Jahr schon zu spät. Mit ersten Verkäufen sei daher möglicherweise im März zu rechnen.

„Insgesamt glaube ich nicht, dass Österreich heuer ein Outperformer sein wird“, sieht Neuwirth die Bäume des Wiener Marktes nicht in den Himmel wachsen. Wiener Aktien, in den vergangenen Jahren stets auf der Überholspur zu finden, reihen sich heuer seiner Meinung nach in die Gruppe der „normalen“ Börsen ein.

Offizieller Optimismus. Dennoch: Durch das positive Umfeld ließ sich sogar der Börsevorstand zu einer – seltenen – optimistischen Prognose hinreißen. Börsevorstand Michael Buhl rechnet zwar mit einer Abflachung der Kursgewinne, doch die Unternehmen des ATX werden seiner Meinung nach einen Nettogewinn-Zuwachs von zehn bis zwölf Prozent erzielen – und „das könnte auch für den ATX die Untergrenze sein“, verkündete Buhl per Bloomberg-TV.

Gering schätzt der Börsevorstand derzeit die „obligaten Risiken“ – Unsicherheiten durch Sprünge des Ölpreises oder Terrorismus – ein. Seiner Meinung nach werde 2007 „sicher noch ein gutes Aktienjahr“.

Dass die Wiener Börse auch bei möglichen Konjunkturdellen gegen gröbere Abstürze gewappnet ist, glaubt CA-IB-Analyst Reisenberger am Verschuldungsgrad der ATX-Unternehmen ablesen zu können. Die Netto-Verschuldungsquote der ATX-Unternehmen lag 2006 geschätzt bei zehn Prozent. „Diese Verschuldung wird weiter reduziert und geht heuer voraussichtlich gegen null“, weiß der Analyst und Anleger damit zumindest eines: Österreichs wichtigste Unternehmen können auch gröberen konjunkturellen Turbulenzen problemlos widerstehen.

von Franz C. Bauer

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