Tiefe Seitenblicke

Man sollte nicht so grausam mit AUA-Chef Alfred Ötsch sein, wo doch eh schon der Scheich so gemein zu ihm war. Von Karl Riffert

Ein Unternehmen mit ­einer Milliarde Euro Schulden, das gerade sechzig Millionen Euro Verlust in drei Monaten gebaut hat, veranstaltet in dieser Situation zwei lustige Selbstbeweihräucherungspartys, die so viel kos­ten wie der halbe Jahresgewinn 2007? Aber ja, alles wahr, die AUA feierte für 1,7 Millionen Euro ihren 50. Geburtstag. Weil man jetzt da bitte nicht so kleinlich sein sollte, hat es AUA-Chef Alfred Ötsch ja den 418 bei der Hauptversammlung ­anwesenden Aktionärs-Dummerln auch langsam erklärt:
„… schließlich war da auch ein Beitrag in den ORF-‚Seitenblicken‘ zur besten Sendezeit dabei.“ Ach so.

Der letzte Jahresgewinn der AUA betrug übrigens 3,5 Millionen Euro, und wir haben uns echt mit Alfred Ötsch gefreut, als er es ein „tolles Jahr“ genannt hat. Aber die Welt ist schlecht, und schon kamen die Miesmacher und bekrittelten, dass der schöne Profit ein bisserl geschwindelt sei, weil die Masillionen, die man da für die zwei fidelen Feste gebraucht hat, eigentlich aus den Rückstellungen stammen. Wer jetzt gerade beim Buchhaltungskurs am Klo war: Das ist in etwa so, als wenn der kleine Maxi sein Taschengeld zur Gänze in Klingeltöne investiert, dann ein wenig aus dem Sparschweinderl abzweigt und freudestrahlend der Mama berichtet: Toll, so viel habe ich diese Woche gespart! Herr Ötsch hat sich für diese buchhalterische Superleistung einen Bonus in Höhe von 77.000 Euro auszahlen lassen, weil Leistung muss belohnt werden.

Man muss Alfred Ötsch aber auch einiges zugutehalten: Er hat eine fesche Frisur, und seit er im Amt ist, gibt es bei der AUA wieder ein durchaus genießbares Bordmenü, das sein dänischer Vorgänger, der notorische Knäckebrot-Liebhaber Vagn Sørensen, in Unkenntnis der österreichischen Seele gestrichen hatte. Dass man Ötsch jetzt die Sache mit dem Scheich vorwirft, ist typisch. Man muss das Positive sehen: Zum Beispiel ist der AUA-Vorstand jetzt viel klüger und weiß, dass, wenn wieder einmal ein Scheich kommt und AUA-Aktien haben will, man erst nachschaut, ob er überhaupt ein Geld hat. Und dass man das am besten mit einer richtigen Bankgarantie checkt. Gut, Herr Ötsch hat sich auch bemüht. Er hat brav bei der Standard Bank in London anrufen lassen, wo der Scheich ein Konto hat, und der Chef dort mit dem lustigen Namen Contomichalos (ja doch, er heißt wirklich so!) hat gemeint: Aber geh, 150 Millionen sind doch für den Scheich kein Problem. Na, also wenn das ein Banker sagt, kann man das doch glauben, ihr Depperln auf der Hauptversammlung. Auf eine schriftliche Bankgarantie war man danach natürlich nicht mehr so erpicht. Egal.

Sagen wir etwas Positives. Man kann Herrn Ötsch zum Beispiel nicht vorwerfen, dass er sich nicht bemüht, schlauer zu werden. Allein für Beraterhonorare gab die AUA zwölf Millionen Euro aus, mehr als drei Jahresgewinne also. Das könnte jetzt aber sogar für das Guinness-Buch der Rekorde reichen, für die „Seitenblicke“ allemal, aber hallo. Zu diesen Tarifen darf ich im Übrigen auch meine Beraterdienste anbieten. Erstens: Lieber Herr Ötsch, meiden Sie Kraniche, und probieren Sie einmal Französisch. Eher legt sich nämlich ein Pudel einen Würstelvorrat an, als dass die Lufthansa Wien zu ihrem Osthub macht, während Air France und Skyteam genau das brauchen würden. Zweitens: Emirates wäre ein Super-Partner für die AUA (einfliegende Scheichs könnte man gleich nach Moskau weiterschicken) und wäre sofort zu einer Kooperation bereit, wenn auch nicht zu einer Beteiligung. Aber muss man denn immer gleich heiraten, wenn es beiden auch so guttut. Drittens: Versuchen Sie nicht, Premium-Airline und Billigflieger zugleich zu sein, das bringt nix außer Zores. Und noch etwas: Wenn man schon ein halbes Jahrzehnt nach British Airways die Business Class verbessert, sollte sie wenigstens so gut sein wie die bei den Briten. Zwischen Sitzen und Liegen entscheidet sich mitunter Sein oder Nichtsein einer Airline. Klingt doch fast schon so kompetent wie McKinsey. Die würden allerdings noch murmeln, ein Drittel der Belegschaft muss weg. Da bin ich freilich dagegen, ich finde das AUA-Personal nämlich wirklich gut. Jedenfalls das in der Luft.

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