<small><i>Thomas Martinek</i></small>
Was rät der trend?

PR-Berater und Lobbyisten kassieren Millionen für korrupte oder keine Leistungen – sagen Journalisten. Eine Relativierung aus gegebenem Anlass.

Gleich vorweg: Diese Kolumne wird von einem scheidenden Autor verfasst. Nach 20 Jahren Wirtschaftsjournalismus im trend, fünfzehn davon als Chefredakteur des bedeutendsten monatlichen Wirtschaftsmagazins des Landes, wechsle ich die Seiten. Ab September ist der Verfasser dieser Zeilen Berater bei Wolfgang Rosams Change Communications. Und das zu einem Zeitpunkt, zu dem der Beruf des Beraters, des Lobbyisten ungefähr so angesehen ist wie der eines Managers für Ölbohrplattformen.

Keine Angst, mein Hang zum Masochismus ist ungefähr so stark ausgeprägt wie der Drang von Markus Rogan zu öffentlicher Zurückhaltung. Aber der Wunsch, etwas bewegen zu wollen, ist noch immer genauso stark wie zu jener Zeit, als ich Journalist geworden bin. Und dazu braucht es – immer mehr – transparenten Lobbyismus und seriöse Beratung.

Renate Graber stellte im „Standard“ angesichts der Millionenbeträge, die Berater im Umfeld von Buwog, Hypo Alpe- Adria oder ÖBB kassierten, die journalistisch vollkommen richtige Frage: Wofür? Doch die Antwort ließ sie offen.

Natürlich sind jene „Beratungs“-Leistungen, die beispielsweise das Duo Infernal Walter Meischberger und Peter Hochegger bei der Buwog-Privatisierung erbracht haben, bestenfalls Finanzberatung in eigener Tasche. Das, was dort geschehen ist, hat mit Beratung und Lobbying nichts zu tun, sondern ist wohl ein Fall für den Staatsanwalt – nicht nur in beratender Tätigkeit. Und genau deshalb ist mit diesen Fällen ein legitimer Vergleich mit der branchenüblichen Tätigkeit von Consultern auch nicht zulässig.

Dieser Vergleich ist in etwa so schlüssig, als würde man das Verleger-Brüderpaar Wolfgang und Helmut Fellner als Wegbereiter des kritischen und unabhängigen Journalismus in Österreich bezeichnen. Wolfgang und Helmut Fellner waren bislang als Verleger kommerziell ja höchst erfolgreich. Doch ihren materiellen Erfolg erzielten sie auf Kosten der journalistischen Unabhängigkeit. Und so wird nun gerne die Frage gestellt: Gibt es noch Qualitätsjournalismus in diesem Land? Die Antwort lautet ganz klar: Ja. Die Bedingungen für Journalisten sind zwar eindeutig schwieriger geworden, aber was Journalisten gerade jetzt bei den Skandalen von Buwog-Privatisierung, Hypo Alpe-Adria, Meinl oder Immofinanz an Aufklärungsarbeit leisten, ist von unschätzbarem Wert für die gesellschaftliche Hygiene in diesem Land. Die Erbsenzähler in den Verlagen haben die Denker nicht besiegt. Gerade jetzt zeigt sich, wie stark der Qualitätsjournalismus in diesem Land tatsächlich ist.

Aber genauso wenig haben die aus reiner persönlicher Geldgier erfolgten „Beratungsleistungen“ von Walter Meischberger und Peter Hochegger auf die Branche der PRManager und Öffentlichkeitsarbeiter abgefärbt. In den Kommunikationsabteilungen großer heimischer Unternehmen, in den PR- und Lobbying-Agenturen wird durchwegs korrekte Informationsbereitstellung betrieben. Da wird nicht gefragt, wo die Scheine sind, sondern gesagt, was Sache ist. In einer Zeit, in der die Arbeitsbedingungen für Journalisten immer schwieriger werden, eine nicht unbedeutende Hilfestellung – wenn sie objektiv und sachlich erfolgt. Und kein Öffentlichkeitsarbeiter, der weiter als eine Ausgabe einer Zeitung denken kann, wird Journalisten mit falschen Informationen versorgen.

Journalismus und Beratung sind zwei wichtige Funktionen für Unternehmer und Manager – sie sind Korrektiv und Hilfestellung. Nehmen wir das Beispiel Weinskandal. Nach den Berichten über den glykolverseuchten heimischen Tropfen schien die Weinwirtschaft praktisch tot. Doch durch kluge Beratung und transparenten Umgang mit dem Thema wurde aus dem Weinskandal das österreichische Weinwunder – die Leistung Wolfgang Rosams, dessen Team ich jetzt angehören darf.

Gute Berater streben das Gleiche an wie Journalisten von Qualitätsmedien: die Bereitstellung von richtigen und wichtigen Informationen.

Für Ihren Rat und Ihre Meinung wäre ich Ihnen auch in Zukunft dankbar.

martinek.thomas@trend.at

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