<small><i>Thomas Martinek</i></small>
Ware Werte

Die Börsenkurse explodieren, und der trend rät zum Kauf von altem Silber oder neumodischem Design. Sind wir noch zu retten?

In diesem Jahr hätte man reich werden können; nicht nur ein bisschen, sondern so richtig reich. Während alle von Rezession redeten oder schrieben, kümmerte das die Finanzmärkte heuer ungefähr so viel wie Julius Meinl V., wenn man ihm vorhält, er habe die Millionen seiner Anleger versenkt. Beiden geht es augenscheinlich blendend. Dem Fünfer sowieso und der Börse ganz besonders. Im heurigen Jahr sind die Aktienkurse weltweit um 50 Prozent gestiegen. Der Ölpreis hat sich beinahe verdoppelt. Und der Goldpreis ist so hoch wie nie zuvor. Schön. Wäre es da nicht die Aufgabe eines Wirtschaftsmagazins, seinen Lesern zu verraten, wie sie davon profitieren können? Wie sie sich bei der unglaublichen Hausse an den Finanzmärkten ein gutes Stück vom Kuchen abschneiden können?

Im Gegenteil: Der aktuelle Hype an den Börsen scheint ein Strohfeuer gewaltigen Ausmaßes zu sein. Durch wirkliche Fundamentaldaten sind die Anstiege der Aktienkurse, der Rohstoffe oder der Edelmetalle nicht zu begründen. In Wahrheit hängt die Weltwirtschaft noch ziemlich angeschlagen in den Seilen. Auch wenn die Konjunkturdaten im dritten Quartal ein schwaches Licht am Ende des Tunnels zeigten. Es könnte auch jenes des berühmten entgegenkommenden Zugs sein.

Der Anstieg der Börsenkurse ist nicht von einem breiten Vertrauen in die Wirtschaft getragen, sondern von einer kleinen Zockerpartie, die das Spiel mit Derivatgeschäften und Aktienkäufen auf Kredit schon wieder betreibt, als ob da nichts gewesen wäre. Klar, Geld ist billig, und wenn man damit in großem Stil auf den jetzt boomenden Finanzmärkten investiert, kann man aus nichts ein Vermögen schaffen. Und diese Spekulationen sind nicht auf die wieder von selber brummende Wirtschaft aufgebaut, sondern auf die gewaltigen staatlichen Fördermittel, die versuchen, sie wieder ins Laufen zu bringen. Ob der Wirtschaftsmotor aber schon tatsächlich von alleine läuft oder ob er, wenn der Choker aus staatlichen Milliardenspritzen wieder zurückgeschoben wird, nicht doch wieder mit einem Gurgeln abstirbt, ist noch nicht heraußen. Das wird sich erst im kommenden Jahr zeigen. Bis dahin spielen Investmentbanken wieder dasselbe Spiel, das vor etwas mehr als einem Jahr die große Blase zum Platzen gebracht hat. Nur jetzt spekulieren sie quasi unter einem staatlichen Schutzschirm, wohl wissend, dass die öffentlichen Milliarden fließen müssen, will man einen totalen Kolbenreiber vermeiden. Und die Notenbanken müssen die Zinsen niedrig halten. Natürlich mit dem alleinigen Ziel, der Wirtschaft billiges Geld zu geben. Das nutzen aber eben auch die Spekulanten.

Wirtschaftsforscher warnen bereits, dass sich auf den Finanzmärkten eine noch größere Blase bildet als jene vor 2008. Sollte die platzen, sehen die Folgen anders aus. Dann bläst uns der Knall wirklich in die Steinzeit zurück. Dann gibt es keine Chance mehr, Banken vor der Pleite zu retten oder Automobilkonzerne vor dem Absturz aufzufangen. Dann ist das Spiel vorbei, weil kein Land der Welt noch einmal seine Bürger zur Kassa bitten kann, um die Fehler der Spekulanten aufzuräumen. Dann müssen die Notenpressen angeworfen und steigende Inflation und rasante Geldentwertung in Kauf genommen werden.

Das ist der Grund, weshalb der trend zum Investieren in Immobilien, in Bilder, in Schmuck, in moderne Design-Objekte oder in Antiquitäten rät. Denn all diesen Gütern ist eines gemeinsam: Sie sind rar. Sie sind nicht einfach künstlich vermehrbar. Und wenn alle Stricke reißen, behalten diese Waren nicht nur ihren Wert – sie bereichern auch unser Leben.

martinek.thomas@trend.at

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

trend

Avaaz – Politik und Konzerne im Visier

 

trend

Berufsunfähigkeitsversicherungen – Prämienübersicht und Vergleich

Die Reichsten aller Kontinente

trend

Die Reichsten aller Kontinente