<small><i>Thomas Martinek</i></small>
Lei, lei

Die Kärntner Faschingsgilde und ihr Prinzenpaar stehen vor einem dramatischen Problem: Ihnen droht der Schmäh auszugehen.

Ort der Handlung: Verein der Villacher Faschingsgilde, Sitzungszimmer. Besprechung der humorvollen Auftritte der einzelnen Gildenmitglieder. Sitzungsteilnehmer: der amtierende Faschingsprinz Fidelius Verschwendibus, der Unendliche. Ihre Lieblichkeit Gerhilde, die rechte Gesinnung. Gildenmeister Lebensmann, der Verpetzner. Landvogt Uwe, der Verscheucher. Der Geist aus dem Bärental.

Lebensmann, der Verpetzner: Du, Fidelius, do hab i a Umfroge, die sogt, dos ochtzig Prozent dafür san, dass Kärnten von Österreich obgspolten wiad. Do kunnt ma doch fein an lus­tign Sketsch daraus mochen, wia vühl Deppate es in dem Land lei gibt?

Fidelius Verschwendibus: Geh du, Verpetzner, woast z’lang unterm Prolotoaster? Hot’s da duat lei dei klans Kärntner Nussölhirn außibrennt? Des ist doch a Umfrog bei die Unsrigen gwesen. Des warad ja fei schen blöd, wenn da aussikimmat, dass mia so deppat san, dass ma vom Bund wegwollen. Ha? Dass ma nit wissaten, dass deine Verschwendibus-Millionen von denen aus Wean kemman. Ha? Do täten ja nur die Weana lochn, die se die Grundstickalan am Wörthersee billiger von unserer Selbstbedienungsbank kauft hom, als die einheimischen Kärntner Pistolenschützen dafür zohlt hätten.
Der Geist aus dem Bärental winselt leise.

Gerhilde, die rechte Gesinnung, ihre Zöpfe nach hinten schmeißend, gluckst : Aber ich könnt doch mit der Fiona ein Gstanzl singen: „Ohne Kassa kummt uns der Grasser nie ins Bett, nie ins Bett, nie ins …“

Uwe, der Verscheucher, brüllend: Aus! Aus! Und dann hör ma wochenlang auf Ö3: „Braun, mit Möpsen drauf“. Nix do. I waas wos. Wir lossen den Dilo Berlin auf die Bühne, und der spült den Deppi Pröll. Do braucht er nit vühl tuan. Nur hülflos dostehen und Geld noch Kärnten schicken. Des gfollt unsare Leit sichalich.
Der Geist aus dem Bärental brummt wohlwollend.

Fidelius Verschwendibus: Genial, und dann stell ma noch den Veit Sorger, den Michael Gröller und die Ingrid Flick als Background-Chor dazu, und die singen: „Gold und Silber lieb ich sehr, könnt’s auch gut abstauben, wüsst ich nur ein bisserl mehr, als die Bayern glauben …“
Allgemeines Gelächter, Gekicher. Der Geist aus dem Bärental jault vergnügt.

Gildenmeister Lebensmann, der Verpetzner: Bravo Leitln, an guatn Sketsch hob ma schon. I was no wos. Wia kuntaden rein symbolisch den Haider zu an Word-Rap auf die Bühne einloden.
Der Geist aus dem Bärental grunzt erschrocken. Die anderen schweigen zunächst betreten.

Uwe, der Verscheucher, mit eiskalter Stimme: Lebensmann, grod von dir hätt i ma so a Geschmocklosigkeit nit ­erwoartet.

Gerhilde, die rechte Gesinnung, weinend: Und du wiast
nit amol rot unter deina braunen Haut. Du, du Unmensch …

Prinz Verschwendibus, der Unendliche, empört: Also das ist wohl mehr an Leichenschändung, als sogar die ehrenwerte Kärntner Tochter Ingrid Flick ertragen musste!
Der Geist aus dem Bärental grollt zufrieden.

Lebensmann, der Verpetzner, erschrocken: Leitln, Leitln, holt. Ihr verstehts mi gonz foisch. I hob ma denkt, wia holn den Alfons Haider auf die Villacher Faschingsbühne, und der sogt dann dos, wos er in „Willkommen Österreich“ gsogt hot und wozu er jetzt noch steht.
Grölen, Feixen, tosender Applaus, Füße stampfen, hellblondes Lachen, Münzen werden über Prinz Verschwendibus geworfen. Nur der Geist aus dem Bärental trollt sich entsetzt.

martinek.thomas@trend.at

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