<small><i>Thomas Martinek</i></small>
Land am Strom

Der Kampf im Winter 1984/85 in der Stopfenreuther Au gegen die Errichtung des Kraftwerks Hainburg ist aus vielen Gründen zu Recht geführt worden. Aus demokratiepolitischen auf alle Fälle.

Der Einsatz von prügelnden Polizisten, dabei belustigt zusehenden Gewerkschaftsfunktionären und fröhlich helfenden Bauarbeitern war ein Tiefpunkt in der Geschichte Österreichs. Dagegen aufzutreten war wichtig und richtig für die Hygiene unseres Landes. Auch wirtschaftspolitisch war der Widerstand berechtigt. Die Ökonomie brummte, den Österreichern ging es gut, arbeitsplatzintensive Großprojekte umzusetzen war nicht wirklich eine drängende Notwendigkeit. Der ÖGB hätte sich damals besser um die Bilanzen beim Konsum als um den Bau in der Au gekümmert. Bleiben noch die Umwelt- und die Energiepolitik.

Da könnte man argumentieren, dass die drohende Austrocknung der Stopfenreuther Au durch die Beseitigung der Mauern zur Donauregulierung vielleicht sogar gestoppt werden hätte können. Jedoch aus energiepolitischen Gründen kann man, ein Vierteljahrhundert zurückblickend, eindeutig sagen: Damals war die Energieversorgung ausreichend. Aber heute ist sie das sicher nicht. Zwar hat Wladimir Putin den Gashahn seiner Pipelines wieder aufgedreht, aber mit wohl größter Sicherheit ist klar, dass er ihn im nächsten Winter wieder zudrehen wird.

Also sollte die Diskussion zumindest geführt werden können, ob die Umsetzung eines Großprojekts nicht doch sinnvoll wäre, das die Energieversorgung Österreichs sichert, auch wenn dadurch Strom und nicht Erdgas erzeugt wird. Es soll hier gar nicht behauptet werden, dass die Maßnahmen der Regierung nichts brächten, dass die Vorschläge der Grünen zu teuer wären, dass die Pläne der Energiewirtschaft zu wenig ambitioniert sind. Alle Ideen sind gut und wichtig. Die Dämmung von Gebäuden muss natürlich verbessert werden; die Sonnen- und Windkraft für die Stromgewinnung soll selbstverständlich ausgebaut werden; die Effizienz bestehender Kraftwerke kann sicherlich noch gesteigert werden. Aber das alles sollte uns nicht davon abhalten, einen Nachdenkprozess zu führen, ob der Bau eines Großkraftwerks an der Donau nicht doch ein Projekt wäre, das umweltverträglich umgesetzt werden kann und energiewirtschaftlich unser Land in einem großen Maße unabhängig macht. Schon werden wieder die Rufe nach Atomkraftwerken laut. Unabhängig davon, wie man zu dieser Technologie steht, hat eine demokratische Volksabstimmung in unserem Land 1978 eine Entscheidung gebracht. Dagegen. Auch wenn das damals niemand erwartet hätte. Die Politik war in diesen Jahren auf die Berücksichtigung pluralistischer Interessen noch nicht eingestellt. Nie hätte die SP-Regierung unter ihrem Sonnenkönig Bruno Kreisky mit einer derartigen Unbotmäßigkeit des Volkes gerechnet. (Sonst hätten sie es nicht gefragt.)

Darum steht heute ein nie in Betrieb gegangener Kernreaktor in Zwentendorf. Und deshalb kann der damalige politische Ziehsohn des AKW-Vaters Bruno Kreisky und heutige Industrielle Hannes Androsch die Kernkraft als Lösung energiepolitischer Fragen wieder ins Spiel bringen. Schließlich ist Österreich durch den Import von Atomstrom ja doch noch strahlend geworden. Wie lautete damals der ironische Slogan der AKW-Gegner so schön? Der Strom kommt aus der Steckdose. Sie haben Recht behalten.

Hainburg ist noch ein offenes Gebiet. Aus den Fehlern, die bei dem Versuch der Umsetzung dieses Großprojekts zur Energiegewinnung
gemacht wurden, kann gelernt werden. Hainburg darf nicht Zwentendorf werden und nicht Hainburg bleiben. Ein Großprojekt, das Österreichs Abhängigkeit von Energieimporten, sei es von Erdgas aus Russland oder von importiertem Strom aus Kernkraftwerken, verringert, das neue Arbeitsplätze schafft, das die Wirtschaft ankurbelt, könnte eine große, in Zeiten der Krise das Land sogar einende Kraft haben. Es könnte ein Symbol dafür werden, dass Österreich nicht nur in kleinen Dimensionen denkt, sondern auch bereit für wirklich Großes ist.

martinek.thomas@trend.at

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

trend

Avaaz – Politik und Konzerne im Visier

 

trend

Berufsunfähigkeitsversicherungen – Prämienübersicht und Vergleich

Die Reichsten aller Kontinente

trend

Die Reichsten aller Kontinente