<small><i>Thomas Martinek</i></small>
Land der Lehrer – zukunftsreich?

Wenn man die Reform des Schulwesens mit dem Sparzwang verbindet, droht der Reform ein ewiges Sitzenbleiben.

Der Sparzwang hat das Land erfasst. Krise und Horrorbudget sei Dank. Beim Sparen mit den Lehrern zu beginnen gleicht aber einem politischen Selbstmordkommando. Zum einen, weil Reformen, ohne die Lehrer dabei mit einzubinden, schon immer gescheitert sind. Und zum anderen, weil im Schulwesen zwar sicherlich gespart werden kann, dieses Geld aber für eine Modernisierung, für eine Heranführung der Schulen an einen zeitgemäßen Standard der Arbeitswelt eingesetzt werden sollte.

Deshalb darf es, wenn es um eine Reform des Schulwesens geht, nicht nur um Geld gehen. Es muss ums Ganze gehen, um einen wirklich großen Wurf! Die Schule soll auf die Realität vorbereiten, heißt es immer. Also muss auch die Schule an die Realität herangeführt werden. Und diese Realität wird in Zukunft so aussehen: Von den rund drei Millionen Werktätigen in Österreich wird nur mehr ein kleiner Teil in einem angestellten Dienstverhältnis seinen Lebensunterhalt verdienen. Die weitaus überwiegende Mehrzahl werden Söldner sein; sie werden ihre Fähigkeiten diesem und jenem Unternehmen anbieten. Je nachdem, was gerade gefragt ist und wie viel dafür bezahlt wird. Das heißt aber auch: Das Lebensarbeitsbild der Lehrer driftet noch mehr von dem Berufsbild weg, auf das sie bislang versucht haben, ihre Schüler vorzubereiten. Hier die idealistischen, auf einem sicheren Berufspfad sich einfühlsam bewegenden Lehrer. Da die immer mehr sich auf einen freien, nur nach Leistung bezahlenden Sklavenarbeitsmarkt vorbereiten müssenden Schüler. Hier ein das goldene Zeitalter Ovids vermitteln wollender Lehrer. Da ein im Wissen, dass es kein goldenes Zeitalter mehr geben wird, sich als kämpferische Ich-Company verkaufen müssender Schüler.

Das sind die Parameter, unter denen eine Schulreform angegangen werden muss. Lehrer und Schulen müssen an die Zukunft herangeführt werden. Dabei geht es nicht ums Sparen, nicht um den Kampf von Landeshäuptlingen gegen die Bildungsministerin. Es geht darum, den Lehrberuf vollkommen neu aufzusetzen. Das heißt: Jeder Lehrer braucht einen zeitgemäßen Arbeitsplatz. Dabei ist nicht so sehr ein Schreibtisch im Ausmaß von zwei mal drei Metern gemeint, sondern wenigstens für jeden ein Computer mit einer ausreichenden Kapazität, um damit alle Aufgaben bearbeiten zu können. Damit ist aber auch gemeint, dass Lehrer von dem gesamten Verwaltungs- und Sozialballast, unter dem ihre Arbeit leidet, befreit werden müssen. Es ist nicht ihre Aufgabe, das Integrationsproblem eines Landes zu lösen. Das ist Aufgabe des Staates. Es ist nicht die Aufgabe von Lehrern, sich um das Leid von Kindern aus gescheiterten Beziehungen zu kümmern. Das ist die Aufgabe der Eltern. Wenn sie das nicht wollen, dann müssen sie dafür bezahlen. Extra. So wie in einer exklusiven Privatschule. Der „Club der toten Dichter“ ist ein wunderbarer Film. Allein die Idee ist – leider – auch tot. Die Auslagerung der Lösung privater Probleme in den staatlichen Schulsektor kann nicht mehr von der Öffentlichkeit bezahlt werden.

Der ausschließliche und alleinige Job von Lehrern ist es, Wissen zu vermitteln – das wichtigste Gut, durch das sich unser Land, durch das sich Europa in Zukunft wird behaupten können. Und diese Leistung sollen Lehrer auch erbringen, genauso wie jeder Österreicher, der sich am freien Arbeitsmarkt bewähren muss. Für gutes Geld, wenn sie es gut machen. Wenn sie scheitern, dann soll es ihnen genauso ergehen wie jedem anderen Arbeitenden in diesem Land. Nur: Die Einsparungen durch die notwendigen Reformen in der Verwaltung des Lehrberufs müssen genau für diese Veränderungen eingesetzt werden. Das ersparte Geld darf nie das Schulsystem verlassen. Es muss dazu verwendet werden, den Lehrberuf an die Anforderungen einer künftigen Arbeitswelt heranzuführen. Das würden Lehrer akzeptieren.

martinek.thomas@trend.at

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