<small><i>Thomas Martinek</i></small>
Größe zahlt

Österreichs Banken fusionieren – doch Nobelpreisträger Stieglitz will Großbanken zerschlagen.

Mit Island haben wir ja so unsere Probleme. Nein, nicht die Aschenwolke des Vulkans Eyjafjallajökull ist gemeint. Aber am Scheitelpunkt der Wirtschaftskrise 2009 hat der Nobelpreisträger Paul Krugman in einem Atemzug Österreichs Wirtschaft mit der von Island verglichen – und deshalb auch uns in die Pleite geschickt. Bei Island ist das mittlerweile fast der Fall, bei Österreich Gott sei Dank nicht. Heute werden darüber Witze gemacht. Vor allem über Nobelpreisträger.
Als Folge der Krise kommt es in Österreich nun zum Zusammenschluss von Kreditinstituten. Die Bawag wird die marode Volksbank auffangen, und Raiffeisen International und die Mutter Raiffeisen Zentralbank fusionieren ebenfalls. Weil Größe auch in der Finanzwelt Sicherheit schafft, mehr Eigenkapital bringt und den Zugang zum Kapitalmarkt erleichtert, so die Begründung.

Und schon bürstet der nächste Nobelpreisträger nicht nur Österreichs Wirtschaft gegen den Strich. Joseph Stieglitz fordert die Zerschlagung der Großbanken. Aha. Seine These: Banken dürfen keine Dimension erlangen, durch die sie für einen Staat zu einem „Too big to fail“-Risiko werden. Wenn solche Banken straucheln, kann man sie nicht fallen lassen, sie haben quasi einen Pleiteschutz. Und das Geld für ihre Unterstützung kommt vom Steuerzahler oder den Kunden – ungerechterweise. So weit ist Stieglitz’ These nachvollziehbar. Da kommt auch der Betrugsfall von Goldman Sachs, bei dem der Spekulant John Paulson angeblich in Absprache mit der Investmentbank am Platzen der Immobilienblase in den USA 13 Milliarden Dollar für seine Fonds und drei für sich verdient hat, als weiterer Beweis für Stieglitz’ These gerade recht.

Ist also der Zusammenschluss österreichischer Kreditinstitute gefährlich? Nun ja, am Beispiel von Krugmans Prognose über Österreich zeigt sich, dass auch Nobelpreisträger irren können. Und „small is beautiful“ war zumindest in den siebziger Jahren schon eine gern gepredigte These. Dass Kleinbanken, die sich nur mehr auf das einfache Einlagengeschäft konzentrieren, wie es Stieglitz fordert, dadurch genug Kapital für die Finanzierung von Großprojekten von Unternehmen zur Verfügung stellen können, darf jedoch bezweifelt werden. Die vielen Kleinbanken à la Stieglitz werden kaum ausreichende Mittel für arbeitsplätzeschaffende komplexe Bauvorhaben, langfristige Forschungsprojekte oder moderne Spitäler aufbringen können.

Aber auch das will der Nobelpreisträger ja gar nicht mehr. Er sieht in seinem neuen Buch „Im freien Fall. Vom Versagen der Märkte zur Neuordnung der Weltwirtschaft“ Bhutan als vorbildhaftes Beispiel. Schließlich wird dort die Leistung der Wirtschaft nicht am Bruttonational-, sondern am Bruttoglücksprodukt gemessen. Das klingt schön. Für alle, die sich selbst ein Bild machen wollen, wie es in dem Land im Himalaya-Gebiet aussieht und wie es den Menschen dort wirklich geht, sei der Link www.bergrettung-lech.at, Projekt Bhutan, empfohlen. Man sieht, dass die Rückkehr zu ursprünglichen und vielleicht menschlicheren Strukturen nicht so einfach und auch nicht so erquicklich ist – und wird dann vielleicht auch mit der bestehenden Situation zufriedener sein.

Wie soll man aber tatsächlich, wenn schon die vom Nobelpreisträger Stieglitz empfohlene Zerschlagung der Banken und die Rückkehr zum einfachen Leben schwer möglich sind, einen nächsten Crash, bei dem Spekulanten Anleger und andere Banken über den Tisch ziehen, verhindern? Mit strengeren Kontrollmechanismen, schärferen Eigenkapitalvorschriften, klar. Aber auch eine finanzielle Vorsorge wird notwendig sein. In Österreich geistert da schon länger die Bankensteuer herum. In Deutschland denkt man anders. Banken sollen sich in Zukunft selber helfen. Für den Fall des Falles soll dort ein Stabilitätsfonds ins Leben gerufen werden, der jährlich mit 1,2 Milliarden Euro gespeist wird und so immer größer wird. Das scheint vernünftiger als eine Bankensteuer. Denn wozu wird die wohl dienen? Zur Budgetsanierung und nicht zur Vorsorge für Krisenfälle.

martinek.thomas@trend.at

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