<small><i>Thomas Martinek</i></small>
Gagen gegen Gerechtigkeit

Die Diskussion über die Gehälter von Managern muss weiter geführt werden – in deren eigenem Interesse. Von Thomas Martinek

Die einfachste Form, eine Diskussion über Managergehälter vom Tisch zu wischen, ist die, sie als populistisch zu bezeichnen. Auch wenn sie das ist. Sind 100-Millionen-Dollar-Gagen also gerecht? Nein. Weil es in Gehaltsfragen keine Gerechtigkeit gibt. Die Frage nach der richtigen Höhe von Manager­gagen entspringt ja auch weniger moralischen Überlegungen denn blinder Wut. Das beweist das Bild zur Krise: jenes, in dem Demonstranten vor der New Yorker Börse am 25. September 2008 ein Transparent mit der unmissverständlichen Aufforderung „Jump! You Fuckers!“ hochhalten.

Worum es in der ganzen von Popstar-Präsident Barack Obama losgetretenen Gehaltsdiskussion wirklich geht, ist, das weltweit verschwundene Vertrauen in die Spitzenmanager wiederherzustellen. Auch wenn sie kein Mitleid verdienen. Derzeit kann jeder schlecht entlohnte, aber hochintelligente Mittelschullehrer die empörte Frage stellen: „Warum verdienen Bankster hundertmal so viel wie ich, obwohl sie das Ersparte ihrer Kunden in den Sand gesetzt haben?“ Dass ein Teil der Antwort darauf in einer langen Reihe von Dominosteinen liegt, bei der im September vergangenen Jahres einer in den USA umgefallen ist, und in einer wahnwitzigen Kettenreaktion, die die beinahe durch die ganze Welt reichende Schlange von Steinen zum Umfallen gebracht hat, interessiert ihn wenig. Auch verständlich. Dass der andere Teil der Antwort darin besteht, dass die übrigen 99 Prozent der Manager bislang einen Job erledigt haben, der weder vom Staat noch von anderen kollektiven Entscheidungsmechanismen besser hätte getan werden können, daran glaubt er nicht mehr.

Wie also umgehen mit der Gagenfrage für Manager? Vor allem so, dass man sie nicht fallen lässt. Genau das scheint aber derzeit in Österreich zu passieren. Während in Deutschland Kanzlerin Angela Merkel bereits an Gehaltsmodellen für Ackermann, Mehdorn und Konsorten arbeiten lässt, rudern in Österreich Faymann und Pröll bereits wieder zurück. Die Verantwortung für die angemessene Gestaltung der Managergagen wird von ihnen in die Hände der Aufsichtsräte gelegt. Dass sie dort hingehört, ist aktienrechtlich nichts Neues. Genauso wenig wie das Faktum, dass sich diese Gremien in unserem Land zumeist aus einer höchst überschaubaren Zahl von Managern zusammensetzten, die einander – dezent gesagt – gut kennen.

Die Verantwortung, das Vertrauen der Bevölkerung in die Manager wiederherzustellen und damit das Verständnis wieder zu schaffen, dass sie auch Millionen verdienen dürfen, liegt bei den Politikern. Vielleicht ein schmutziger Job – aber jemand muss ihn machen. Schließlich wird niemand Politiker, um reich zu werden. Das Gehalt der Politik heißt Macht. Damit werden sie in Zeiten der Krise reichlich entlohnt, und die „Faymann, Pröll & Company“ sollte sie nutzen.

Wobei es weder um die Festlegung von Höchstgrenzen noch um die Schaffung von Gerechtigkeit geht. Das erste Wichtigste, was erreicht werden muss, ist Nachvollziehbarkeit: dass Ma­nager Boni ausbezahlt bekommen, obwohl sich der Geschäftsverlauf im Jahr darauf verschlechtert, ist für viele schwer verständlich. Möglicherweise zu Recht. Eine Ausweitung des Bemessungszeitraums für die Festlegung der Höhe des erfolgsabhängigen Gehaltsanteils auf drei bis hin zu fünf Jahren ist dafür ein unter Experten breit diskutierter Lösungsansatz (siehe Titelgeschichte Seite 52). Das zweite Wichtigste ist Transparenz: Gehälter von Managern börsennotierter Unternehmen müssen im Geschäftsbericht klar und deutlich veröffentlicht werden. Jeder Mitbesitzer, sprich Aktionär hat ein Recht darauf zu wissen, was er seinem Angestellten, sprich Manager bezahlt.

Die Bestimmungen für diese zwei wichtigsten Kriterien, Nachvollziehbarkeit und Transparenz von Managergagen, dürfen aber nicht nur in einem ziemlich zahnlosen Corporate-Governance-Code festgeschrieben werden, sondern im Aktiengesetz – und das obliegt der Entscheidungsmacht der Politik. Jedes Das-nicht-akzeptieren-Wollen der großen Bosse mit dem Argument der Neidgenossenschaft darf kein Gehör finden. Zeigt es doch, dass sie mit Kritik nicht umgehen können – und vielleicht schon deshalb ihr Geld nicht wert sind.

martinek.thomas@trend.at

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

trend

Avaaz – Politik und Konzerne im Visier

 

trend

Berufsunfähigkeitsversicherungen – Prämienübersicht und Vergleich

Die Reichsten aller Kontinente

trend

Die Reichsten aller Kontinente