<small><i>Thomas Martinek</i></small>
Der wahre Mann des Jahres

Die Auszeichnung für die größten Leistungen 2009 gebührt dem Steuerzahler – auch wenn er sie erst 2011 erbringen muss.

Dass Hermann Maier vom deutschen Männermagazin „GQ“ für sein Lebenswerk zum Mann des Jahres gekürt wurde, ist okay. Auch dass der trend in dieser Ausgabe Caritas-Boss Franz Küberl als Manager der größten sozialen Hilfsorganisation des Landes mit diesem Titel ehrt, geht in Ordnung. Betrachtet man darüber hinaus die Wahlen zweier international höchst renommierter Medien, ist aber Skepsis angebracht. Die französische Tageszeitung „Le Figaro“ wählte den 1883 geborenen Aufschwungtheoretiker John Maynard Keynes zum Mann des Jahrs 2009. Das US-Magazin „Foreign Policy“ schlägt in die gleiche Kerbe. Es verlieh Notenbankchef Ben Bernanke den Titel „Man of the Year“ (vor Barack Obama wohlgemerkt). Diesen Entscheidungen muss widersprochen werden. Reichen doch die Überlegungen, die hinter den Wahlen Keynes’ und Bernankes stehen, eindeutig zu kurz. Bernanke habe mit der umsichtigen Geldpolitik der amerikanischen Zentralbank die USA und andere Staaten vor einer Weltwirtschaftskrise wie 1929 bewahrt. Und Keynes, so die historisierende Begründung des „Figaro“ für seine Wahl, habe den Regierungen in diesem Krisenjahr den Rat gegeben, die Wirtschaft mit Geld auf Pump anzukurbeln.

Das hat auch 2009 wieder gut funktioniert, sogar noch besser als nach 1929. Stimmt schon. Aber das Geld, das allerorts von Regierungen zur Rettung von Banken, Automobilherstellern und Stahlproduzenten geflossen ist, war auch diesmal nicht vorhanden. Und was „Deficit Spending“ à la longue bedeutet, hat man noch sehr gut aus Bruno Kreiskys Regierungszeit in Erinnerung. Für Fehler der Wirtschaft – damals das Milliardengrab der verstaatlichten Industrie – mussten Jahre später die Steuerzahler bluten. Nur dass das, was in den späten achtziger Jahren passierte, gegen das, was auf den Steuerzahler jetzt zukommt, der berühmte kleine Fliegendreck ist.

Einerlei, ob es um das Bezahlen der Abwrackprämie oder der Milliarden für das Bankenpaket geht, spätestens 2011, wenn Finanzminister Josef Pröll ein neues Budget verabschieden muss, wird klar werden, dass das Geld zur Rettung der Wirtschaft nicht von einer umsichtigen Notenbankpolitik (Bernanke) oder einer den Aufschwung ankurbelnden Wirtschaftstheorie (Keynes) kommt, sondern am Ende des Tages von niemand Geringerem als dem Steuerzahler. Der Unmut über diese Situation brodelt schon jetzt. Kaum jemand bringt Verständnis dafür auf, dass der riesige Scherbenhaufen nach dem fröhlichen Abzockspiel der Investmentbanker, das zu der gewaltigen Blase und letztendlich zu ihrem Platzen geführt hat, nun auch noch von jenen mit ihrer Arbeit und den davon zu zahlenden Steuern weggeräumt werden muss, die weder etwas dafür können noch etwas davon hatten. Und wenn Studenten und Professoren dagegen protestieren, dass kein Geld für Investitionen in das Bildungswesen fließen kann, weil es in die von Investmentbanken aufgerissenen Löcher gestopft werden muss, ist der Unmut wohl verständlich.

Daher hier an dieser Stelle die vielleicht etwas kleingeistig wirkende Zurechtrückung der Ehrungen von anerkannten Persönlichkeiten wie Notenbankchef Bernanke oder Volkswirtschafter Keynes für ihre – eben nur theoretischen – Leistungen. Aber wenn die unausweichlich drohenden Steuererhöhungen auf Arbeitnehmer, Besitzer von Eigenheimen und kleineren Vermögen, Freiberufler, kleine und mittlere Betriebe in zwei Jahren hereinbrechen werden, wird jeder spüren, wer wirklich 2009 die Rettung der Wirtschaft bezahlt hat.

martinek.thomas@trend.at

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