<small><i>Thomas Martinek</i></small>
Das Geld kommt aus der Steckdose

Ein Vorschlag zur Budgetsanierung: Nicht nur sparen, sondern auch Geld verdienen – durch den Ausbau der Wasserkraft.

Italien plant den Wiedereinstieg in die Atomenergie. Kein Scherz, den der Cavaliere, der so gerne unter Strom steht, so nebenbei ausgeheckt hat. Frankreich investiert massiv in die Atomenergie. Auch kein Plan, den sich Sarkozy, der sich gerne als „Speedy Sarko“ bezeichnen lässt, nur so zum Aufladen für seine Batterien ausgedacht hat. General Electric will in den kommenden zehn Jahren bis zu 15 Atomkraftwerke in Europa errichten. Sicherlich kein Vorhaben, das der US-Konzern so aus dem Blauen heraus bekannt gibt. Die drei Meldungen der vergangenen zwei Monate zeigen eines: In Zeiten, in denen es allen Ländern bestenfalls gerade wieder so lala geht, sind Sparprogramme natürlich wichtig. Aber mindestens genauso wichtig ist es, sich auf das Geldverdienen zu konzentrieren. Und genau das exerzieren diese Länder vor. Mit dem Ausbau der Atomkraft lassen sich die eigenen Energiekosten im Land senken, und überschüssige Energie kann ans Ausland verkauft werden.

Keine Angst. Hier soll nicht versucht werden, das Unmögliche möglich zu machen – den Einstieg Österreichs in das Atomzeitalter. Aber das Mögliche soll zumindest überlegt werden: der weitere Ausbau der Wasserkraft.

Österreich war dank seiner Wasserkraftwerke für die Energieerzeugung lange Zeit ein Stromexportland. Das heißt, dass bis 2001 im Durchschnitt mehr Strom im Land erzeugt als verbraucht wurde – und der Überschuss an das Ausland verkauft werden konnte. Davon sind wir heute kilometerweit entfernt. Denn die neue von Umweltminister Nikolaus Berlakovich und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner erarbeitete „Energiestrategie Österreich“ ist ein halbherziges Herumwurschteln zwischen CO2-Bilanzen, Alternativenergien und echter Stromerzeugung. Dass die angedachte CO2-Steuer auch für thermische Kraftwerke gelten soll, ist nur eine der in dem Regierungspapier enthaltenen Skurrilitäten. Schließlich würde der solcherart teurer produzierte Strom gegenüber Importstrom aus Kernkraftwerken an Konkurrenzfähigkeit verlieren. Und dass der Ausbau von Windparks gefördert wird, obwohl der damit produzierte Strom immer noch teurer ist als der aus Flusskraftwerken, ist aus betriebswirtschaftlicher Sicht auch ein kleines Kuriosum.

Was die Möglichkeiten der echten Energiegewinnung betrifft, gibt sich die Energiestrategie so schwach wie eine verglimmende Autobatterie. Für den Ausbau der Wasserkraft sieht der Plan nur das Ausmaß von 3,5 Terawattstunden vor. Das ist gerade einmal die Hälfte der von der Elektrizitätswirtschaft – sehr vorsichtig – angepeilten sieben Terawattstunden. Sieben Terawattstunden sind in etwa ein Zehntel des österreichischen Energieverbrauchs pro Jahr. Eine Menge, die durch konsequenten Ausbau von Flusskraftwerken schon produziert werden könnte. Doch daran ist natürlich nicht gedacht. Der Ausbau der Wasserkraft in Österreich soll maximal in Speicherkraftwerken, die weniger effizient als Flusskraftwerke sind, oder in Kleinkraftwerken erfolgen. Aber auch Letztere erhalten Auflagen – etwa die Errichtung von teuren Fischwanderhilfen – und werden dadurch für die privaten Betreiber wenig rentabel.

Natürlich haben Maßnahmen zum Schutz der Umwelt in einem langfristigen Konzept einen wesentlichen Platz. Aber der unverständlichste Aspekt an der ganzen Energiestrategie Österreich ist wohl, dass sie nur auf die Abdeckung des heimischen Bedarfs abzielt. Kein Gedanke wird daran verschwendet, die Energieerzeugung als mögliche Einnahmequelle zu sehen. Dabei wäre im Bereich der Wasserkraft noch Potenzial: Das theoretische Gesamtpotenzial beträgt 56 Terawattstunden. Bis jetzt werden nur 33 Terawattstunden genutzt. Weltweit hat ein Kampf um Energiequellen wie Erdöl oder Erdgas eingesetzt. Mit diesen Bodenschätzen ist Österreich zwar nicht so sehr gesegnet, aber wie heißt es so schön in unserer Bundeshymne? Doch das Potenzial, das unserem Land von der Natur geschenkt wurde, darf nicht genutzt werden. Dank „Kronen Zeitung“, Umweltschutzverbänden und auch einer in ihren Interessen zersplitterten Energiewirtschaft. Dabei gäbe es im Land am Strome noch Platz genug für geldbringende Stromerzeugung.

martinek.thomas@trend.at

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

trend

Avaaz – Politik und Konzerne im Visier

 

trend

Berufsunfähigkeitsversicherungen – Prämienübersicht und Vergleich

Die Reichsten aller Kontinente

trend

Die Reichsten aller Kontinente