Strohfeuer bei den Rohstoffprodukten:
Katastrophen sorgen für nur kurze Haussen

Spekulanten nutzen regelmäßig Katastrophen, um Gewinne mit Agrarprodukten zu erzielen. Doch die Hausse ist meist nur von kurzer Dauer.

Von Franz C. Bauer

Vermutlich haben auch Sie vor einigen Tagen die besorgniserregenden Berichte gelesen, denen zu entnehmen war, dass Semmeln bald um bis zu sieben Prozent teurer werden. Weil die Waldbrände die Ernte in Russland (das Land ist der drittgrößte Weizenexporteur der Welt) zum Teil vernichtet haben und die Regierung daraufhin ein zeitlich begrenztes Exportverbot verhängte, kletterte der Weizenpreis an den Warenbörsen innerhalb weniger Wochen von 430 Dollar je Tonne auf rund 790 Dollar – eine Preissteigerung um 84 Prozent. Nicht ganz zu Unrecht verdächtigten der russische Präsident Wladimir Putin und zahlreiche alternative Internetforen unisono sogleich die Spekulanten, von der angeblich drohenden Knappheit profitieren zu wollen und die offenbar drohende Teuerungswelle zu verschulden.

Der von Boulevardmedien bereitwillig übernommene Vorwurf klingt logisch, passt wunderbar in die gängige Vorstellungs- und Vorurteilswelt – ist aber, was den Semmelpreis und die Versorgungslage betrifft, eher unsinnig, was eine simple Rechnung zeigt: Eine Semmel kostet rund 32 Cent, in ihr sind etwa 55 Gramm Weizenmehl verbacken, das – großzügig kalkuliert – rund 1,5 Cent kostet. Damit der Weizenpreis eine Verteuerung der Semmel um 2,24 Cent „verschuldet“ (das entspräche einer siebenprozentigen Preissteigerung), müsste er sich also weit mehr als verdoppeln. Ähnliches gilt auch für die übrigen Nahrungsmittel, bei denen Preissteigerungen angekündigt wurden: Diese sind nur zu einem sehr geringen Teil auf die Notierungen der Agrarrohstoffe zurückzuführen. Personal- und Transportkosten, Steuern und Verwaltungsaufwand schlagen weitaus empfindlicher zu Buche als die Notierungen der Agrarrohstoffe.

Katastrophengewinner.
Richtig ist allerdings, dass es hauptsächlich die Spekulanten waren, die für ein Strohfeuer an den Warenbörsen gesorgt hatten. „Agrarrohstoffe reagieren auf Katastrophen eben immer besonders heftig, weil die Märkte im Vergleich zu Finanzmärkten relativ klein sind und man daher mit niedrigeren Einsätzen viel bewegt“, erklärt Gernot Schrotter, Manager eines von der Erste Sparinvest aufgelegten Agrarrohstoff-Fonds. Russland ist ein gutes Beispiel dafür, wie der Markt funktioniert. Kaum lässt ein Ereignis – neben Bränden eignen sich für solche Spekulationen auch Frost, der Kaffeeplantagen vernichtet, oder das explosive Wachstum eines Schädlings, der Ernten bedroht – auf eine Änderung der Versorgungslage schließen, sind auch schon Zocker zur Stelle, um ihr Glück zu versuchen. Meist funktioniert die Sache wegen der beschriebenen Überschaubarkeit der Märkte recht gut: Erst kommen die Profispekulanten wie beispielsweise Hedgefonds, dann treiben Privatanleger die Preise weiter in die Höhe, und schließlich verabschieden sich die Profis rasch wieder. An den Notierungen für Weizen ist dieser Verlauf deutlich zu sehen: Kaum hieß es rund um Moskau „Brand aus“, wurde auch das Strohfeuer an den Börsen schwächer, die Weizennotierungen sanken wieder. „Eine Versorgungsknappheit hat es zu keinem Zeitpunkt gegeben, im Gegenteil: Die Lagerbestände in den USA sind beinahe auf Rekordniveau“, so Schrotter.

Trotz des hohen Risikos, das mit solchen Spekulationen verbunden ist, interessieren sich immer mehr Privatanleger für diesen Bereich. Die Überlegung dabei: Die Weltbevölkerung wächst und damit auch die Nachfrage. Die Ausweitung der Anbauflächen kann damit nicht Schritt halten, also müssten die Preise langfristig doch steigen. Vor so simplen Schlüssen warnt freilich Philip Arnold, Senior Sales Manager bei der Raiffeisen Centrobank (RCB): „Es ist richtig, wir registrieren in den vergangenen Wochen eine wachsende Nachfrage der Anleger nach Rohstoffzertifikaten.“ Hier sei aber größte Vorsicht geboten: „Für Agrarrohstoffe typisch ist die hohe Volatilität. Wer sich ein Zertifikat auf einen einzelnen Basiswert zulegt, sollte diesen auch ständig beobachten.“ Daher hat die RCB Zertifikate aufgelegt, die sich auf ein ganzes Bündel von Agrarrohstoffen beziehen. Der Vorteil laut Arnold: „Diese Papiere eignen sich auch für Anleger, die sich nicht täglich mit dem Weizenfuture beschäftigen wollen.“

Dürres Angebot.
Eine weitere Möglichkeit, in die Agro-Branche zu investieren, bieten börsennotierte Fonds, so genannte Exchange Traded Funds (ETFs). Grundsätzlich existieren solche Fonds für alle gängigen Waren und Indizes. In Österreich ist das Angebot allerdings sehr dünn: Nur ein einziger ETF bildet landwirtschaftliche Produkte ab.

Anleger haben aber auch auf Umwegen die Chance, vom Wachstum des Agrarsektors zu profitieren, und zwar indirekt über Aktien von Zulieferfirmen und entsprechende Fonds. Dass dieser Bereich immer interessanter wird, zeigen die jüngsten Übernahmeschlachten: Bis zu 40 Milliarden Dollar bot der australische Bergbauriese BHP Billiton Mitte August für den Kauf des kanadischen Düngemittelriesen Potash. Angesichts begrenzter Anbauflächen wird die Steigerung der Hektarerträge immer wichtiger, hier wartet auf die Düngemittelhersteller noch ein enormes Wachstumspotenzial. Dieses beflügelt offenbar auch in Russland die Fantasie der Marktteilnehmer: Die beiden Kali-Anbieter Uralkali und Silvinit rücken über Kapitalverflechtungen immer näher zusammen. Eine Fusion der beiden Giganten würde den mit einem Weltmarktanteil von 45 Prozent größten Kali-Konzern der Welt entstehen lassen. Analysten rechnen damit, dass die Branche auch in Zukunft solche Storys liefern wird.

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