Auszeit fürs Geld

Zu den lieb gewonnenen, aber sinnlosen Gewohnheiten eines großen Teils der Menschheit zählt es, ein neues Jahr mit guten Vorsätzen zu beginnen. Weniger rauchen und/oder mehr Sport, weniger Cola & Burger und mehr Bio – die Liste lässt sich praktisch nach Belieben fortsetzen und hat den Vorteil, sich nicht abzunutzen, denn es hält sich ohnedies niemand daran. An der Schwelle zu 2012 dürften zahlreiche Zeitgenossen freilich einen weiteren Vorsatz hinzugefügt haben, der wohl kaum das Schicksal der üblichen Neujahrs-Gefühlsduselei teilen wird: weniger Risiko und mehr Vorsicht bei der Geldanlage. „Das dominierende Thema bei Anlegern lautet derzeit: Sicherheit“, bestätigt Gerhard Rehor, Vorstand der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien. Tatsächlich liefert die Meldungslage einige Gründe dafür. Schon der Start ins Jahr sorgte für mitteltiefe Sorgenfalten. Am 6. Jänner erklärte der italienische Premierminister Mario Monti, Europa sei „schwächer, als wir dachten“. Wie beruhigend. Am gleichen Tag stufte die Ratingagentur Fitch Ungarns Bonität auf Ramschniveau zurück. Schlecht für Österreich. Weitere Hiobsbotschaften folgten – etwa die, dass Deutschlands Industrie im November den stärksten Auftragsrückgang seit der Krise 2008 hinnehmen musste. Die Wirklich schlechte Nachricht schob dann die Weltbank nach. Am 18. Jänner rückte das Institut mit der revidierten Konjunkturprognose 2012 heraus: Demnach wird das globale Wirtschaftswachstum heuer auf 2,5 Prozent zurückgehen. Besonders miserabel sieht es aber für die Eurozone aus: Diese schlittert geradewegs in eine Rezession, die Wirtschaft wird um 0,3 Prozent schrumpfen. 2013 soll es dann laut Weltbank aber wieder bergauf gehen. Und bis dahin? Wie parkt man Geld halbwegs sicher über einen Zeitraum von rund einem Jahr? Bei einer gewissen Bereitschaft, ausgetretene Pfade zu verlassen, und etwas Mut zum Risiko finden sich hier überraschende Antworten. Am Höhepunkt der Krise – nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 – lautete diese Antwort noch: Bundesschatzscheine. Bei diesen handelt es sich de facto um kurz laufende Anleihen. Vor deren Verkaufsstellen bildeten sich nach der Erfahrung, dass auch große Banken pleitegehen können, lange Schlangen. Tausende Sparer schaufelten ihr Geld von Banken und Sparkassen in Richtung Staat. Wer freilich jetzt Bundesschatzscheine kauft, muss die Finanzministerin schon sehr gernhaben: Mickrige 1,20 Prozent kriegt man für die einjährige Bindungsfrist, und da hat der Fiskus dann auch noch die Kühnheit, sich ein Viertel der lächerlichen Zinsen über die Kest zurückzuholen. Bleiben also gerade einmal 0,9 Prozent, also nicht einmal die Hälfte der für heuer prognostizierten Geldentwertung von 2,2 Prozent (IHS-Schätzung). Wer da sein Geld in Bundesschätzen anlegt, muss entweder verrückt sein oder mehr als 100.000 Euro „bombensicher“ parken wollen. Dies ist nämlich die Höchstgrenze für die Einlagensicherung der Banken.

Spar-Verlust.
Bis 100.000 Euro bieten Spareinlagen also praktisch die gleiche Sicherheit wie Bundesschatzscheine. Doch auch hier verfehlen Anleger die Inflation: Zwei Prozent Zinsen – rund ein Drittel mehr als bei den Bundesschätzen – sind bei nahezu allen Instituten drin, für Stammkunden oder größere Beträge, die in die Gegend von 100.000 Euro reichen, sollten mindestens 2,5 Prozent machbar sein. Online-Sparangebote reichen bis 2,75 Prozent (Denizbank). Bei Angeboten über drei Prozent sollten Anleger vorsichtig sein – hier handelt es sich meist um Kombiprodukte, bei denen etwa ein Wertpapierdepot eingerichtet werden muss, oder um zeitlich begrenzte Lockangebote. Betrüblich dabei: Die „Gewinnschwelle“ – jener Prozentsatz, bei dem nach Abzug der Geldentwertung ein bescheidenes Plus bleibt – liegt auf Basis aktueller Inflationsschätzungen bei drei Prozent, und die erreicht kein einziges Sparangebot. Ähnliches gilt für Geldmarktfonds. Selbst die erfolgreichsten schafften es im zurückliegenden Jahr nicht, die Inflation zu schlagen (siehe Chart). Heuer könnte freilich die Europäische Zentralbank zu Hilfe kommen. „Wir rechnen zwar damit, dass die EZB den Leitzinssatz bei einem Prozent belassen wird, doch sollte sich die Stimmung weiter verschlechtern, kann es mit den Zinsen noch weiter bergab gehen“, meint Peter Brezinschek, Chefanalyst der Raiffeisen Bank International. In diesem Fall winken den Inhabern von Geldmarktfonds Zusatzgewinne – eine Wette auf die EZB.

Bankenwette.
Eine Wette anderer Art kann binnen Jahresfrist einen hübschen Zusatzgewinn bringen. Glauben Sie, dass eine europäische Großbank pleitegehen kann? Theoretisch denkbar ist das, doch politische Usancen sind anders als in den USA – die EU wird alles daransetzen, um so eine Insolvenz zu verhindern. Daher sind Bankanleihen mit kurzer Restlaufzeit interessant. So schlägt sich die Raiffeisenlandesbank-Anleihe, die am 29. Jänner 2013 abläuft (ISIN: AT000B076443), mit einer Rendite von rund 2,1 Prozent recht gut. Spitzenreiter sind bei den Bankanleihen allerdings die Papiere der UniCredit – hier machen sich unter anderem die Probleme mit der dünnen Kapitaldecke bemerkbar. „Natürlich spiegeln sich auch die Bedenken wegen der Bonität Italiens wider. Die UniCredit zählt ja zu den größten Gläubigern des Landes“, erklärt Rehor. Je nach Tageskurs sind bei der am 9.1.2013 ablaufenden Tranche (ISIN: XS0229318737) sogar Renditen deutlich über vier Prozent möglich. Das Emittentenrisiko – also die Gefahr einer Pleite des Schuldners – schätzt der Markt zwar deutlich höher ein als etwa bei Raiffeisen, doch dass die UniCredit in einem Jahr pleite ist, prognostiziert kein Analyst. Noch fettere Renditen versprechen Zertifikate, die am Sekundärmarkt (über die Börse oder bei den Emittenten) mit kurzen Restlaufzeiten zu haben sind. Hier tragen Käufer zwei Risiken: einerseits das erwähnte Emittentenrisiko, andererseits das Risiko, dass das renditebestimmende Ereignis – etwa, dass eine bestimmte Notierung nicht unterschritten wird – dann einen Strich durch die Rechnung macht. Doch einige Papiere weisen angesichts der kurzen Restlaufzeiten von unter einem Jahr recht komfortable Abstände zu den „Gefahrenzonen“ auf, bei denen ein Verlustgeschäft droht – etwa ein DAX-Zertifikat der Raiffeisen Centrobank (ISIN: AT0000A0S434) mit einem Abstand zur Barriere von rund 25 Prozent und einer Rendite von rund zwölf Prozent oder das RCB-Zertifikat auf den Euro Stoxx (ISIN: AT0000A0RZH6) mit gleichem Abstand und rund 15 Prozent Rendite. Einen Risikopuffer von rund 30 Prozent weist das RCBErdölzertifikat (Brent Crude, ISIN: AT0000A0R2K0) auf, das rund 14 Prozent einbringt. Interessant ist auch der Silber Bonus Performer von Volksbank Investments (ISIN: AT000B114830) der bis Mitte 2013 läuft und derzeit ebenfalls um die 15 Prozent rentiert. Mit einer je nach persönlicher Risikoneigung gestalteten Kombination von null Risiko (Sparbuch/Kapitalsparbuch mit einem Jahr Bindung) und gebremstem Risiko (Geldmarktfonds, Anleihen, Zertifikate) können daher selbst Anleger mit dem kurzen Horizont von einem Jahr die Inflation schlagen.

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