Straßenkreuzer

Neue Handys mit eingebauter Navigationshilfe machen klassischen GPS-Navigationsgeräten immer mehr Konkurrenz. Doch können sie wirklich mit teuren Navigationskonsolen mithalten? e!trend sagt Ihnen, wie gut die Handy-Navigationssysteme wirklich sind.

Jetzt links abbiegen“, meint die Beifahrerin bestimmt und ungeachtet des dichten Kolonnenverkehrs, der einen Spurwechsel schlicht unmöglich macht. Schon sind wir an der Abfahrt vorbei, und der nächste Rat lässt nicht lange auf sich warten. „Bitte wenden“, lautet die Anweisung, obwohl das auf der stark befahrenen Vorrangstraße mit der doppelten Sperrlinie absolut unmöglich ist. „Wenn möglich bitte wenden“, lässt die Kopilotin nicht locker, „Sie entfernen sich vom Ziel.“

Dann hat sie aber doch ein Einsehen, berechnet eine neue Route und leitet uns präzise und an einem an einer Großbaustelle entstandenen Stau vorbei direkt zu unserem Hotel außerhalb der Stadt, wo sie stolz erklärt: „Sie haben Ihr Ziel erreicht.“ Letztlich sind wir doch froh, eine ortskundige, wenn auch nur elektronische Begleiterin an Bord gehabt zu haben.

Das wirklich Erstaunliche dabei ist aber, dass die Anweisungen nicht aus einem mehrere hundert Euro teuren, im Auto installierten Navigationssystem, sondern aus unserem Handy gekommen sind, das mit seinem eingebauten AGPS-Empfänger via Satellit die Verkehrsinformationen empfangen und die Fahrstrecke zu unserem Hotel berechnet hat (konkret mit einem Nokia-Handy samt Navicore-Software).

Im Handy integrierte GPS-Navigationssysteme sind der neueste Trend in der Mobilkommunikation. Mit dem BlackBerry 8800, dem MDA Compact III, dem T-Mobile Ameo und den Nokia-Modellen 6110, N95 sowie dem Communicator-Nachfolger E90 kommen in diesem Frühjahr gleich sechs Topmodelle mit integrierten GPS-Empfängern in den Handel, die den Auto-Navis von TomTom und Co Konkurrenz machen. Wie die großen On-Board-Systeme können auch sie die schnellsten und kürzesten Routen zwischen zwei Orten berechnen, anhand aktueller Verkehrsinformationen Alternativstrecken bestimmen oder auf Knopfdruck den Weg zur nächstgelegenen Tankstelle anzeigen (siehe Test „Ferngesteuert“ Seite 166).

GPS-Navigation mit dem Handy ist an und für sich nichts Neues. Schon vor drei Jahren hat Motorola mit dem A1000 ein erstes Gerät mit einem integrierten GPS-Empfänger in den Handel gebracht, das jedoch noch mit einem wenig empfangsstarken und stark an der Akkuleistung zehrenden mobilen GPS-Chip bestückt war und deshalb nicht ganz überzeugen konnte.

Mit den neuen, speziell für die GPS-Navigation konzipierten Handys ist das jedoch anders. Ihre Prozessoren arbeiten schnell genug, um die für die Positionsberechnung und grafische Darstellung nötigen Aufgaben einwandfrei durchführen zu können. Die integrierten GPS-Chips arbeiten nach dem neuen, empfangsstarken und akkuschonenden SiRF-III-Standard; damit können die Geräte Satellitensignale auch dann empfangen, wenn sie in einem Gebäude mit geschlossenen Fenstern liegen. Lange Wartezeiten bei der GPS-Bestimmung und der Suche nach Satellitensignalen sollten damit der Vergangenheit angehören, und die dazu passenden Straßenkarten können stets aktuell via Internet auf das Handy geladen werden.

„Der Vorteil einer solchen mobilen Lösung ist“, sagt Mikko Stout, Head of Sales von Nokia Österreich, „dass man nicht das Kartenmaterial der ganzen Welt kaufen muss und trotzdem überall aktuelle Karten zur Verfügung hat. Zu Hause ebenso wie beim Urlaub in Spanien oder während einer Geschäftsreise.“ Und Mobilkom-Marketingvorstand Hannes Ametsreiter erklärt: „Die Karten werden viermal jährlich erneuert. Die Benutzer können daher sicher sein, dass ihnen immer aktuelle Informationen zur Verfügung stehen.“

Ein weiterer Vorteil der neuen GPS-Handys ist, dass man mit ihnen nicht nur im Auto, sondern auch zu Fuß gut und bequem durch die Straßen gelotst wird. Und es gibt keinen Grund, warum die Genauigkeit der anderer Navi-Systeme unterlegen sein sollte. Schließlich gibt es weder bei den GPS-Chips noch bei der verwendeten Software Unterschiede zu den On-Board-Systemen. Und das der GPS-Navigation zugrunde liegende Kartenmaterial stammt wie bei allen Anbietern von GPS-Navigationssystemen auch von Tele-Atlas und Navteq, den weltweit einzigen Lieferanten für Satellitenkarten.

„Derzeit werden GPS-Empfänger aber erst in High-End-Geräte eingebaut, die für den Massenmarkt weniger Relevanz haben. Es wird noch dauern, bis sie sich auf breiter Ebene etabliert haben“, meint Jorge Rovira, Teamleader Device Management beim Handynetzbetreiber One.

In der Zwischenzeit könnten jedoch Lösungen von Anbietern wie TomTom, Route 66, Navicore oder Falk, die für ein breites Feld von Handymodellen geeignet sind, den Markt aufbereiten. Sie haben spezielle Versionen ihrer Navi-Systeme mit externen AGPS-Mäusen entwickelt, die über Bluetooth mit dem jeweiligen Handy gekoppelt werden. Das für die Navigation nötige Kartenmaterial ist dabei auf Speicherkarten gepackt, die in die Handys eingelegt werden.

Unter dem Strich funktionieren auch diese Systeme, die um rund 200 Euro verkauft werden, recht zufrieden stellend, wenngleich sie für die Prozessoren vieler Handys eine große Herausforderung sind und die Empfangs- und Akkuleistung mancher GPS-Mäuse, wie die externen Empfänger genannt werden, nicht überragend sind. Außerdem veralten die Straßenkarten schnell, weshalb nach spätestens zwei Jahren wieder eine Speicherkarte mit einer aktuellen Straßenkarte gekauft werden sollte.

Das ist bei rein mobilen Lösungen wie dem von der Mobilkom für seine A1 Navi eingesetzten Wayfinder (www.wayfinder.com) und dem smart2go (www.smart2go.com/de) – entwickelt vom Unternehmen Gate 5, das 2006 von Nokia übernommen wurde – nicht der Fall. Dabei werden die für die Navigation nötigen Karten via PC oder eine mobile Internetverbindung auf das Handy geladen.

Die Routenplanung via GPS ist aber nur ein Teil dessen, was die GPS-Handys können. Handyhersteller und Netzbetreiber arbeiten schon daran, die GPS-Standortbestimmung zur Basis für neue, GPS-gestützte standortbezogene Dienste, so genannte Location-based Services (ALBS), auszubauen. „Man wird mit dem Handy einen Stadtbummel machen können und dazu einen in das GPS-System integrierten Reiseführer auf dem Gerät haben, der beim Vorbeigehen alle Sehenswürdigkeiten erklärt“, meint Ametsreiter. Und 3-Geschäftsführer Berthold Thoma kann sich gut vorstellen, dass es bald dynamische Angebote wie Warnungen vor Radarfallen oder Fahrkartenkontrollen via GPS gibt: „Die GPS-Chips sind mittlerweile so leistungsfähig und die mobilen Übertragungsraten und Bandbreiten so günstig, dass sich die Verbindung mit dynamischen Web-2.0-Lösungen oder Google Earth regelrecht aufdrängt.“

Ein weiterer sehr spannender Dienst wird derzeit von Nokia gemeinsam mit dem Fotoportal Flickr (www.flickr.com) entwickelt. Künftig sollen mit dem Handy fotografierte Fotos automatisch mit einem entsprechenden Standortstempel, dem so genannten Geo-Tag, versehen werden. Lädt man so ein Foto auf die Flickr-Website hoch, kann man später über Flickr Maps punktgenau erkennen, wann und wo es aufgenommen wurde.

Solche Angebote sollen nicht mehr lange den Besitzern teurer High-End-Handys vorbehalten sein. Mitte April hat SiRF Technology, der Weltmarktführer in der Herstellung von GPS-Chips, eine Kooperation mit Motorola geschlossen, um GPS zur Standardfunktion aller Handys zu machen. SiRF-Gründer Kanwar Chadha: „GPS wird bald ein zentraler Bestandteil aller mobilen Geräte sein.“

Von Peter Sempelmann

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

trend

Avaaz – Politik und Konzerne im Visier

 

trend

Berufsunfähigkeitsversicherungen – Prämienübersicht und Vergleich

Die Reichsten aller Kontinente

trend

Die Reichsten aller Kontinente