Stechen Hedgefonds auch in Krisenzeiten?
Im Jahr 2009 sollen Gewinne wieder steigen

Alternative Investments versprechen Anlegern börsenunabhängige Gewinne. 2008 gab es jedoch teils herbe Verluste. Heuer soll alles besser werden.

Was haben der Milliardär George Soros, der mutmaßliche Anlagebetrüger Bernard L. Madoff, der Wirtschafts-Nobelpreisträger Myron Scholes und der deutsche SPD-Vorsitzende Franz Müntefering gemeinsam? Es ist ein durchaus ambivalenter Begriff, der die unterschiedlichen Persönlichkeiten verbindet, und er lautet: Hedgefonds.

Soros kassierte mit seinem Quantum-Hedgefonds durch eine legendäre Spekulation gegen das britische Pfund innerhalb weniger Wochen eine Milliarde US-Dollar. Madoff schaffte es nach eigenen Angaben mit seiner Investmentfirma Bernard L. ­Madoff Investment Securities, die vor
allem Hedgefonds betrieb, 50 Milliarden Dollar Anlegergelder zu veruntreuen. Scholes verzockte als Berater des von ihm als Co-Manager betreuten „Long Term Capital Management“-Hedgefonds rund 1250 Milliarden Dollar, was, nebenbei bemerkt, schon 1998 das Weltfinanzsystem gefährdete. Und dem deutschen Politiker Müntefering brachte sein inzwischen legendärer Vergleich von Hedgefonds mit Heuschrecken weltweite Berühmtheit und einige zehntausend Zitierungen in internationalen Medien ein.

Mysteriöse Finanzgebilde?
Für die meisten Anleger verbergen sich hinter Hedgefonds hingegen schlicht und einfach mysteriöse Finanzgebilde, die undurchschaubaren Geschäften nachgehen und auf dem Rücken gequälter Werktätiger Milliardengewinne raffen – oder, wie im vergangenen Jahr, ebensolche Beträge versenken. „2008 war für Hedgefonds eines der schlechtesten Jahre“, resümiert Friedrich Kiradi, Managing Partner der Merit-Gruppe und Hedgefonds-Sprecher der Vereinigung ausländischer Investmentgesellschaften. Seinen Schätzungen nach habe die Branche vergangenes Jahr weltweit etwa 500 Milliarden Dollar und damit ein Viertel ihres Volumens verloren. Gleichzeitig schmolzen auch die Möglichkeiten für Kreditaufnahmen drastisch dahin, was das Geschäft zusätzlich belastete.

Hedgefonds haben größere Freiheiten
Aber was sind eigentlich Hedgefonds? „An sich ist Hedgefonds der falsche Begriff. Wenn Anleger von Hedgefonds sprechen, dann meinen sie meist die gesamte Gruppe der so genannten Alternative Investments, da gibt es bis zu 40 Anlagestile“, erklärt Kiradi. Gemeinsam sei allen die relative Freiheit der Fondsmanager. Während die Verantwortlichen von Aktien- oder Anleihenfonds üblicherweise nichts anderes dürfen, als eben Aktien oder Anleihen kaufen, stehen den Hedgefonds-Managern zahlreiche andere Möglichkeiten offen. Und für einige davon sehe das heurige Jahr wohl schon bedeutend besser aus als das katastrophale 2008.

Trendfolger in Österreich verbreitet
Am weitesten verbreitet sind in Öster­reich die Trendfolger, auch Managed Futures genannt. Die Welt stellt sich für diese Fonds als bunter Strauß aus Anlagechancen mit Gold, Schweinebäuchen, Kupfer, Weizen, Erdöl oder Zinsen dar. „Wir versuchen, Trends aufzuspüren und dann diesen zu folgen“, beschreibt Eduard Pomeranz, Chef der Managementfirma FTC, das an sich simple Modell. „Wichtig ist dabei – wie für jeden Hedgefonds – eine penible Risikokontrolle.“ Ausgeprägt war im vergangenen Jahr etwa die Baisse an den Börsen. „Der Vorwurf, auf sinkende Aktienkurse zu spekulieren oder Unternehmen manipulieren zu wollen, trifft uns aber nicht“, tritt Helmut Spitzer, Österreich-Vertriebschef von Superfund, einschlägiger Kritik entgegen, „wir setzen auf Indizes und nicht auf Einzeltitel.“ Hedgefondspionier in Österreich war Bernd Hasenbichler. Neben FTC und Superfund zählen SMN und Merit mit dem „BD Futures Select“-Fonds zu den wichtigsten Anbietern. Weltweit stellen Managed-Futures-Fonds eine eher kleine, im vergangenen Jahr aber sehr erfolgreiche Fondskategorie dar.
> Die international umfangreichste Gruppe alternativer Investments bilden dagegen die „Long/Short-Equity“-Fonds. Profite erzielen diese unter anderem, indem das Management zum Beispiel aussichtsreiche Aktien kauft – was „normale“ Fonds ja auch tun. Zusätzlich versuchen sie aber, das jeweilige Marktrisiko durch ausgeklügelte Optionsstrategien auszuschalten, damit sie bei steigenden und fallenden Kursen verdienen können, weshalb Fonds aus dieser Kategorie als „marktneutral“ bezeichnet werden. Außerdem dürfen diese Fonds auch so genannte Leerverkäufe durchführen, also auf fallende Kurse spekulieren. An zahlreichen Börsen wurden die Möglichkeiten, solche Leerverkäufe durchzuführen, aber deutlich eingeschränkt, was den Fonds Probleme bescherte. In die Gruppe der marktneutralen Fonds wurde in Österreich unter anderem der Primeo-Fonds angehoben, der im Zuge des Madoff-Skandals unter die Räder kam.

Spektakuläre Aktionen
Immer wieder spektakuläre Aktionen liefern die „Global Macro“-Hedgefonds. Bei diesen suchen hochkarätige Volkswirte nach großen, globalen Trends. Das bis heute am häufigsten zitierte Beispiel dafür lieferte George Soros mit seinem Quantum-Fund. Ökonomen hatten 1992 erkannt, dass das britische Pfund innerhalb des europäischen Währungssystems überbewertet war. Soros spekulierte gegen die britische Währung, die Bank of England konnte nur kurz dagegenhalten. Schließlich mussten die Briten aufgeben, aus dem Währungssystem ausscheren und ihr Pfund abwerten. Ein beliebtes Spekulationsfeld für Global Macro Funds sind auch die Zinsen. „Eine der besten Wetten der vergangenen Jahre waren die Euro-Zinsen“, berichtet Erste-Hedgefonds-Experte Chris­toph Kampitsch. „Die Europäische Zen­tralbank hat beharrlich behauptet, sie werde die Zinsen wegen der Inflationsgefahr nicht senken. Das Risiko einer Rezession hat die EZB da noch ignoriert, aber die Volkswirte haben die Abschwächung der Wirtschaft schon gesehen. Daher haben einige Global-Makro-Fonds erfolgreich auf fallende Zinsen spekuliert.“ Da solche Megatrends allerdings eher spärlich gesät und schwer zu prognostizieren sind, gelten die Global-Makro-Fonds als riskant.

Distressed-Strategien ein Trumpf
Gute Chancen werden heuer jene Fonds vorfinden, die auf so genannte Distressed-Strategien setzen. Wahrscheinlich hat Müntefering vor allem diese Fonds gemeint, als ihm sein Heuschrecken-Vergleich einfiel. Distressed-Fonds kaufen gestrauchelte Unternehmen oder solche, die bereits pleite sind (in den USA typischerweise solche, die unter den Gläubigerschutz-Artikel „Chapter 11“ fallen), und versuchen daraus Geld zu machen – entweder durch harte Sanierungsmaßnahmen oder durch Zerschlagung.

Bei der Index- oder Zinsen-Arbitrage versuchen Fonds, Preisdifferenzen zwischen unterschiedlich verzinsten Wertpapieren zu nutzen oder Abweichungen einzelner Titel von einem Index zu Geld zu machen. „Es gibt Manager klassischer Investmentfonds, die müssen immer nah am jeweiligen Index investieren. Wenn wir erfahren, dass eine Aktie in so einen Index aufgenommen wird und eine andere hinausfliegt, dann kaufen wir den einen Titel, und der andere wird leerverkauft“, beschreibt Jan Hein Aflink, verantwortlich für den Vertrieb der Dexia-Fonds in Österreich, die Strategie des „Dexia Index Arbitrage“-Fonds, der ebenfalls per Optionsstrategie marktneutral agiert.
Und wie sollen sich Privatanleger hier zurechtfinden? Die Praxis gibt darauf zwei Antworten: Zahlreiche Kleinanleger haben sich für die „Österreich-Lösung“, also Managed Futures, entschieden – und sind damit vergangenes Jahr gut gefahren.

Streuung von Stilen nicht empfehlenswert
Nicht bewährt hat sich 2008 hingegen die Streuung verschiedener Management-Stile, wie sie Dachfonds versuchen – etwa der Raiffeisen-Hedge-Dachfonds. Das Ziel, unabhängig von der jeweiligen Börsenstimmung Gewinne zu machen, verfehlten ­diese klar. „Ein Problem waren sicher die starken Schwankungen und die Kursverluste bei Aktien, wie es sie seit 30 Jahren nicht mehr gegeben hat“, glaubt Kurt ­Kotzegger, Manager des Raiffeisen-Hedge-Dachfonds. Getroffen hat die Fonds auch die Kreditklemme. „Immerhin haben wir nur um die 20 Prozent verloren. Das ist zwar nicht befriedigend, aber deutlich weniger als die Verluste an den Börsen.“ Längerfristig sollten Hedgefonds eine Performance ähnlich wie Aktien bringen, also um die zwölf bis 18 Prozent, und zwar unabhängig von der jeweiligen Börsenstimmung.
Einen positiven Ausblick wagt Erste-Hedgefonds-Experte Kampitsch: „Bis 2008 war es für Hedgefonds leicht, Investoren zu finden, und schwer, Gewinne zu machen. Ich glaube, jetzt kommen wir wieder in eine Phase wie Ende der 1990er Jahre, als es schwer war, Investoren zu finden, aber leicht, Gewinne zu machen.“
Von Franz C. Bauer

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