Sparefrohs Triumph

Das gute alte Sparbuch ist wieder ganz groß da und könnte heuer Aktien und ­Anleihen schlagen. Von Karl Riffert

Knapp ein Drittel des gesamten Geldvermögens der Österreicher liegt auf Sparbüchern und Sparkonten: Insgesamt sind das rund 140 Milliarden Euro. Das ist erstaunlich, denn seit Jahren wird den Sparern unterschwellig vermittelt, Sparbücher seien eigentlich nur für Dumme und Deppen, die halt nicht mit komplizierten Finanzprodukten wie Aktien, Anleihen, Fonds, Zertifikaten, Hedgefonds umgehen können und so auf üppige Renditen verzichten müssen.
Tatsächlich haben die großen Banken die Vorliebe der Österreicher für den kleinen Sparefroh hemmungslos ausgenützt. Umfragen belegen, dass etwa die Hälfte der Österreicher nicht wissen, wie viel Zinsen sie erhalten, und das ist auch gut so, denn die Wahrheit ist nicht sonderlich erfreulich: Für täglich behebbare Guthaben auf einem Sparbuch erhält man beispielsweise bei der Bank Austria sage und schreibe nur 0,125 Prozent Zinsen. Pro Jahr. Die Wahrheit ist, dass sich die Banken so mit Herrn Sparefroh über Jahre dumm und dämlich verdient haben. Doch diese Knausrigkeit gegenüber vielen Kunden, speziell solchen mit kleinem Portemonnaie, hat sich gerächt und rief aggressive Diskonter auf den Plan, die wie Hechte im Karpfenteich einfielen und wie etwa die ING-DiBa in relativ kurzer Zeit hunderttausende Kunden gewannen. Das und ein gestiegenes Zinsniveau bescheren Sparbuchanlegern jetzt wieder glänzende Konditionen. Mehr noch: Mit dem guten alten Sparefroh lassen sich, wenn man es richtig macht, sogar höhere Zinsen einfahren als mit Aktien, Anleihen, Fonds usw., obwohl das kaum zu glauben ist. Doch die Realität vieler hochbeworbener Anlageprodukte – also das, was am Ende des Tages an Rendite übrig bleibt – ist oft weit entfernt von den erhofften Traumrenditen. Das lässt sich am leichtesten am Beispiel von Fonds illustrieren.
Von den 10.165 im deutschsprachigen Raum zugelassenen Fonds waren 2007 nur knapp 53 Prozent im Plus. Knapp die Hälfte aller Fondskäufer hat also im Vorjahr nicht nur nichts verdient, sondern auch noch zum Teil massiv Geld verloren. Die Durchschnittsrendite bei Fonds lag 2007 bei äußerst mageren 1,4 Prozent, wobei da die Einstiegskosten, der so genannte Aufschlag (meist fünf Prozent vom Anlagekapital) und die Depotgebühren, noch gar nicht eingerechnet sind.

Es mag ein schlechtes Jahr gewesen sein, aber auch in guten Jahren mit deutlich höheren Renditen geht der Anleger ein deutlich höheres Risiko ein als mit einem Sparbuch, wo sich das Risiko exakt eingrenzen lässt: Es beträgt genau null, jedenfalls solange man die Höchstgrenze, bis zu der die gesetzliche Einlagensicherung haftet, nämlich 20.000 Euro, nicht überschreitet. Die 20.000 Euro gelten übrigens pro Bank. Wer also beispielsweise 80.000 Euro auf Sparkonten anlegen und dabei auf Nummer sicher gehen will, muss sein Geld auf vier Banken verteilen. Wie viel aber kann man mit einem simplen Sparbuch schon verdienen? Zur Erinnerung: Bei Fonds waren es 2007 im Schnitt nur 1,4 Prozent. Nun, die derzeit höchste Verzinsung erhält man bei der türkischen Vakifbank (mit österreichischer Banklizenz): 4,875 Prozent bei einer Laufzeit von eineinhalb Jahren. Und das bei null Spesen und null Risiken.
Wer jetzt also denkt, dass Lesen von Wirtschaftsmagazinen und Investments in Aktien, Anleihen & Co sinnlos seien, irrt natürlich. Selbstverständlich kann man mit einzelnen Aktien, Bonds, Fonds usw. auch sehr hohe Renditen erzielen. Der Kurs der ATX-Aktien hat sich seit 2002 fast verfünffacht. Aber bei jedem Aktieninvestment gibt es eben auch ein Risiko. Die Käufer der Meinl-Euro­pean-Land-Aktie haben 2007 die Hälfte ihres Geldes verloren. Seit Jahresbeginn 2008 haben alle ATX-Aktien bis auf eine (ausgerechnet die Post) an Wert verloren, mitunter massiv wie etwa Andritz mit minus 20 Prozent.
Wer im Jahr 2000 auf Gold setzte, konnte sein Kapital bisher verdreifachen: Der Preis pro Feinunze Gold stieg von etwa 300 auf rund 900 Dollar, sensationell. Wahr ist aber auch, dass man zuvor 25 Jahr lang so gut wie nichts mit Gold verdienen konnte und Gold ab Mitte der achtziger Jahre bis zum Jahr 2000 mehr als die Hälfte seines Wertes verlor. Und das könnte wieder passieren.

Sparbuchsparer mögen kein Risiko, und für sie verspricht 2008 ein glänzendes Jahr zu werden. Die Sparzinsen sind hoch und könnten sogar noch steigen, während die Performanceerwartungen anderer Assetklassen heuer eher mager ausschauen. Die Innsbrucker AlpenBank hat mittels Fundamentalanalysen und ökonometrischer Modelle Performanceprognosen für 2008 erstellt. Als Basis diente dabei jeweils ein Index als Benchmark für eine Assetklasse, also beispielsweise für osteuropäische Aktien der Aktienkorb des MSCI Eastern Europe oder bei Rohstoffen der Dow Jones AIG Commodity Index. Die Prognosen wurden zudem risikobereinigt, das heißt, das Schwankungsrisiko wurde berücksichtigt. Die Ergebnisse sind in der Tabelle „Performanceerwartungen für 2008“ abzulesen. Bei amerikanischen Aktien, gemessen anhand der 500 Titel im Standard & Poor’s 500 Index, liegt die Renditeerwartung heuer bei 2,87 Prozent – Spesen noch nicht eingerechnet. Bei osteuropäischen Werten liegt die Prognose sogar nur bei 1,95 Prozent.
Da kann Sparefroh locker mithalten. Wie also legt man sein Geld am Besten in Form von Sparbüchern an?

In einem ersten Schritt sollte man überlegen, ob das vorhandene Anlagekapital kurz- oder mittelfristig angezapft werden muss. Wenn ja, ist eher zu einem täglich fälligen Sparkonto zu raten. Gebundene Sparbücher können im Widerspruch zu ihrem Namen zwar genauso jederzeit ganz oder teilweise behoben werden, aber für den behobenen Betrag fallen dann entweder Vorschusszinsen an oder man erhält schlicht einen geringeren Zinssatz. Bei kleineren Beträgen kann das den Gesamtertrag erheblich schmälern. Der Zinsunterschied zwischen täglich behebbaren und langfristig gebundenen Sparguthaben (z. B. auf fünf Jahre) liegt meist bei weniger als einem Prozent auf oder ab. Der Vorteil bei einem 5-Jahres-Sparbuch ist aber die Fixverzinsung für den gesamten Zeitraum, auch wenn das allgemeine Zinsniveau sinken sollte. Ist man hingegen optimistisch und glaubt an steigende Zinsen, kann man auch ein Sparbuch mit variablen Zinsen wählen. In diesem Fall geht man freilich auch ein Risiko ein. Sollte die Europäische Zentralbank die Zinssätze bis 2013 irgendwann wieder senken, wird auch das variable Sparbuch weniger abwerfen.
Für Anleger, die gerne laufend ansparen möchten, gibt es wiederum Prämiensparbücher, bei denen man zum Beispiel monatlich einen bestimmten Betrag einzahlt, also anspart. Sie bieten aber geringere Zinssätze als Fixbetragsveranlagungen. Sparbücher kann man übrigens auch sperren lassen (Richtwert für die Sperrgebühr: 22 Euro), zum Beispiel bei Verlust oder Diebstahl.

Selbst bei einem so einfachen Produkt wie einem Sparbuch sollte man sich als Anleger über die Details informieren. Nehmen wir als Beispiel die Produkte der Wiener Vakifbank, die derzeit die höchsten Zinsen zahlt. Ein Fixzinssparbuch mit einer Laufzeit von fünf Jahren bringt dort 4,5 Prozent. Zuzahlungen sind bei einem solchen Sparbuch nicht möglich. Beheben kann man schon, aber der behobene Betrag wird kärglich verzinst. Hebt man etwa nach einem Jahr 100 Euro ab, erhält man nur 88 Cent an Zinsen, nach zwei Jahren sind es immerhin schon 2,26 Euro. Nur am Ende der Laufzeit wird der volle Zinssatz von 4,5 Prozent ausbezahlt. Sparbücher müssen übrigens immer am Schalter mit Ausweis eröffnet werden. Die Alternative sind Termingeldkonten, wie sie Direktbanken wie die ING-DiBa oder auch die Vakifbank anbieten. In diesem Fall sendet man per Post einen Kontoeröffnungsantrag mit einer Kopie des Lichtbildausweises. Bald darauf erhält der neue Kunde per Post eine Kontonummer und einen Rückschein, der eingeschrieben an die Bank zurückgeschickt werden muss. Die Post übernimmt dann die Ausweisüberprüfung. Während man bei Direktbanken wie der ING jederzeit per Computer beheben kann, also einen Geldbetrag auf ein Girokonto bei einer „normalen“ Bank überweisen kann, geht das bei der Vakifbank nicht. Bei Termingeldkonten gilt dort die Devise „Alles oder nichts“. Zwischenbeträge können nicht behoben werden.
Ein Ansparbuch bei der Vakifbank mit einer Laufzeit von fünf Jahren bringt dort derzeit 4,125 Prozent Zinsen. Zuzahlungen wie auch Behebungen sind jederzeit möglich, allerdings ist der Zinssatz variabel. Die übelste Variante bei Ansparplänen ist übrigens, dafür das eigene Girokonto zu überziehen, denn da zahlt man Minuszinsen von elf Prozent und mehr.
Günstiger erscheint da ein Angebot der Wiener Denizbank (türkisches Institut, zu 100 Prozent im Besitz der belgischen Dexia-Bank), die so genannte „Sparbücher mit Hochzinsmanagement“ offeriert, bei denen sowohl ein fixer Zinssatz gegeben ist als auch Zuzahlungen und Abhebungen möglich sind. Die höchste Laufzeit beträgt allerdings nur 24 Monate, dafür werden 4,725 Prozent Zinsen gezahlt.

Wer die Wahl hat, hat also die Qual. Sparbücher sind jedenfalls wie ein Roman, dessen Schluss man von Anfang an kennt: ein Happy-End mit Fixverzinsung. Das Ende sollte man übrigens nicht verpassen. Nach Ablauf der Bindungsfrist zahlen die Banken nämlich, ohne ihre Kunden zu informieren, nur mehr einen mageren Zinssatz. Der beträgt selbst beim aktuellen Zinschampion, der Vakifbank, nur mehr ein halbes Prozent pro Jahr. Und für alle Zins­erträge gilt natürlich, dass ein Viertel des schönen Mammons als Kapitalertragsteuer in den Staatssäckel fließt.

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