So nimmt man Kurs auf das Jahr 2009:
trendINVEST über die Gefahren & Chancen

Ringsum lauern tückische Gefahren, deshalb ist es höchste Zeit, tief durchzuatmen, ein wenig Mut zu fassen und ein persönliches Anlagekonzept zu entwerfen.

Das Schlimmste ist, dass der stetige Fluss der schlechten Nachrichten nicht und nicht versiegen will. Kein Wunder also, dass alles in staatlich garantierte Sparbücher und Kassenobligationen drängt. „Wir erleben einen Systembruch“, konstatiert Christian Ohswald, Private-Banking-Chef der Raiffeisenlandesbank Wien, „daher hat Sicherheit bei Anlageentscheidungen oberste Priorität.“

Dummerweise scheinen sich die ohnehin bescheidenen Renditen solcher sicheren Anlagen demnächst in Luft aufzulösen. Schon für das erste Quartal 2009 wird erwartet, dass die Leitzinsen im Euro auf zwei Prozent sinken, jene im Dollar gar in Richtung ein Prozent. „Einige Geldmarktfonds werden wahrscheinlich die Managementgebühr aussetzen, damit die Nettoperformance nicht in die roten Zahlen rutscht“, prophezeit Berndt May, Österreich-Chef von JPMorgan. Und klarerweise wird es auch für die Sparbuchbesitzer eng. „Der Dreier vor dem Komma ist bald Geschichte“, erwartet Ohswald.

Höchste Zeit zum Investieren
Wer also sein gesamtes Kapital weiter flüssig hält, wird die Kaufkraft nicht länger aufrechterhalten. Es ist höchste Zeit, sein Geld wieder zu investieren – auch wenn die viel beschworene Wirtschaftskrise vielleicht noch gar nicht richtig begonnen hat. „Das Dümmste wäre, nichts zu tun und abzuwarten“, warnt May. Und die meisten Geldexperten sind sich auch einig, was nun als Erstes zu tun wäre, nämlich in solide Euro-Staatsanleihen mit kurzer Restlaufzeit zu investieren – und das möglichst rasch, also bevor das erwartete Zinstief erreicht wird.

Nach den Vorstellungen von May sollte man derzeit aber nur einen Teil in Staatsanleihen investieren und mit dem Rest möglichst liquide bleiben, um sofort zuzuschlagen, wenn sich an der Börse interessante Anlagemöglichkeiten auftun. Auf gut Deutsch: Es geht um den zeitgerechten Wiedereinstieg in Aktien. Was nun wirklich zeitgerecht ist, darüber gehen die Expertenmeinungen freilich weit auseinander. Während die einen davon schwärmen, dass Aktien seit Menschengedenken nicht so billig zu haben waren wie heute, fragen sich die anderen, ob die aktuellen Kurs-Gewinn-Verhältnisse denn wirklich so günstig sind, wie sie aussehen.

„Die Frage ist, wie viel Gewinnrückgang in den heutigen Aktienkursen tatsächlich eingepreist ist“, meint May. Jacob befürchtet, dass die Gewinnschätzungen für 2009 noch viel zu optimistisch sind. Und auch Fickel glaubt, dass „noch zahlreiche Revisionen nach unten“ bevorstehen.

Der Hintergrund: Die weltweite Finanzkrise, ein für viele überraschendes und beunruhigendes Phänomen, ist noch nicht ausgestanden, gleichzeitig scheint die Realwirtschaft aber bereits in eine Rezession zu rutschen – eine unheilvolle Kombination, die gewaltig auf die Stimmung drückt. Und diese Stimmung dürfte noch einige Zeit anhalten, warnt May: „Der Tiefpunkt kommt erst 2009, und zwar kaum vor dem Sommer.“

Aktienmärkte eilen Realwirtschaft voraus
Warum sollte man sich dann aber schon heute mit Aktien auseinandersetzen, zumal etliche Apokalyptiker meinen, dass wir die Tiefststände an den Börsen noch gar nicht gesehen haben?
Die Antwort lautet: Weil die Aktienmärkte der Entwicklung der Realwirtschaft stets um mehrere Monate vorauseilen. Aber aus heutiger Sicht scheint es den meisten Anlageprofis unrealistisch, dass die Börsen schon vor dem dritten Quartal, sprich vor dem Sommer 2009, abheben. Andererseits sollte man rechtzeitig dabei sein, denn eine alte Börsenregel lehrt: Zur Gesamtperformance von Aktien über einen längeren Zeitraum tragen besonders starke Kurssprünge an einzelnen Tagen überdurchschnittlich viel bei. Also sollte man diese Tage nicht versäumen.

Vorsichtshalber sollte man aber auch nicht zu früh zu viel in Aktien investieren. „Man verteilt die Käufe am besten über sechs Monate. Wichtig ist, jetzt anzufangen, auch wenn eine gewisse Härte dazugehört, sich gegen die Meinung der Öffentlichkeit und gegen das eigene innere Gefühl zu stemmen“, meint Ohswald. Durch die zeitliche Aufteilung könne man sich günstige Einstiegskurse zusammenmischen. Auch May ist überzeugt, dass man keine Zeit verlieren sollte: „In zwei Jahren wird man rückblickend sagen: Das waren damals günstige Kurse Ende 2008, Anfang 2009.“

Solide Titel sollten erste Wahl sein
Aber das wird kaum für alle Aktien gelten, sondern – und da sind sich derzeit alle einig – in erster Linie für solide Titel. „Was hat den Zweiten Weltkrieg überlebt? – Aktien wie Nestlé“, sagt Börsenveteran Schwarz. Und derartige Kriterien sind seiner Meinung nach derzeit wieder hochaktuell: „Es geht heute nicht so sehr um die Frage, wie ich auf eine Rendite von 15 Prozent komme, sondern vorerst darum, das Vermögen zu erhalten.“

Deshalb sind vorderhand Unternehmen mit starker Marktposition und solider Bilanz angesagt – hoch liquide Unternehmen, die viel aus dem eigenen Cash Flow finanzieren können und nicht Gefahr laufen, in ihrer Handlungsfähigkeit durch knausrige Banken beschnitten zu werden. Besonders attraktiv sind in diesem Umfeld gerade Deep-Value-Aktien - also Aktien von qualitätsvollen Unternehmen mit möglichst hoher und sicherer Dividende –, deren Kurse in den letzten Monaten trotzdem um 50 Prozent abgestürzt sind. Ohswald fallen dazu Titel wie Andritz, OMV, IBM, Coca-Cola und Microsoft ein. Schwarz bevorzugt konsumnahe Unternehmen wie Procter & Gamble oder Pharmafirmen mit hohem Generikaanteil, besonders gut gefallen ihm aber Nahrungsmittelkonzerne
wie Nestlé und Heinz – „oder auch eine Lindt & Sprüngli, ein grundsolides Unternehmen ohne Schulden, mit gesundem Cash Flow und
hoher Marge“. Etwas riskanter, wiewohl langfristig besonders chancenreich scheinen dem ehemaligen Merrill-Lynch-Mann niedergeprügelte Aktien aus dem Sektor Alternative Energie – etwa First Solar oder Nordex.

Komplizierte Produkte nichts für durchschnittliche Anleger
Die Frage ist, ob man nun von komplizierten Produkten wie Hedgefonds oder Zertifikaten prinzipiell die Finger lassen sollte. Nein, meint Börsenprofi Schwarz: „Es wäre falsch, Hedgefonds einfach abzuschreiben, aber man sollte vorsichtig sein und Produkte mit hohem Leveraging meiden.“

Für May sind Hedgefonds und strukturierte Produkte ohnehin nichts für durchschnittliche Geldanleger: „Solche Dinge machen nur für jene Menschen Sinn, die Investieren auch als Hobby betreiben, die auch wirklich alles verstehen und sich jeden Tag intensiv damit auseinandersetzen.“ Fazit: Wer dazu nicht bereit oder imstande ist, sollte die Finger davon lassen.

Transparente Instrumente empfehlenswert
Ohswald fordert harte Kriterien für Anlageentscheidungen: „Zu empfehlen sind nur jene Instrumente, die durchgängig transparent und nachvollziehbar sind.“ Und das gelte, so der Chef von Raiffeisen Private Banking Wien, im Übrigen auch für klassische Fonds. Denn obwohl diese Branche wie kaum eine andere gezwungen ist, Anlagekriterien, Transaktionen und Kostensätze offenzulegen, wird sie mit überraschend großem Misstrauen konfrontiert. „Die Klientel ist viel tief greifender verunsichert als nach dem Platzen der Dotcom-Blase“, konstatiert Ohswald. „Die Branche wird sich dramatisch verändern müssen“, meint er.

Kein Wunder also, dass es vielen Fondsanlegern sauer aufstößt, dass sie für das Asset Management, dem es nicht gelang, die Verluste zu begrenzen, auch noch hohe Gebühren zu zahlen haben. So gesehen überrascht es wenig, dass nun plötzlich zum Kauf von einzelnen Aktien und Anleihen geraten wird. Zumindest einige Zeit lang – denn irgendwann wird die Angst sicher wieder von der Gier abgelöst. 2009 wohl allerdings noch nicht.

Von Reginald Benisch und Caroline Millonig

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