So schlägt sich der Geldadel in der Krise:
Die 100 reichsten Österreicher

Auch Österreichs Geldadel hat die Krise erwischt: Vielen Millionären machen herbe Verluste bei Anlagen und Firmenbeteiligungen zu schaffen. Ein Viertel will sogar die Bank oder den Vermögensverwalter wechseln.

Von Karl Riffert

Das Geld, so heißt es, liebt die Reichen. Bei ihnen fließe es wie Strom aus der Steckdose, scheinbar wie selbstverständlich. Üblicherweise stimmt das: Je größer das Vermögen, umso schneller und leichtfüßiger wächst es auch. Eine Million zu verdienen, wenn man nur einen Euro besitzt, kommt einem Gipfelsturm auf den Mount Everest gleich. Eine zweite Million zu verdienen, wenn man schon eine hat, erfordert weit geringere Anstrengungen, und sind einmal hundert Millionen erreicht, ist die 101. Million nur ein Spaziergang auf gemähter Wiese. Wie einem Naturgesetz folgend, wuchs in den letzten Jahrzehnten der feine Club der Multimillionäre beständig, und auch deren Kontostände kannten – von kurzlebigen Dellen abgesehen – nur eine Richtung: aufwärts.

Doch 2009 ist alles anders. Der globale Finanz-Tsunami ließ die Vermögen der Reichen und Superreichen drastisch schrumpfen. „Nach vielen Jahren stetigen Vermögenswachstums haben die Reichen so viel Geld verloren wie noch nie in der Nachkriegsgeschichte“, sagt Gregor Erasim vom Unternehmensberater Capgemini, der alljährlich gemeinsam mit Merrill Lynch einen Bericht über den Reichtum auf dieser Welt herausgibt. Werfen wir also einen Blick auf den Olymp des heimischen Geldadels, die allervordersten Ränge unserer Reichstenliste also, und die durchaus erstaunlichen Veränderungen seit dem Vorjahr (Stichtag ist jeweils der 1. Juli).

Platz 1: Die Nerven liegen blank bei Piëchs & Porsches.
Die rund fünfzig, in zwei Familienstämmen formierten Nachfahren des legendären Autokonstrukteurs Ferdinand Porsche sind mit geschätzten 24,5 Milliarden Euro Vermögen immer noch der mit Abstand reichste Clan Österreichs. Aber die letzten zwölf Monate glichen für die Porsches und Piëchs einer Fahrt auf der Hochschaubahn. Das Ringen um einen Einstieg bei VW durch ihre Stuttgarter Beteiligungsholding Porsche SE sorgte bei den Aktien des Sportwagenbauers Porsche AG für wilde Sprünge, zuweilen um zehn Prozent an einem Tag. Im August 2008 kletterte der Kurs auf 103 Euro pro Aktie, Ende Februar dieses Jahres fiel er auf 29 Euro. Zum Stichtag 1. Juli war das Papier jedenfalls nur mehr halb so viel wert wie ein Jahr zuvor. Das Aktienpaket der beiden Familien (87,5 Millionen Stück) verlor auf diese Weise deutlich über vier Milliarden. Der Wert des VW-Aktienpakets erhöhte sich zwar auf 16,8 Milliarden Euro, weil sowohl die Anzahl der Aktien als auch der Kurs stiegen, konnte das aber nicht kompensieren. Der Wert des Automobilvertriebs der Porsche Holding Salzburg, zur Gänze im Familienvermögen, wurde diesmal rezessionsbedingt etwas niedriger bewertet.

Platz 2: Die Flick-Erben verloren geschätzte 600 Millionen.
Als Waffenlieferanten der Nazis machten die Flicks ein Vermögen. 1985 verkaufte Friedrich Karl Flick sein industrielles Erbe, wurde Österreicher und heiratete die 30 Jahre jüngere Rezeptionistin ­Ingrid Ragger. Flick war ein konservativer Investor. Dem trend verriet er vor Jahren seine Wunschrendite: 4,5 Prozent nach Steuern und Spesen pro Jahr. Bis zu seinem Tod 2006 war Ingrid Flick 16 Jahre lang mit einem der reichsten Männer Europas verheiratet und ist jetzt neben dessen vier Kindern eine der Begünstigten der Familienstiftungen. Im Zuge der Krise um geschätzte 600 Millionen Euro geschrumpft, liegen immer noch rund 5,5 Milliarden Euro auf den Depots. Verwaltet wird die gewaltige Summe, die in der Flick Privatstiftung und in der Ingrid Flick Vermögensverwaltung geparkt ist, vom umstrittenen Ex-Manager der Hypo Alpe-Adria-Bank, Wolfgang Kulterer. Ingrid Flick ist inzwischen mit dem ­kalifornischen Zahnarzt Peter M. Scheer liiert.

Platz 3: Dietrich Mateschitz’ Red Bull fliegt nicht mehr ganz so hoch.
Unfassbare vier Milliarden Dosen Red Bull wurden 2008 weltweit verkauft und spülten 3,3 Milliarden Euro in die Kassen des österreichischen Getränkekonzerns, der zu 49 Prozent Dietrich Mateschitz gehört und zu 51 Prozent der thailändischen Industriellenfamilie Yoovidhya. Der Wert der Weltmarke Red Bull wird in einschlägigen Studien auf bis zu zwölf Milliarden Euro taxiert. Allerdings ist der Markenwert zumeist nur ein fiktiver Ansatz, weil fraglich ist, ob die Summe im Fall eines Verkaufs auch erzielbar wäre. Zumal in der gegenwärtigen Krise scheint eine konservativere Bewertung angebracht.

Die fulminanten Erfolge des 2004 aus Jaguar Racing hervorgegangen Red-Bull-Rennstalls in der Formel 1 kommen der Marke mit Sicherheit zugute. Doppelsieg beim Gand Prix von China, Doppelsieg beim Grand Prix von Großbritannien, Chance auf den Gewinn des WM-Titels: Da ist die weltweite Präsenz garantiert. Trotzdem: So ganz macht die Krise auch vor Red Bull nicht halt. Nach jahrelangen Umsatzsteigerungen (plus 7,9 Prozent 2008) soll 2009 wenigs­tens der Vorjahreswert gehalten werden. Die Profite – zuletzt lag das Ergebnis (vor Steuern) bei 331 Millionen Euro – werden wohl leicht sinken. Was auch den Wert des Unternehmens beeinflusst. Bei konservativer Schätzung liegt der Anteil von Dietrich Mateschitz am nicht börsennotierten Red-Bull-Konzern samt Privatvermögen bei rund 3,9 Milliarden Euro, ein leichter Rückgang im Vorjahr. Mateschitz rief sogar zu einer prophylaktischen Nulllohnrunde unter seinen 5600 Mitarbeitern auf, die, zumindest in der Red-Bull-Zentrale in Fuschl, zu den Bestbezahlten in Österreich zählen.

Nicht immer ist die Krise schuld.
Doch nicht nur die Finanzkrise ließ Vermögen schmelzen. Im Fall von Liechtensteins Fürsten hatte das Verhängnis die Form einer DVD, die schon 2007 vom deutschen Bundesnachrichtendienst für wohlfeile 4,2 Millionen Euro erworben wurde und Konten von fast eintausend mutmaßlichen Steuersündern in Liechtenstein enthielt. Seither leidet die Steueroase und damit auch das Vermögen ihrer Herrscher. Die von Erbprinz Alois von Liechtenstein angeführte fürstliche Familie nennt 13 Schlösser, 200 Immobilien, Industriebeteiligungen und eine wertvolle Kunstsammlung mit 1500 Gemälden ihr Eigen. Dazu kommt die fürstliche LGT-Bank, die zuletzt mit 1800 Mitarbeitern rund 107 Millionen Euro Gewinn machte. Seit dem DVD-Super-GAU flossen allein bei diesem Geldinstitut über elf Milliarden Euro an verwaltetem Vermögen ab. Die Bank hat deutlich an Wert verloren, und das fürstliche Vermögen ist, verstärkt auch durch andere Abwertungen, um geschätzte 800 Millionen Euro geschrumpft.
Auch bei Christine de Castelbajac, die nach trend-Schätzungen rund eine Milliarde Euro verlor, lag die Ursache nicht im Absturz der Weltbörsen, sondern eher in dem Kriminalfach verwandten Aktionen rund um die Constantia Bank und ihre Gebührenvehikel Immoeast und Immofinanz. Auch der dramatische Absturz der Schweizer Oerlikon-Aktie auf ein Vierzehntel ihres Höchstwerts, deren steiler Aufstieg Ronny Pecik zum zweifachen Mil­liardär gemacht hatte, war nicht nur eine Folge der Finanzkrise und der Rezession. Pecik hat wohl einfach zu hoch gepokert. Dass man aber sogar in der Finanzkrise sein Vermögen mehren kann, exerzierte Superfund-Gründer Christian Baha vor. Obwohl seine Fonds in den vergangenen Jahren teils kräftig gefallen sind, ver­lief ausgerechnet das Börsenhorrorjahr 2008 extrem positiv, was der Hedgefund-Gesellschaft viel Neugeschäft bescherte.

Österreichs konservative Superreiche
Während im globalen Schnitt die Dagoberts dieser Welt ein Viertel ihres Vermögens verloren, halten sich die Verluste bei vielen heimischen Reichen in engeren Grenzen. „Die österreichischen Millionäre haben breiter gestreut und besser diversifiziert angelegt“, meint Bernhard Ramsauer, Vorstandsvorsitzender der Privatbank Sal. Oppenheim Österreich. Das war auch ein bisschen Glück. „Überall dort, wo es wichtige Börsen gibt, bevorzugt die wohlhabende Klientel jeweils diese Aktienmärkte. Das ist in Wien eben nicht der Fall.“ Außerdem seien die Österreicher von Natur aus eher konservativ und vorsichtig.

„Ich schätze die Verluste der heimischen Private-Banking-Kunden auf rund zehn Prozent, also weniger als im internationalen Durchschnitt“, meint Matthias Albert, Mitglied des Managementkomitees bei der Bank Gutmann. „Eigentümer börsennotierter Unternehmen sind natürlich teilweise stark unter die Räder gekommen.“ Ein gutes Beispiel dafür ist der Kärntner Hans Peter Haselsteiner. Das 25-Prozent-Aktienpaket, das seine Privatstiftung am Baukonzern Strabag hält, hat in den letzten zwölf Monaten um unglaubliche 960 Millionen Euro an Wert verloren. Mitleid mit den großen Verlierern ist dennoch kaum angebracht, zumal es sich wie im Fall Haselsteiner um Buchverluste handelt, Scheinverluste also am Roulettetisch des großen Finanzspiels. Die Aktienkurse werden früher oder später wohl wieder steigen. Und das bisschen Geld für den gewohnt exklusiven Lebenswandel kommt bei Österreichs hundert Reichsten selbst in einer Krise wie Strom aus der Steckdose: ausreichend.

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