Sichere Zinsen: Frohe Sparer

Dank der Europäischen Zentralbank macht selbst die sicherste Geldanlage Österreicherinnen und Österreicher derzeit zu Nettoverdienern.

Das Enkerl kann sich ein säuerliches Lächeln nicht verkneifen, als ihm die Oma voll Stolz ihr Sparbuch präsentiert. „Aber Omi, weißt du denn nicht, dass dort das Geld im Laufe der Zeit sogar weniger wert wird?“, fragt der junge Naseweis. Da ziehen sich ihre Augen tief in ihre faltigen Höhlen zurück, und beleidigt presst sie zwischen ihren schmalen Lippen hervor: „Das stimmt nicht mehr, auch netto bleibt dabei was über.“

Die alte Dame weiß, was am internationalen Finanzmarkt so läuft. Die Frühjahrs-Zinserhöhung durch die Europäische Zentralbank (EZB) – von Wirtschaftspolitikern als unnötige Konjunkturbremse kritisiert – kam gerade zur richtigen Zeit: Wenige Tage nach dem Absturz der chinesischen Aktien, der eine Schockwelle durch die Weltbörsen schickte, hoben die Brüsseler Währungshüter die Euro-Zinsen auf 3,75 Prozent an – mit durchaus erfreulichen Folgen für jene, denen sichere Zinsen lieber sind als unsichere Aktiengewinne. „Sparen bringt derzeit deutlich mehr als die Geldentwertung“, wirbt

Georg Kraft-Kinz, Vorstandsdirektor der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien, für die konservativste Form der Geldanlage. Doch nicht nur das klassische Sparen ist plötzlich wieder lukrativ geworden. Auch andere sichere Anlageformen liefern unterm Strich – nach Abzug von Spesen und Steuern – wieder positive Renditen. trend zeigt, wie Sie Ihr Geld derzeit sicher und profitabel anlegen.

Geldvermehrung. Ausgangspunkt jeder Kalkulation ist dabei die laufende Inflation. „Diese wird sich in Österreich heuer auf Basis der EU-harmonisierten Berechnungsmethode voraussichtlich bei 1,9 Prozent einpendeln“, schätzt Josef Baumgartner vom Österreichischen Wirtschaftsforschungsinstitut. Damit sich angelegtes Geld tatsächlich vermehrt, muss die Verzinsung diese 1,9 Prozent übertreffen, und zwar nach Abzug der Kapitalertragsteuer. Daher sollte eine Geldanlage derzeit wenigstens 2,6 Prozent Rendite bringen.

Selbst für täglich fällige Einlagen sind diese Konditionen derzeit locker zu erzielen. So offeriert die ING Diba 3,25 Prozent für täglich fälliges Geld. Allerdings verfügt dieses Institut als Direktbank über kein Filialnetz. Dispositionen erfolgen entweder direkt per Internet oder via Telefon. Für traditionelle Sparbücher bei der türkischen Denizbank mit Geschäftsstellen in Wien, Linz, Graz, Innsbruck und Bregenz gibt es ab dem ersten Cent ebenfalls 3,25 Prozent. Die Generali Bank bietet derzeit ab 5000 Euro 2,75 Prozent. Ab 50.000 Euro sind es 3,375 Prozent.

„Ich glaube aber gar nicht, dass die Konditionen für täglich fällige Einlagen so besonders wichtig sind. Die wenigsten Anleger brauchen tatsächlich größere Beträge jederzeit abrufbar. Und wer sich etwas länger bindet, kann jetzt deutlich besser aussteigen“, rät Raiffeisen-Experte Kraft-Kinz. So offeriert die RLB NÖ-Wien ein neunmonatiges Vermögenssparbuch, das ab dem ersten Euro 3,75 Prozent bringt und die Geldentwertung damit schon sehr deutlich schlägt. „Außerdem überlegen wir ein neues Angebot, mit dem wir in den nächsten Wochen auf den Markt kommen wollen“, so Kraft-Kinz.

Sparer, die über Bindungsfristen nachdenken, sollten allerdings das aktuelle Zinsumfeld in ihre Überlegungen mit einbeziehen. Und für heuer rechnen Analysten mit zumindest einer weiteren Zinserhöhung durch die EZB. „Diese Anhebung der Euro-Zinsen auf vier Prozent ist vom Markt bereits weitgehend berücksichtigt“, meint Stefan Bruckbauer aus der volkswirtschaftlichen Abteilung der Bank Austria Creditanstalt. „Möglich ist danach aber sogar noch eine weitere Zinserhöhung auf 4,25 Prozent“, warnt Zinsanalyst Gottfried Steindl von der Raiffeisen Zentralbank vor einer zu langen Bindung.

Treffen die Prognosen zu, dann legen die Banken nämlich spätestens im Herbst auf die Konditionen noch etwas drauf. Bindungsfristen über ein Jahr hinaus werden in diesem Umfeld zum Risiko.

Überholspur. Mit solchen Überlegungen brauchen sich die Käufer von Geldmarktfonds nicht herumzuschlagen. Zumindest theoretisch stellen diese Fonds eine ideale Kombination aus Sicherheit und Flexibilität – und daher eine ernst zu nehmende Konkurrenz für das Sparbuch – dar: Quartale, in denen so ein Fonds ins Minus rutscht, zählen zu den Raritäten. Anleger können Geld hier praktisch ohne Betragsgrenzen und jederzeit verfügbar parken. Geldmarktfonds investieren in Papiere, die entweder sehr kurze Restlaufzeiten aufweisen und daher auf Zinsänderungen nur moderat reagieren, oder sie kaufen so genannte Floater, also Anleihen, deren Kupon laufend an das jeweilige Zinsniveau angepasst wird.

Theoretisch klingt das recht verlockend. In den letzten Jahren lieferten diese Papiere allerdings oft eher ärmliche Renditen um die zwei Prozent. Nach Abzug von Spesen und Managementgebühr blieb unterm Strich weniger als bei schlichten Sparbüchern. Als Kurzparkplatz für Kleinanleger eigneten sich solche Fonds in jüngerer Vergangenheit daher kaum.

Doch die EZB-Zinserhöhungen haben dieser Fondskategorie gutgetan. Heuer dürften die meisten Geldmarktfonds die 3-Prozent-Marke schaffen, einige werden in die Nähe von vier Prozent rücken, und die besten sollten sogar die 4-Prozent-Hürde schaffen und Sparbücher damit schon sehr deutlich abhängen.

Heide Mittmannsgruber, Fondsmanagerin der Kepler-Kapitalanlage-Gesellschaft, erklärt: „Ziel dieser Fondskategorie ist es generell, den Euribor zu erreichen oder zu übertreffen.“ Dieser Zinssatz – er wird von Banken bei gegenseitigen Geschäften verrechnet – liegt für 3-Monats-Geld derzeit um die 3,95 Prozent und reagiert sehr sensibel auf Zinsänderungen durch die EZB. Der von Mittmannsgruber gemanagte „Cash Plus“-Fonds wies Ende des ersten Quartals eine aktuelle Rendite von rund 3,8 Prozent auf, der ebenfalls geldmarktnahe Kepler ABS-Fonds lag sogar bei 4,49 Prozent. „Diese Rendite wird erzielt, weil der Fonds auf variabel verzinste Anleihen setzt“, erklärt die Fondsmanagerin.

Schwankendes Glück. Anleger können einige dieser Papiere aber auch direkt kaufen. Variabel verzinste Anleihen – Floater – rangieren ebenfalls unter den direkten Konkurrenten von Sparbüchern. Auch sie profitieren unmittelbar von der Zinsanhebungspolitik der Europäischen Zentralbank. „Floater zählen zu den risikoärmsten Papieren“, meint Johannes Stadler von der Erste Bank. Bei dieser Anleihekategorie erfolgt in vorher festgelegten Abständen – meist sind es drei oder sechs Monate, seltener ein Monat oder ein Jahr – die Anpassung an das jeweilige Zinsniveau.

„Ein Zinsrisiko besteht nur, wenn die Zinsen unmittelbar nach einer Anpassung sehr stark steigen“, erklärt Stadler. Daneben gibt es aber noch das so genannte Bonitätsrisiko. „Wenn die Bonität eines Emittenten deutlich sinkt, dann merkt das der Anleger, wenn er das Papier wieder verkaufen will. Dann wird der Kurs nämlich niedriger sein als der Kaufkurs“, erläutert Gottfried Ransmair, Leiter der Anleihen-Emissionsabteilung bei der BA-CA. Bei Schuldnern guter Bonität – meist emittieren Banken oder Regierungen solche Anleihen – sei das aber die Ausnahme.

Auf ein zusätzliches Risiko weist BA-CA-Wertpapierbroker Wernfried Riedler hin: „Wenn sich die Wirtschaft abschwächt und die Europäische Zentralbank ihre Zinspolitik ändert, dann kann das bei diesen variabel verzinsten Anleihen zu Kursverlusten führen.“ Dann würden nämlich zahlreiche Anleger versuchen, ihre variabel verzinsten Wandelanleihen (deren Kupon ja auch bei sinkenden Zinsen angepasst wird) zu verkaufen und fix verzinste Anleihen zu kaufen, womit die Inhaber von Floatern auf ein möglicherweise recht schwankendes Glück vertrauen. Derzeit sieht Riedler diese Gefahr aber nicht.

Sowohl flotte junge Anleger als auch vorsichtige Sparer befinden sich derzeit in der komfortablen Lage, aus einem breiten Angebot sicherer und gewinnbringender Anlageformen wählen zu können.

VON FRANZ C. BAUER

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

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