Showbiz für Alphatiere

Die Sarkozys lassen den Rest der politischen Welt wie arme, liebe Verwandte aussehen. Angelika Hager über Glamour-Offensive und Charisma-Freiheit in der Politik.

Das Leben ist mehr Camilla als Carla. Und Camilla sieht im Vergleich zu der „wie eine Putzfrau aus, die alle Hoffnung hat fahren lassen“, so der „Guardian“ im First-Lady-Vergleich anlässlich der großen „Sarko-Show“ in Großbritannien. Gekrönt wurde Camillas Niederlage von einem Hut, der den Eindruck eines spontan herabgestürzten Fasans erweckte. Doch in Wahrheit hatten ohnehin alle nur Augen für das Pop-Luder, das bereits beim ersten Mittagsgong drei Dior-Outfits verbraucht und die Haare auf- und wieder abgesteckt hatte. Der französische Philosoph ­Michel Onfray wittert in der fahrenden Soap Opera der ­Alphatiere aus dem Elysée-Palast die „Abschaffung der Fünften Republik“, denn Sarkozy verenge seine Rolle auf die eines Monarchen. Die Inszenierung würde sich auf Hof-Niveau bewegen – Morgengaben in Form einer Patek Philippe 3940G (Stückpreis 45.680 Euro) vom weiblichen Don Juan Carla, gemeinsame malerische Sanddünenritte, „public display of affection“, wohin das Auge reicht. Wenn die geplante Öster­reich-Visite des „Duracell-Präsidenten“ – so soll Angela Merkel ihn wegen seiner Unermüdlichkeit genannt haben – auch tatsächlich stattfindet, können sich Margit und Heinz Fischer schon einmal warm anziehen. Denn angesichts dieser möglichen Glamour-Offensive werden sie bestenfalls wie liebe, aber ziemlich arme Verwandte rüberkommen. Aber für das „bling bling“, so das Pariser Kürzel für Sarkozys Turbo-Lifestyle, hat die österreichische Innen­politik generell wenig bis gar kein ­Talent. Seitdem Andrea Kdolsky von der ÖVP unter Enthemmungs-Arrest gestellt wurde, darf sie uns nicht einmal mit einer Csardas-Fürstinnen-Einlage erfreuen und muss ihren Schweinsbraten allein zu Hause essen. Das ist schade und saulangweilig. Denn abgesehen von Ursula Plassniks Converse-Exzentrik und Josef Buchingers Frisurenshow hat dieses Ministerkabinett in puncto Entertainment-Wert nichts zu bieten. Hätten Platter, Molterer, Pröll junior oder Darabos beispielsweise eine Bank ausgeraubt, und man müsste die Flüchtigen in einer Polizei-Stube beschreiben, würden einem mit hoher Sicherheit die Worte fehlen – wegen zu hoher Charisma-Freiheit der mutmaßlichen Täter. Italien hat wenigstens ein Fast-nackt-Modell als Familienministerin.

Fast denkt man wehmütig an die drolligen Reich-und-schön-Schwänke, mit denen uns der ehemalige Finanzminister mit seiner Kitzbüheler Marie Antoinette zu verwöhnen wusste. Dass man im Zusammenhang mit den zurzeit so wohltuend ausgeblendeten Grassers jemals einen Anflug von Sentimentalität erleidet – wer hätte das zu hoffen gewagt? Wobei das Bemühen um Attraktivität nicht schaden kann. Auch Angela Merkel lässt sich mittlerweile ihre Schweißflecken wegretuschieren und wird in naher Zukunft davon Abstand nehmen, „das Obst in die Auslage zu legen“, wie Wolfgang Joop diese Form der Offenherzigkeit umschrieb. Und Sarkozy drapiert seine Bodyguards so, dass die Fotografen seine erhöhten Absätze nicht vor die Linse kriegen. „Die Bestimmung des Politikers ist die Entzauberung und Enttäuschung“, so die intime Sarkozy-Kennerin und Schriftstellerin Yasmin Reza. Doch Show­einlagen à la Sarko können sie verzögern beziehungsweise von den unglamourösen Themen wie Arbeitslosigkeit und Steuerreform erfolgreich ablenken. Denn wer redet von der Mittelmeer-Union, wenn „First Carla“ für den Gangway-Catwalk Ballerinas von Dior wählte?

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