<small><i>Richard Branson</i></small>
Zehn Rezepte, um die Weltwirtschaft
wieder in Gang zu setzen

Die derzeitige Unsicherheit auf den globalen Aktienmärkten spiegelt die fragile Lage der Weltwirtschaft wider. Das Anlegervertrauen ist im Keller, die Schulden sind am Plafonds und die Steuern mancherorts auch auf dem Weg dorthin. Während Länder wie Brasilien, China und Indien boomen, muss irgendetwas getan werden, um die Konsumnachfrage auch weltweit wieder anzuregen. Mit einem Wort: Wir brauchen einen ordentlichen wirtschaftlichen Fußtritt. Das sind meine zehn Tipps, was dazu in den nächsten zwölf Monaten getan werden müsste – und vor allem, von wem:

1. Her mit dem Geld: Stellt sicher, dass die Banken nicht nur auf ihrem Geld sitzen, sondern es auch unter die Leute bringen, vor allem an innovative Klein- und Mittelunternehmen. Das ist die beste Methode, um Wachstum und Jobs zu generieren. Wer sollte das regeln? Natürlich die Politiker, die die Banken nicht deswegen gerettet haben, damit diese nun der Sanierung der Weltwirtschaft im Weg stehen.

2. Her mit Investoren: Ausländische Investitionen sind Dünger für schwächelnde Volkswirtschaften. Jedes betroffene Land muss seine Steuerbedingungen dahingehend überdenken. Dazu noch qualifizierte Mitarbeiter und ein stabiles politisches Umfeld, und die Großkonzerne werden kommen. Und mit ihnen Investitionen, Fabriken und Arbeitsplätze. Sagen Sie das Ihren Regierungschefs!

3. Stärken der Infrastruktur: Um der Krise 2008 zu begegnen, setzte Präsident Barack Obama auf viele kleine Infrastrukturprojekte. Amerika braucht jedoch die großen Inputs und andere Länder auf der Welt genauso: Straßen und Eisenbahnen, die Städte verbinden, bessere Flughäfen und Brücken. Das wirkt Wunder. Eine starke Infrastruktur ermöglicht Firmen effizienteste Standortpolitik – verstehen das die Politiker?

4. Nichts komplizierter machen, als es ist: Firmengründungen oder -erweiterungen sind fast überall unheimlich kompliziert, teuer und langwierig. Das zu vereinfachen wäre in Wirklichkeit ein Kinderspiel.

5. Schluss mit fossilen Energien: Die Kosten fossiler Treibstoffe und die Schwankungen am Gas- und Ölmarkt sind ein Instabilitätsfaktor in einer ohnehin schon instabilen Welt. In erneuerbare Energien zu investieren bringt auf lange Sicht eine Kostenersparnis und stellt die Energieversorgung der nächsten Generation sicher.

6. Her mit fremden Talenten: Fähige und motivierte Mitarbeiter sind überall gut zu gebrauchen. Dennoch verbauen oft endlose bürokratische Hürden diesen den Zugang zum weltweiten Arbeitsmarkt. Dabei steigt in der jetzigen Zeit die Mobilitätsbereitschaft der Menschen sogar. Haben die Unternehmen ihre Willkommensmatten schon ausgelegt?

7. Lernt wieder zu produzieren: Deutschland gilt in Europa nach wie vor als Konjunkturlokomotive, weil der produzierende Sektor samt Ingenieurs-Know-how so stark ist. Was hält andere Länder davon ab, sich eine Scheibe davon abzuschneiden? Amerikas Erfolg lag ebenfalls in seiner Innovationskraft, bis sich die neuen Silicon Valleys nach China, Indien und jetzt auch nach Brasilien verlagert haben.

8. Raus aus dem universitären Elfenbeinturm: In vielen Studienfächern – Medizin vielleicht ausgenommen – könnte die übliche Studiendauer gekürzt werden, um den Übertritt ins Berufsleben zu beschleunigen. Die qualitativen Einbußen dabei würden sich meist in Grenzen halten. Denn mittlerweile sind viele Universitäten eher zu Aufbewahrungsanstalten für Studenten geworden, anstatt diese aufs Arbeitsleben vorzubereiten.

9. Halbtagsjobs sind keine halbe Sache: Millionen von Arbeitnehmern auf der Welt würden gerne halbtags arbeiten, wenn sie nur könnten. Eine flächendeckende Flexibilisierung der Arbeitszeit und Jobsharing würden die Arbeitslosenraten dramatisch sinken lassen – und die damit verbundenen Kosten. Das wäre eine Win-win-Situation, der nichts entgegensteht – außer überkommene Traditionen.

10. Auf Stabilität setzen: Zuletzt die Empfehlung an die Politiker, auf die Wiederherstellung stabiler Wirtschaftsbedingungen zu achten. Die Zinsen müssen runter, und das Geld muss wieder fließen. Gängelt private Unternehmer weniger, ermuntert lieber zu Investitionen. Nur so kann ein neuer Kreislauf aus neuen Firmen, Jobs und Märkten das Vertrauen in unsere Marktwirtschaft wiederherstellen.

RichardBranson@nytimes.com
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Richard Branson

ist Gründer der Virgin-Gruppe mit Gesellschaften wie Virgin Atlantic, Virgin America, Virgin Mobile und Virgin Active. Er betreibt einen Blog unter www.virgin.com/richard-branson/blog. Sie können ihm auf Twitter folgen: twitter.com/richardbranson. Oder mehr über die Virgin Group erfahren: www.virgin.com. Fragen von Lesern werden in künftigen Kolumnen behandelt.

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