<small><i>Richard Branson</i></small>
Geld ist nicht alles

Bei der Auswahl eines Finanzpartners sollte man nicht nur an das benötigte Kapital denken. Der Geldgeber muss auch die Idee mittragen und unterstützen. Die trend-Kolumne von Richard Branson.

Bei der Gründung eines Unternehmens ist es oft schwer, finanzielle Unterstützung zu finden. Vielen, denen das nicht gelingt, geht bald das Geld aus. Ausreichend Startkapital aus zuverlässiger Quelle zu bekommen ist daher für den Erfolg essenziell. Wenn die Finanzierung aus eigener Tasche gelingt, ist das großartig. Wenn ein Partner die Mittel bereitstellt, dann kann das auch funktionieren. Ich wollte am Anfang meiner Karriere keine Finanzpartner beteiligen, um die Führung nicht aus der Hand zu geben. Es hat meine Freunde und mich aber viel Anstrengung gekostet, unsere Unternehmen nur mit dem Geld, das sie abwarfen, am Leben zu halten. Für unser Studentenmagazin mussten wir selbst Inserate keilen, und beim Start von Virgin Records haben wir selbst Flyer verteilt, um die Läden zu bewerben. Die Expansion war dadurch vielleicht ein wenig langsamer, als wir das gern gehabt hätten, dafür konnte ich meine Mitstreiter aber mit Anteilen am Unternehmen belohnen, und ich hatte die Freiheit, das Geschäft in jede beliebige Richtung zu steuern und Entscheidungen rasch zu treffen.

Unsere Anfangsjahre waren abenteuerlich. Beim Einstieg ins Musikgeschäft wurden die Partner aus ganz praktischen Gründen ausgewählt. Einer hatte die größte Musiksammlung, von der ich je gehört hatte, ein anderer konnte besser rechnen als ich, und ein dritter schien immer in der Lage zu sein, all meine Fragen beantworten zu können. Im Lauf der Jahre wurden die Unternehmen und die Partnerschaften diffiziler. Virgin hat sich seither mit verschiedensten Partnern – bis hin zu professionellen, multinationalen Investoren – zusammengetan. Die Finanzkraft der Mitstreiter ist dabei zwar wichtig, sagt aber nichts über die Qualität und die Haltbarkeit der Zusammenarbeit aus. Wenn Sie nach einer Kooperation suchen, sollten Sie daher nicht nur an das benötigte Geld denken. Stellen Sie sich die Frage, ob die Person oder die Gruppe, mit der Sie verhandeln, Ihnen auch die Zeit und den Freiraum gibt, Ihr Geschäft nach den eigenen Vorstellungen aufzubauen. Bei Virgin haben Partnerschaften am besten funktioniert, wenn wir einen Investor finden konnten, der uns Kapital und Unterstützung zur Verfügung gestellt, sich aber in das laufende Geschäft und in die Auswahl von Mitarbeitern, vor allem was Schlüsselpositionen betrifft, nicht eingemischt hat. Für unsere Handy-Sparte Virgin Mobile haben wir einige großartige Partner gefunden. Die Mobilfunkbetreiber, die mit der starken Marke Virgin neue Marktsegmente erschließen wollten, haben uns ihre Netze und in einigen Fällen auch etwas Kapital zur Verfügung gestellt. Wir haben das Know-how, das Branding und die Menschen eingebracht und damit das Geschäft zum Leben erweckt.

Dem Prinzip, dass es Zeit und Kapital braucht, um ein Geschäft aufzubauen, sind wir auch treu geblieben, wenn wir selbst der größere Partner waren, etwa bei den Gesundheitsclubs Virgin Active, die wir gemeinsam mit dem Gründungs-Managementteam Frank Read und Matthew Bucknall aufgebaut haben. In den vergangenen zwölf Jahren haben wir in sechs Länder expandiert, und heute ist Virgin Active eines der führenden Unternehmen in diesem Segment. Virgin hat die Marke und etwas Geld zur Verfügung gestellt. Das Managementteam hat mit seinem Wissen, seiner Leidenschaft und viel Engagement alles in Schwung gebracht. Als Unternehmer am Start benötigt man also inspirierte Mitstreiter, die auch die Freiheit haben, kreativ zu sein. So wie man als Unternehmer die Freiheit braucht, ein Unternehmen nach den eigenen Vorstellungen aufzubauen, brauchen auch die Mitarbeiter die Freiheit, ihre Arbeitsbereiche selbst zu gestalten. Wenn das möglich ist, steigen die Erfolgschancen eines Unternehmens enorm. Ob die Mitarbeiter diese Freiheit haben, hängt aber auch von den Financiers ab, die man als Unternehmer auswählt. Daran sollte man denken, wenn man einen Investor sucht. Geld ist nützlich, aber ein Partner, der einen selbst und das Team unterstützt und es ermöglicht, das Unternehmen nach eigenen Vorstellungen aufzubauen, ist ein wahrer Freund – und diese Freundschaft wird sich bewähren.

RichardBranson@nytimes.com


Richard Branson

ist Gründer der Virgin-Gruppe mit Gesellschaften wie Virgin Atlantic, Virgin America, Virgin Mobile und Virgin Active. Er betreibt einen Blog unter www.virgin.com/richard-branson/blog. Sie können ihm auf Twitter folgen: twitter.com/richardbranson. Oder mehr über die Virgin Group erfahren: www.virgin.com. Fragen von Lesern werden in künftigen Kolumnen behandelt.

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