<small><i>Richard Branson</i></small>
Es gibt keinen Planeten B

Raus aus der Ölabhängigkeit.

Mit dem Öl, das weiter aus dem Wrack der Deepwater Horizon in den Golf von Mexiko fließt, und den direkten Kosten für die Beseitigung der Folgen der schlimmsten Umweltkatastrophe in der Geschichte der Vereinigten Staaten ist es eindeutig Zeit geworden, neue Lösungen für unsere Energiebedürfnisse zu finden. Die Entscheidung, weiterhin am Öl festzuhalten, wurde immer als das kleinere Übel dargestellt. Aber das ist falsch. Die Fehlschläge beim Versuch, das Loch zu stopfen, haben gezeigt, dass die Ölindustrie die Grenzen ihrer Kompetenz erreicht hat. Die noch vorhandenen großen Reserven an Öl befinden sich an schwer zugänglichen Stellen, viele davon in politisch instabilen Ländern. Die Mitarbeiter der Petro-Gesellschaften kämpfen um Öl aus tiefen Ozeanen, aus dem Eis der Tundra und unter Bedrohung durch Terrorismus und Bürgerkrieg. Die Jahre des billigen, einfachen Öls sind vorbei.

Im Jahr 2008 haben Virgin, die nationale Busgesellschaft, Arup und eine Hand voll anderer britischer Unternehmen eine Industrie-Task-Force-Gruppe gegründet, um über Ölkrise und Energiesicherheit nachzudenken. Die weltweiten Ölvorkommen werden innerhalb des nächsten Jahrzehnts zur Neige gehen. Die steigende Nachfrage aus den Entwicklungsländern und die Wahrscheinlichkeit, dass Regierungen und Regulierungsbehörden den Ölförderunternehmen strengere Sicherheitsmaßnahmen verordnen werden, bedeuten, dass wir Alternativen zur Ölabhängigkeit finden müssen – und zwar rasch! Obwohl viele dagegen argumentieren, ist eine weltweite Umstellung auf alternative Kraftstoffe möglich. Ein von Virgin gegründetes Start-up-Unternehmen, Gevo, nutzt die Vergärung von Zuckerrohr, Getreide und Zuckerrüben zu Isobutanol, einem umweltschonenden Kraftstoff, der zum Betrieb bestehender Automodelle eingesetzt werden könnte, ohne dass irgendwelche Veränderungen notwendig sind. In Zukunft hoffen wir, mehr auf umweltfreundliche Biomasse umsteigen zu können. Gevo ist aber nur eines der vielen Startup- Unternehmen in diesem Bereich, die an jenen Technologien arbeiten, die eines Tages helfen werden, Öl zu ersetzen. Eines der größten Hindernisse für alternative Energieunternehmen ist das Ausmaß der erforderlichen Veränderung. Wenn wir Erfolg haben wollen, müssen die Regierungen auf der ganzen Welt Wege finden, den Aufbau einer neuen Infrastruktur zu unterstützen – vor allem die Anpassung der Raffinerieanlagen an pflanzliche Stoffe und die Schaffung kostengünstiger Distributionssysteme. Wir müssen die Akzeptanz durch die Kunden erhöhen, damit es funktioniert. Nur das kann dazu beitragen, dass die neuen Unternehmen ihre Umsätze steigern, Kosten senken können und so noch mehr Kunden davon überzeugen, diese neuen Kraftstoffe zu kaufen. Präsident Obama hat vor Kurzem die Amerikaner aufgefordert, ihn bei einer „nationalen Mission“ zu unterstützen, die heißt, alternative Energiequellen zu entwickeln und einzusetzen. Sein Anstoß, von schmutzigen auf saubere E nergiequellen umzustellen, wird über den American Recovery and Reinvestment Act mit mehr als 80 Billionen Dollar für saubere Energieinvestments unterstützt.

Letztes Jahr brachte Virgin Unite eine Gruppe von Unternehmern zusammen, bekannt als Carbon War Room, um an der Beschleunigung und Skalierung von Lösungen für eine CO2-arme Wirtschaft zu arbeiten. Auch Regierungen sollten Akteure aus der Industrie, Behörden, Finanzinstitute und NG Os zusammenbringen, um Know-how und Kapital zu bündeln, damit die Umstellung auf alternative Kraftstoffe und erneuerbare Energien verwirklicht werden kann. Das 20. Jahrhundert ist manchmal als das Zeitalter des leichten Öls bezeichnet worden, aber es ist Zeit, die Geschichte umzuschreiben: Leichtes Öl war nie leicht für den Planeten. Wir stehen heute vor der Herausforderung, echte Alternativen zu finden, das bedeutet, wir haben eine Chance, Industrien für die Zukunft zu entwickeln – echten, nachhaltigen Wohlstand zu schaffen. Wenn wir uns nicht alle auf diese Suche begeben, riskieren wir unser eigenes Überleben. Oder wie der ehemalige Präsident Costa Ricas, José Maria Figueres – mein geschätzter Kollege im Carbon War Room –, sagt: „Es gibt keinen Planeten B.“

RichardBranson@nytimes.com


Richard Branson

ist Gründer der Virgin-Gruppe mit Gesellschaften wie Virgin Atlantic, Virgin America, Virgin Mobile und Virgin Active. Er betreibt einen Blog unter www.
virgin.com/richard-branson/blog. Sie können ihm auf Twitter folgen: twitter.com/richardbranson. Oder mehr über die Virgin Group erfahren: www.virgin.com. Fragen von Lesern werden in künftigen Kolumnen behandelt.

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