<small><i>Richard Branson</i></small>
Der Weltraum: Die letzte grüne Grenze

Teure Tickets in den erdnahen Weltraum kommen auch der Forschung und damit der Erde zugute.

Ich werde immer wieder – zuletzt vom CEO von Quark Expeditions, Hans Lagerweij – gefragt, wie sich meine Pläne zur Entwicklung der kommerziellen Raumfahrt mit dem „grünen“ Gedanken und den Bemühungen zur Nachhaltigkeit vereinbaren lassen. Ich antworte meistens so: Man hört den Countdown bis zum Start … ein Moment der Stille … ein überwältigendes und fesselndes Geräusch, verbunden mit einer unvorstellbaren Beschleunigung auf 2500 Meilen pro Stunde in nur wenigen Sekunden. Die blaue Himmelsfarbe verändert sich in tiefes Schwarz … und dann … Stille … Schwerelosigkeit … und schließlich wird eine Aussicht geboten, die wohl jedem bekannt ist, jedoch noch nie in ihrer ganzen Erhabenheit mit den eigenen Augen wahrgenommen wurde … eine makellose blaue Sphäre, ohne Grenzen, und bloß ein winziges, zerbrechlich aussehendes Band der Atmosphäre ist erkennbar.

Dies hört sich nach einem fantastischen und lebendigen Traum an oder nach einer Szene aus einem Film, allerdings handelt es sich hierbei um eine Beschreibung eines Weltraumflugs aus dem Prospekt der Virgin Galactic. Diese Vision zog bereits mehr als 430 Leute in ihren Bann, die sich für die ersten wirtschaftlich orientierten Weltraumflüge, welche in den nächsten zwei Jahren stattfinden werden, angemeldet haben.

Seit vor mehr als 50 Jahren die ersten sowjetischen und amerikanischen Raumfahrer aufgebrochen sind, den Weltraum zu erkunden, waren erst 500 Leute im Weltall. Bereits im ersten Jahr plant Virgin Galactic, mehr als 500 Astronauten in den Kosmos zu befördern.

Die Ticketpreise wurden hoch angesetzt, dennoch handelt es sich hierbei nicht um Luxustrips oder exotische Abenteuer. Vielmehr arbeiten wir hart an unserer Expertise. Teile der Raumfahrtindustrie werden nunmehr ja auf private Unternehmen verlagert, da das NASA-Spaceshuttle-Programm eingestellt wurde. Betroffen davon ist unter anderem der Start von Satelliten, die aus unserer modernen Welt nicht mehr wegzudenken sind. Dabei sollten wir nicht länger auf alte und teure Transporttechnologien angewiesen sein. Die Industrie muss modernisiert und nachhaltig gemacht werden, nicht nur aus finanziellen Gründen, sondern auch um die Gesundheit des Planeten aufrechtzuerhalten.

Als Antwort auf diese Aufgabe entwickelten wir eine umweltbewusste Lösung in Mojave, Kalifornien. Eine, die weniger umweltschädigend und zugleich kosteneffektiver sein wird. Unser zweistufiger Startprozess, bei dem die Raketen nicht bis zum Erreichen der Stratosphäre eingesetzt werden, verbraucht weniger Energie als andere Startsysteme, welche noch auf Raketen zum Abheben von der Erde angewiesen sind.

Das Trägerflugzeug „WhiteKnightTwo“ fliegt wie ein Flugzeug und befördert den Weltraumgleiter auf eine Höhe von 50.000 Fuß. Es wurde aus einem leichten Kohlenstofffaserverbundwerkstoff designt und wird von vier Pratt-&-Whitney-Canada-PW-308A-Triebwerken unterstützt. Gleichzeitig lernen wir mehr über die Anwendung dieser Technologien. Wir sind sozusagen Pioniere auf diesem Gebiet, da wir und auch andere Unternehmen dieses Wissen in anderen Bereichen der Weltraum- und Flugzeugindustrie anwenden können.

Beim zweiten Schritt des Starts von „SpaceShipTwo“ trennt sich dieses ab einer gewissen Flughöhe vom Trägerflugzeug. Dann ist die Luft viel dünner, und der Weltraumgleiter verbraucht weniger Energie, um den Weltraum zu erreichen. Der hybride Motor der Rakete ist effizienter und flexibler als vorherige Modelle. Der Treibstoff besteht aus einem festen Gummigemisch und Oxidationsmittel (flüssige Salpetersäure). Diese Kombination treibt das effiziente Triebwerk der Rakete an. Die Raketen können daher leichter kontrolliert und zurückgefahren werden als Feststoffraketen aus dem 20. Jahrhundert.

Eine nachhaltige Zukunft beinhaltet Weltraumreisen und Weltraumindustrie, und deswegen ist es notwendig zu versuchen, energieeffizientere Technologien zu entwickeln, um so wenig Emissionen wie möglich zu produzieren. Für die Gesundheit unseres Planeten sollten wir nicht nur an den Flug ins Weltall denken, sondern zugleich auch an die Weiterentwicklung von Umwelttechniken.

RichardBranson@nytimes.com
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Richard Branson

ist Gründer der Virgin-Gruppe mit Gesellschaften wie Virgin Atlantic, Virgin America, Virgin Mobile und Virgin Active. Er betreibt einen Blog unter www.virgin.com/richard-branson/blog. Sie können ihm auf Twitter folgen: twitter.com/richardbranson. Oder mehr über die Virgin Group erfahren: www.virgin.com. Fragen von Lesern werden in künftigen Kolumnen behandelt.

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