<small><i>Richard Branson</i></small>
Das Weltall – unendliche Weiten

Durch das Vorantreiben eines leistbaren Weltraumtourismus bekommen auch andere Bereiche der Raumfahrt wichtige neue Impulse. Die trend-Kolumne von Richard Branson.

Der schreckliche Unfall des Spaceshuttle Challenger im Jahr 1986 hat unseren Traum von Weltraumflügen für Menschen ohne Astronauten-Spezialausbildung lange Zeit unmöglich erscheinen lassen. Dabei hatten viele aus meiner in den sechziger Jahren aufgewachsenen Generation gedacht, dass die Mondlandungen der Beginn einer neuen Ära der Weltraumreisen wären. So wie die ersten Transatlantikflüge von John Alcock, Arthur Whitten Brown und Charles Lindbergh den Beginn der zivilen Luftfahrt markiert hatten.

Nun endlich kommt wieder Bewegung in die Sache. Virgin Galactic und eine kleine Gruppe privat finanzierter Unternehmen sind kurz davor, in ein neues Weltraumzeitalter zu starten. Gemeinsam mit unserem Forschungspartner Scaled Composites entwickeln wir ein energieeffizientes System, das Raumschiffe um einen Bruchteil der heutigen Kosten in den Weltraum bringen kann. Wir starten unser Shuttle nicht vom Boden, sondern von der Atmosphäre aus. So können die Beeinträchtigungen der Umwelt auf ein Minimum reduziert und Reisen in das All buchstäblich all-täglich werden.
Die meisten Industriebereiche haben sich in den vergangenen vierzig Jahren enorm verändert. Bei Weltraumreisen ist ein ähnlich radikaler Schritt längst überfällig. Ein Shuttle-Start kostet rund eine Milliarde Dollar, einen 200-Kilo-Satelliten in die Umlaufbahn zu bringen mindestens 30 Millionen Dollar. Diese Kosten schränken unsere Möglichkeiten, den Weltraum industriell zu nutzen, ein.

Doch die Weiterentwicklung der Technologien und die weitere Erforschung des Weltraums werden über die nächs­ten hundert Jahre ein Schlüssel für das Überleben der Menschheit sein. Daten von Satelliten, die Wetterveränderungen beobachten, werden uns helfen, die Probleme der Überbevölkerung und des Klimawandels wie Nahrungsmittelknappheiten in den Griff zu bekommen. Ein Frühwarnsys­tem für Landwirte der betroffenen Regionen könnte Ernteausfälle reduzieren.

Leider wurde der Fortschritt in diese Richtung durch das Festhalten an teuren, nicht wiederverwendbaren Raketensystemen, die vor einem halben Jahrhundert entwickelt wurden, aufgehalten. Gerade dafür ist der Weltraumtourismus von Bedeutung. In den Anfangstagen wird er ein Anstoß dazu sein, dass Unternehmen neue Lösungen entwickeln, wie wir das gerade tun. Lösungen, die die Sicherheit einer Reise ins Weltall erhöhen und die Kosten und die Umweltbelastung reduzieren. Unsere 380 Kunden haben bereits Anzahlungen von über 50 Millionen Dollar geleistet – ein wichtiger Beitrag zu den 450 Millionen Dollar Entwicklungskosten für das ­Virgin-Galactic-System und seine Raumschiffe.

Unsere Astronauten kommen aus verschiedensten Gesellschaftsschichten. Unter ihnen sind Künstler, Wissenschafter, Unternehmer und Finanziers. Sie alle haben den Traum, unseren Planeten vom Weltall aus zu sehen und die Schwerelosigkeit am eigenen Körper zu erleben. Gleichzeitig tragen sie dazu bei, neue Wege im Weltraumtourismus zu erschließen.

Das ist kein leichtes Unterfangen. Um unsere Bemühungen zu unterstützen, hat die Regierung unter George W. Bush im Jahr 2004 den gesetzlichen Rahmen der Sicherheitsbestimmungen kommerzieller Anbieter von Weltraumflügen festgelegt. Andere Regierungen werden diesem Schritt folgen.

Scaled Composites ist nicht das einzige Unternehmen, das Startsysteme für Raumschiffe entwickelt. Elon Musk, Chef von SpaceX, entwickelt eine neue Rakete, die die Wirtschaftlichkeit der Flüge zur internationalen Weltraumstation revolutioniert. Boeing hat mit dem Partner Space Adventures ähnliche Pläne verlautbart. Kommerzielle Weltraumflüge sollen dazu beitragen, das Unternehmen zu finanzieren. Weitere Konzerne könnten in den Markt eintreten, etwa um Industriebetriebe ins Weltall zu verlagern und so die Umwelt zu entlasten.

Das ist nicht bloß Science Fiction oder etwas, das vielleicht in ferner Zukunft möglich sein wird. Weltraumflüge werden uns helfen, einige der größten Probleme der Menschheit zu lösen, und uns dank der uns angeborenen Neugierde dazu inspirieren, nach den Sternen zu greifen – und das hoffentlich im wahrsten Sinn des Wortes.

RichardBranson@nytimes.com


Richard Branson

ist Gründer der Virgin-Gruppe mit Gesellschaften wie Virgin Atlantic, Virgin America, Virgin Mobile und Virgin Active. Er betreibt einen Blog unter www.virgin.com/richard-branson/blog. Sie können ihm auf Twitter folgen: twitter.com/richardbranson. Oder mehr über die Virgin Group erfahren: www.virgin.com. Fragen von Lesern werden in künftigen Kolumnen behandelt.

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