<small><i>Richard Branson</i></small>
Biotreibstoffe werden zur Überlebensfrage der Luftfahrt

Die Luftfahrt sieht sich einer spannenden Herausforderung gegenüber. Sie muss ihr Geschäft demnächst auf eine Weise erledigen, die grundsätzlich weniger, dafür aber erneuerbare Energie braucht und gleichzeitig möglichst wenig Schadstoffe ausstößt.

Dazu braucht es vor allem ökologisch nachhaltige Flugtreibstoffe. Wenn Konsumenten einen Ersatz für ihren Pkw suchen, können sie sich bereits zwischen Hybrid-, Elektroautos oder öffentlichen Verkehrsmitteln entscheiden. Die Luftfahrt hat da keine Alternativen anzubieten. Egal, wo Sie über die Gangway gehen, Ihr Flieger wird überall mit fossilem Kerosin betankt sein.

Das kann nicht so bleiben. Nicht nur weil die europäischen Fluglinien nächstes Jahr in das europäische Emissionshandelssystem einbezogen werden, was die Kosten empfindlich erhöhen wird. Im Kampf um niedrigere Treibhausgasemissionen der Luftfahrtbranche ist die Nutzung erneuerbarer Energieformen ein globales Ziel. Dabei müssen wir allerdings einen Weg finden, um neben dem CO2-Ausstoß gleichzeitig auch die Ticketpreise zu senken – und das auch noch bald.

Den meisten in der Branche ist jedenfalls bewusst, dass Flugzeuge grundsätzlich auch mit Biosprit nicht vom Himmel fallen. Schon im Februar 2008 etwa absolvierte einer unserer Virgin-Atlantic-Flieger einen Testflug von London nach Amsterdam und benützte dabei Kerosin, dem zu 20 Prozent Biosprit aus Palm- und Kokosöl beigemischt war. Andere Fluglinien, von Air New Zealand bis zur KLM, haben ähnliche Tests laufen.

Die Herausforderung ist nun, die Produktionsmenge von Biosprit zu steigern. Und die Kollegen dazu zu bewegen, diesen auch zu nutzen. Derartig turbulente Innovationen bewältigt man nicht mit Hauruck-Aktionen. Wir haben uns schon vor fünf Jahren zu grünen Zielen bekannt, in der Überzeugung, dass dabei sowohl ökonomische Vorteile für uns zu holen sind als auch ökologische für den Planeten. Wir hielten seither Kontakt mit den innovativsten Start-ups auf diesem Gebiet und beschäftigten uns mit den neuesten Entwicklungen. Virgin Atlantic setzte sich damals das Ziel, bis zum Jahr 2020 30 Prozent der CO2-Emissionen je Passagierkilometer einzusparen.

In den vergangenen fünf Jahren investierten meine Fluglinie, unser Öko-Fonds und ich persönlich in eine Unzahl solcher Initiativen: in Ethanol-Fabriken in den USA oder in Pioniere der Biospriterzeugung wie Gevoi oder Solazyme. Die Entwicklung ist ein langer, komplizierter Prozess, bei dem die eine oder andere Hürde überwunden werden muss. So zum Beispiel lässt sich nicht aus jeder Biomasse auch ein High-Performance-Treibstoff machen. Und wenn, ist er vielleicht nicht nachhaltig nutzbar. Wenn doch, verweigern die Behörden eventuell die Freigabe für Flugzeugmotoren.

Aber Rückschläge sind dazu da, überwunden zu werden. Das Produkt, das wir nun mit dem neuseeländischen Unternehmen Lanza Tech entwickelt haben, könnte den Carbon Footprint von Virgin Atlantic schlicht halbieren. Wir haben uns dabei mit einer Technologie beschäftigt, die große Teile industrieller Verbrennungsrückstände in Flugtreibstoffe recyceln kann, inklusive CO2, das sonst in die Atmosphäre gelangen würde.

Wir könnten dabei etwa die Abgase aus nahezu zwei Dritteln der weltweiten Stahlindustrie in Flugtreibstoffe umwandeln. Eine andere viel versprechende Idee kommt aus Australien. Ein Joint Venture von Virgin Australia, Dynamotive Energy Systems und Renewable Oil entwickelt eine Technologie der Vergärung von Eukalyptusrinde zu Biosprit. Die Pflanze wird dort weithin zur Regulierung des Salzgehalts von Ackerland gepflanzt und kann nachhaltig geerntet werden.

Jahrelang haben Leute an der Praktikabilität nicht fossiler Treibstoffe in der Luftfahrt gezweifelt. Es wäre großartig, diese eines Besseren belehren zu können. Wir hoffen letztlich, dass andere Airlines unserem Beispiel folgen werden, um den Carbon Footprint unserer Branche radikal zu reduzieren. Bei Virgin haben schon die ersten kleinen Schritte, die wir gemeinsam mit anderen kreativen und willigen Unternehmen setzen konnten, zu Innovationen geführt, die die ganze Luftfahrt umwälzen können. Das heißt, wer immer die Zukunft mitgestalten will, muss genau jetzt damit beginnen.

RichardBranson@nytimes.com
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Richard Branson

ist Gründer der Virgin-Gruppe mit Gesellschaften wie Virgin Atlantic, Virgin America, Virgin Mobile und Virgin Active. Er betreibt einen Blog unter www.virgin.com/richard-branson/blog. Sie können ihm auf Twitter folgen: twitter.com/richardbranson. Oder mehr über die Virgin Group erfahren: www.virgin.com. Fragen von Lesern werden in künftigen Kolumnen behandelt.

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