<small><i>Richard Branson</i></small>
Alles super?

Um wirklich zu wissen, wie es um das eigene Unternehmen steht, müssen sich Manager aktiv um ein ehrliches Feedback ihrer Mitarbeiter bemühen und Ideen und Anregungen belohnen. Die trend-Kolumne von Richard Branson.

Wenn ein Unternehmen erfolgreich ist und wächst, beginnt man als Unternehmer oder CEO früher oder später den Draht zu den Mitarbeitern und Kunden zu verlieren. Einer der Gründe dafür ist, dass die Mitarbeiter schlechte Nachrichten gegenüber dem CEO gerne her­unterspielen und stattdessen nur die positiven Entwicklungen im Unternehmen hervorkehren. Ihre Sorge, dass sie einen leitenden Manager verärgern könnten, wenn sie Schwierigkeiten ansprechen, kann aber dazu führen, dass manche Probleme, bei denen unmittelbarer Handlungsbedarf besteht, nicht angegangen werden. Die Mitarbeiter müssen sich weiter damit her­umschlagen und maulen über das schlechte Management.

Als Führungskraft muss man daher zwischen den Zeilen lesen können. Wenn Sie bemerken, dass Sie den Draht zu Ihren Mitarbeitern verlieren, ist es ratsam, dass Sie sich ein wenig Zeit nehmen und die tägliche Arbeit der Kollegen beobachten. Setzen Sie sich auch einmal an einen Schreibtisch, helfen Sie aus, wo es nötig ist, oder nehmen Sie bei einem Besuch im Cus­tomer Service auch ein paar Anrufe selbst entgegen.

Während Sie das tun, sollten Sie sich Fragen stellen. Wie sind die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter? Sind die Leute hier kreativ und voll Energie? Fragen Sie auch direkt nach. Etwa: „Haben Sie alles, um die Arbeit gut erledigen zu können?“ Oder: „Wenn Sie hier etwas ändern könnten, was wäre das?“ Und: „Welche Ihrer Verbesserungsvorschläge wurden schon umgesetzt?“

In fast allen Unternehmen ist es nötig, dass sich Vorgesetzte, von Teamleitern bis zum Top-Management, regelmäßig hinsetzen und selbst Hand anlegen. Man signalisiert der Belegschaft damit, dass man immer ein offenes Ohr für ihre Ideen und Probleme hat. Je größer das Unternehmen ist, des­to wichtiger ist das. Wenn sich Ihr Draht zu den Mitarbeitern verschlechtert, dann trifft das wahrscheinlich auch auf die Kunden zu. Die meisten Manager erheben die Kundenzufriedenheit mit Umfragen oder anderen traditionellen Methoden. Ich nutze dafür Social-Media-Plattformen wie Facebook, Twitter oder YouTube. Damit werden die Kunden direkt informiert und können ihr Feedback geben.

Auch zu dieser Kolumne kommt viel wertvolles Feedback. Zu meiner Überraschung hat sich herausgestellt, dass meine Ratschläge und meine Erfahrungen nicht nur ehrgeizige Unternehmer interessieren. Mit den Hunderten Mails, die ich Woche für Woche als Reaktion erhalte, kommen Fragen, neue Ideen und sowohl positive als auch negative Kommentare von Kunden. Das sind wertvolle, direkte Rückmeldungen.

Im Dezember musste zum Beispiel ein Virgin-Atlantic-Flug von London nach Kenia wegen einer Schlechtwetterfront in Frankreich zwischenlanden. Wegen der strengen europäischen Einreisebestimmungen durften viele der kenianischen Passagiere den Flughafen nicht verlassen und mussten die Nacht auf Feldbetten am Flughafen verbringen. Die unfreundliche Behandlung hat viele Passagiere vergrämt, und Leser dieser Kolumne haben mir in der Folge erzürnte E-Mails geschickt. Ich habe daraufhin eine Entschuldigung in der kenianischen Zeitung „The Nation“ veröffentlicht und versprochen, mit den französischen Behörden eine Lösung zu finden, damit sich das nicht wiederholt. Die Mails, die ich danach erhielt, zeigten mir, wie positiv sich meine Intervention ausgewirkt hat.

Der Vorfall unterstreicht für mich, dass man als CEO jede Gelegenheit nützen muss, um mit den Mitarbeitern und den Kunden in Kontakt zu bleiben. Man weiß nie, was man daraus lernen wird. Gewiss wird man dabei nicht nur freundliche Worte und gute Nachrichten hören. Aber wenn man als Manager ein offenes Ohr für die Anliegen der Mitarbeiter hat und ihnen zeigt, dass Veränderungen möglich sind und ihr persönlicher Einsatz geschätzt wird, kann man nur gewinnen.

Virgin gibt seinen Mitarbeitern die Gelegenheit, Ideen im Intranet und in Mitarbeiter-Newslettern zu veröffentlichen. Diese Anregungen bleiben nicht ungehört und werden jährlich ausgezeichnet. Man muss den Leuten zeigen, dass ihre Arbeit und ihre Ideen geschätzt werden. Der Lohn dafür ist, dass die Mitarbeiter von Anfang an viel treuer zu ihrem Unternehmen stehen.

RichardBranson@nytimes.com


Richard Branson

ist Gründer der Virgin-Gruppe mit Gesellschaften wie Virgin Atlantic, Virgin America, Virgin Mobile und Virgin Active. Er betreibt einen Blog unter www.virgin.com/richard-branson/blog. Sie können ihm auf Twitter folgen: twitter.com/richardbranson. Oder mehr über die Virgin Group erfahren: www.virgin.com. Fragen von Lesern werden in künftigen Kolumnen behandelt.

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

trend

Avaaz – Politik und Konzerne im Visier

 

trend

Berufsunfähigkeitsversicherungen – Prämienübersicht und Vergleich

Die Reichsten aller Kontinente

trend

Die Reichsten aller Kontinente