Rekord mit Fragezeichen:
Nie war Gold teurer als jetzt

Es gibt Unternehmen, für die findet die Krise einfach nicht statt. Umsatzrückgang? Unbekannt. Preiskampf? Keine Rede davon. Im Gegenteil – es wird vielleicht sogar ein Rekordjahr.

Von Franz C. Bauer

Exakt 721.249 Ein-Unzen-Goldphilharmoniker verkaufte die Münze Österreich in den ersten drei Quartalen – gegenüber dem gleichen Zeitraum 2008 bedeutet dies rund eine Verdreifachung des Absatzes. „Wir liegen nur noch knapp hinter den Gesamtvorjahreszahlen“, freut sich Kerry Tattersall, Marketingchef der heimischen Münzprägestätte.

Doch seit einigen Tagen werden die Goldkäufer zusehends nachdenklicher. Anfang Oktober klopfte der Goldunzenpreis – wie schon im März 2008 und im Jänner 2009 – an der 1000-Dollar- Marke an, im Gegensatz zu früher glückte diesmal aber der Sprung über die psychologisch wichtige Hürde. Doch die Luft wird dünner. Anleger fürchten, dass die Goldhausse an Schwung verlieren könnte. Kann Gold auch bei Notierungen über 1000 Dollar je Unze ein lohnendes Investment sein?

„Auf jeden Fall“ sieht Alfred Grusch, Manager des Pioneer-Gold- Stock-Fonds, noch ausreichend Raum für weitere Gewinne. Vor allem ein Argument spricht aus seiner Sicht für Goldinvestments. „Die Anleger rechnen derzeit offenbar mit einem raschen Einsetzen der Inflation. Und Gold ist ein klassischer Inflationsschutz.“ Abgesehen davon, hat Gold zwar auf Dollarbasis seinen historischen Höchststand erreicht, doch parallel zum Goldpreisanstieg verfiel der Wert des Dollars. Daher kostet die Unze Gold in Euro gerechnet derzeit deutlich weniger als im Februar dieses Jahres. Bis zur Euro-Rekordmarke besteht noch ausreichend Platz für weitere Preissteigerungen.

Doch auch andere Faktoren begünstigen längerfristig steigende Goldpreise. Etwa die Verschiebung des Schwergewichts sowohl auf Produzenten- als auch auf Käuferseite. Zum Goldförderland Nummer eins ist nämlich China aufgerückt. Das Reich der Mitte trägt rund elf Prozent zur weltweiten Jahresproduktion von rund 2300 Tonnen bei – knapp mehr als Südafrika, die USA und Australien. Jedes dieser vier Länder fördert mehr als zehn Prozent der Weltgoldproduktion, doch nur drei davon (die USA, Australien und Südafrika) exportieren in nennenswertem Ausmaß. China hingegen verkauft kaum Gold – im Gegenteil. Als der Internationale Währungsfonds Ende September verkündete, Gold im Gegenwert von neun Milliarden Euro auf den Markt werfen zu wollen, signalisierte die Pekinger Zentralbank, zumindest an einem Teil des 403,3 Tonnen schweren Schatzes interessiert zu sein.

Immer teurer wird es aber, Gold zu fördern. Auf 700 bis 800 Dollar pro Unze schätzt Grusch derzeit die durchschnittlichen Produktionskosten bei neu erschlossenen Vorkommen – Tendenz weiter steigend. Leicht auszubeutende Goldlager an der Oberfläche sind weitgehend erschöpft. Um das begehrte Edelmetall zu fördern, müssen die Minengesellschaften immer tiefer bohren und immer geringere Goldkonzentrationen im Gestein – teils nur ein Gramm je Tonne – verarbeiten. Schließlich sorgt eine relativ neue Anlageklasse dafür, dass auch Menschen, die bisher kaum an Goldinvestments gedacht haben, einsteigen können.

- Börsengehandelte Goldzertifikate (so genannte Exchange Traded Funds – ETF) ermöglichen direkte Goldinvestments, ohne dass die Investoren über Lagerung, Diebstahlgefahr oder die Kosten für den Banksafe nachdenken müssen, denn die Papiere liegen im Depot. Die Notierung eines ETF wird ausschließlich durch die jeweils aktuelle Goldnotierung bestimmt.

- Wer Gold als echte „Krisenwährung“ einsetzen möchte, wird allerdings mit ETFs wenig anfangen. Hier kommt nur „echtes“, so genanntes physisches Gold infrage – also Goldbarren oder Münzen, die bei allen Banken erhältlich sind. In Österreich ist das der Philharmoniker. „Wir registrieren eine gesteigerte Nachfrage nach Barren“, bestätigt Münze-Marketingmann Tattersall, dass sich selbst die wohlhabende Klientel dem Reiz des puren Goldes nicht entziehen kann. Hier gilt die Regel: je größer das Gewicht einer Einheit, umso geringer die Spesenbelastung durch Prägekosten und Handelsspanne.

- Die höchsten Gewinnchancen bieten Goldaktien oder -fonds, die aber auch ein entsprechendes Verlustrisiko darstellen. Barrick Gold und Newmont Mining als Nummer eins und zwei der Welt, Newcrest Mining als australischer Marktführer und Sino Gold als aufstrebendes chinesisches Unternehmen sind hier die prominentesten Titel. Besser geeignet für „Normalverbraucher“ sind allerdings Goldaktienfonds, die ihr Branchen-Know-how nutzen, um die Risiken möglichst breit zu streuen. Neben dem Pioneer Gold Stock sind das unter anderem der BlackRock World Gold, der BGF World Gold (ISIN: LU0055631609) und der DJE Gold & Ressourcen (ISIN: LU0159550077).

Einer Einbahnstraße folgt der Goldpreis allerdings nicht – nach den bisherigen Kursgewinnen rechnen Marktbeobachter mit einem Rückschlag, der bis 950 Dollar führen könnte. Auch weitere Kursverluste des Dollars könnten die Performance ins Minus drücken. An der Langfristperspektive ändert das freilich wenig. Clemens Klein, Manager des ESPA Stock Commodity – eines Fonds, der weltweit in Rohstoffe investiert –, plant eine Aufstockung des Goldanteils von fünf auf bis zu acht Prozent. „Das höhere Niveau des Goldpreises ist für mich kein Grund, die Position zu reduzieren – im Gegenteil.“ Technisch gesehen sei der Aufwärtstrend jedenfalls intakt.

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