<small><i>Reginald Benisch</i></small>
Wiederaufbau

Hätte sich George Soros stets der vorherrschenden Meinung auf den Finanzmärkten angeschlossen, wäre er heute niemandem ein Begriff. Dass der 79-jährige Multimilliardär, Spekulant, Financier und – mittlerweile – engagierte Philanthrop immer wieder Schlagzeilen machte, lag daran, dass er als überzeugter Contrarian gerne aneckte und damit zumeist höchst erfolgreich unterwegs war. Eine Hypothese, auf deren Basis er investierte, musste sich von der Meinung des Mainstreams unterscheiden: „Je größer der Unterschied, desto größer der potenzielle Gewinn.“

Die Frage ist, wie man mit einem solchen Contrarian-Konzept in Zeiten einer schweren globalen Finanzkrise Geld macht. Ich fürchte, dass sich derzeit wenig damit anfangen lässt. Was ist denn heute die vorherrschende Meinung an den Finanzmärkten? Im Grunde dominiert weiterhin die totale Orientierungslosigkeit. Und das ist auch verständlich. Schließlich war die Realwirtschaft ja bis zum Herbst 2008 ziemlich gut unterwegs gewesen. Ein Konjunktureinbruch war nicht in Sicht, dementsprechend schienen die Kurse an den Aktienbörsen auch kaum überteuert.

Doch dann brach auf einmal die Finanzkrise aus, vergleichbar mit einem tückischen Vulkan, der die unvorbereiteten Menschen plötzlich mit Lava, Asche und Gesteinsbrocken attackiert. Wobei sich die Überlebenden durchaus erinnern, dass es im Inneren des Berges seit vielen Jahren immer wieder einmal rumort hatte. Aber nach ständigen Fehlalarmen nimmt man eben Warnungen nicht mehr ernst.

Kalifornien und das Erdbeben
Ganz Kalifornien weiß, dass ein katastrophales Erdbeben bevorsteht – vielleicht schon nächste Woche, vielleicht aber erst in ein paar hundert Jahren. Die Kalifornier haben gelernt, damit zu leben – und sie lassen sich die gute Laune nicht verderben. Nicht anders die Finanzbranche, die seit Jahren Warnungen empfing, sie aber nie wirklich ernst genommen hat: etwa dass die wachsenden Leistungsbilanzdefizite Amerikas genauso untragbar wären wie die schleichende, unkontrollierte Geldvermehrung und die galoppierende Verschuldung. Doch je öfter die Warnungen wiederholt wurden, desto rascher verblasste ihre Wirkung, weil jedermann sehen konnte, dass alles tadellos weiterlief wie bisher. Auch wenn die Pessimisten im Grunde Recht hatten – mit dem Zeitpunkt hatten sie sich, ähnlich wie viele Vulkanologen, ziemlich vertan. Wer ihren Anlageempfehlungen Mitte der neunziger Jahre gefolgt war, hatte dank vergebener Chancen mehr versäumt, als er durch den jetzigen Super-Crash verloren hätte.

Unser trendinvest-Aktienportfolio, das wir im Herbst 2004 angelegt hatten, liegt heute mit einem Wertzuwachs von 75 Prozent deutlich im Plus – obwohl wir im vergangenen Herbst erst mit Verspätung auf den Kursverfall reagierten. Umgerechnet auf Jahresbasis, ergibt das eine jährliche Verzinsung von 13,2 Prozent. Und das kann sich ja durchaus sehen lassen. Allerdings sind derzeit drei Viertel des Portfolio-Vermögens
in Cash geparkt. Wir meinen: Überraschende Ausnahmesituationen erlauben starke Reaktionen – vor allem in Richtung Sicherheit.

Gleichzeitig haben wir uns damit Liquidität beschafft, die wir in den nächsten Aufschwung hinein investieren können. Und da wir davon ausgehen, dass das Bankensystem reformiert und der Konjunktureinbruch gestoppt wird, wird es nicht allzu lange dauern, bis man mit Aktien wieder vom Spannungsfeld zwischen Mainstream und Contrarians profitieren kann.

benisch.reginald@trend.at

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

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