<small><i>Reginald Benisch</small></i>
Harte Landung

Flugzeuge geraten bisweilen in arge Luftwirbel: Die Maschine wird plötzlich in die Höhe gerissen, sackt im nächsten Moment wieder ab, Rotwein und Kaffee verteilen sich über Klapptische und Kleidung, und die Passagiere umklammern erschrocken die Lehnen zwischen den Sitzen. Im Fachjargon der Flieger handelt es sich dabei freilich noch lange nicht um eine schwere Turbulenz. Davon sprechen die Profis erst dann, wenn Verletzungen auftreten und die Inneneinrichtung Schaden nimmt. Dann wird die Maschine aus dem Verkehr gezogen, um zu überprüfen, ob sie sich strukturell verzogen hat. Aber so etwas tritt Gott sei Dank sehr selten auf.

Die Weltwirtschaft wurde heuer von einem solchen Jahrhundertereignis heimgesucht. Als Erstes hat es die Geldanleger erwischt. Hoffentlich bleiben wenigstens die Strukturen der Realwirtschaft einigermaßen intakt.

Ich weiß, es fällt nicht leicht, sich gegen die momentane Flut der schlechten Nachrichten zu stemmen und die Ratlosigkeit zu überwinden. Ich möchte es hier trotzdem versuchen. Schließlich kann man ja davon ausgehen, dass früher oder später wieder normale Verhältnisse einkehren. Das sollte man als Investor nicht aus den Augen verlieren. In einem ersten Schritt geht es zweifelsohne darum, das zerzauste Portfolio – spät, aber doch – in Ordnung zu bringen. Cash ist derzeit King, oder: Nur Bares ist Wahres, wie es so schön heißt. Aber das ist wohl nur eine kurzfristige Lösung. In einem zweiten Schritt sollte man sich bereits heute Gedanken über eine etwas fantasievollere Strategie für 2009 machen – selbst wenn die Konjunktur vielleicht erst wieder 2010 an Fahrt gewinnt.

Nicht zu lange warten
Zur Erinnerung: Eine Rückkehr zur Normalität bedeutet, dass man mit Investitionsentscheidungen nicht warten darf, bis alle Menschen überzeugt sind, dass der Aufschwung bereits begonnen hat. So wie uns die Börsen, wie wir heute wissen, spätestens Ende des Sommers eine schwere Krise signalisierten, werden die Aktienmärkte auch den nächsten Zyklus antizipieren – still und leise und von den meisten unbemerkt. Leider wurde der Beginn der nächsten Hausse noch nie über Lautsprecher angesagt. Deshalb versäumen die meisten Anleger einen Gutteil der möglichen Performance und springen erst auf den fahrenden Zug auf, wenn er bereits ein gutes Stück der Strecke zurückgelegt hat.

Will man die Abfahrt nicht versäumen, sollte man die Börse nicht aus den Augen verlieren. Am besten bleibt man zumindest mit einem kleinen Betrag investiert – am besten natürlich in Aktien von Unternehmen, die wirklich gesund dastehen und die Krise ohne schwere Blessuren überleben.

Aktien als beste Form der Geldanlage
Ob Aktien zurzeit wirklich so billig sind, wie manche glauben, ist eher zu bezweifeln. Das hängt davon ab, ob wirklich schon alles Negative in den Kursen eskomptiert ist (was niemand weiß). Aber ich bin überzeugt, dass die derzeitigen Kurse im Rückblick ziemlich günstig aussehen werden, sobald die Krise überwunden ist. Und ich bin nach wie vor der Meinung, dass Aktien von solide finanzierten Unternehmen mit starker Marktposition und gesunden Margen auf längere Sicht noch immer die beste Form der Geldanlage sind.

Nach diesen Gesichtspunkten hat trendinvest Ende September 2004 begonnen, ein fiktives Aktienportfolio aufzubauen. Und das Ergebnis kann sich trotz schwerer Blessuren im heurigen Herbst noch immer sehen lassen. Der Wert dieses Portfolios, das sich großteils aus konservativen Value-Titeln zusammensetzt, hatte sich bis Oktober 2007 verdreifacht. Zugegeben: Wir haben leider zu spät erkannt, dass wir es mit einem Jahrhundert-Crash zu tun haben, und erst im heurigen Frühherbst begonnen, massiv in Cash umzuschichten. Trotzdem haben wir mit einem Plus von 78 Prozent (per 2. Dezember) und einer durchschnittlichen Jahresrendite von 15 Prozent die Performance der meisten Fondsmanager geschlagen. Über 70 Prozent des Portfoliowerts sind derzeit krisensicher in Cash geparkt. Kein Zweifel: Wir haben mit unserem Portfolio eine harte Landung hingelegt – aber die Strukturen unseres Fliegers sind intakt geblieben. Und er ist bereits aufgetankt für den nächsten Start.

benisch.reginald@trend.at

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