<small><i>Reginald Benisch:</i></small>
Belohnen statt bestrafen

Alles dreht sich derzeit darum, wie man die Banken am besten an die Kandare nehmen kann. Doch die Konjunktur wird das kaum in Fahrt bringen.

Banken spielen bekanntlich eine wichtige Rolle: Sie sammeln das Geld der braven Sparer, verwandeln es in Kredite und versorgen so die Wirtschaft mit lebensnotwendiger Kraftnahrung. Sie selbst vergleichen ihr verdienstvolles Wirken gerne mit dem menschlichen Blutkreislauf.

So steht es zumindest im Märchenbuch. Irgendwann haben die Banken nämlich begonnen, über sich selbst hinauszuwachsen. 1985 betrug der Anteil der Profite amerikanischer Banken an der Summe aller Unternehmensgewinne in den USA bescheidene 16 Prozent. Doch dann wurden ständig neue Finanzinstrumente erfunden, mit denen man sich krumm und dämlich verdienen konnte, besonders wenn man das eingesetzte Kapital hemmungslos mit Schulden („Leverage“) auffrisierte. 2007 erreichten die Gewinne der US-Banken bereits 41 Prozent der landesweiten Überschüsse. Doch dann brach das System der cleveren Banker wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Und weil plötzlich so viele Banken als systemrelevant eingestuft wurden („too big to fail“) und vom Staat gerettet werden mussten, tauchten die Schuldenberge umgehend in den nationalen Haushalten auf. Auf einmal waren wir alle plötzlich hoch verschuldet.

Das ist nicht nur für die Steuerzahler ärgerlich. Denn der Versuch, die Staatsschulden möglichst rasch abzubauen, könnte das zarte Pflänzchen des Aufschwungs im Handumdrehen vertrocknen lassen. Und genau das wäre für die übrigen Unternehmen, die „reale“ Wirtschaft, ein ziemlich grausliches Szenario.

Nach den Lehren der Nationalökonomie werden die verfügbaren Einkommen der Bürger eines Landes großteils konsumiert. Der Rest wird gespart und kann den realen Unternehmen – den industriellen wie den gewerblichen, dem Handel, den Dienstleistern und dem Handwerk – für Investitionen zur Verfügung gestellt werden. Wer spart, übt Konsumverzicht. Doch das trifft nicht nur auf jene zu, die für die Zukunft sparen, sondern auch auf alle, die den Konsum vorgezogen, also auf Pump gekauft haben und nun ihre Kredite tilgen müssen. Folglich müssen wir alle künftig „sparen“, obwohl gar nicht wir persönlich über unsere Verhältnisse gelebt haben, sondern die Finanzbranche. Für die Konjunktur bedeutet das nichts Gutes. Konsumverzicht reduziert die Lust der Unternehmen zu investieren, kostet letztlich Arbeitsplätze und könnte glatt eine weitere Rezession auslösen.

Wann immer ich mich in den letzten Monaten mit Unternehmern und Top-Managern aus der Realwirtschaft unterhielt, hörte oder spürte ich den Groll gegenüber der Finanzbranche. Doch die meisten halten wenig davon, die Banken jetzt strafweise zu besteuern – zumal sich viele heimische Institute beim spekulativen Eigenhandel zurückgehalten haben und auch nur wenig toxische Wertpapiere in den Büchern hielten. Manche Bosse der „Nichtbanken“ (so der volkswirtschaftliche Terminus für die Realwirtschaft) plädieren gar dafür, dass der Staat braven Banken eine Belohnung verspricht, wenn sie (zumal es ja ohnehin nichts zu verbergen gäbe) einer schärferen Kontrolle zustimmen und obendrein die Ärmel aufkrempeln und aktiv mithelfen, die gesamte Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt: Infrastruktur, Ausbildung, Forschung, KMU-Förderung – überall sind neue Ideen gefragt.

Das würde den Banken helfen, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen und über die Börse frisches Kapital aufzunehmen, das sie künftig dringend brauchen werden. Ein solcher Kickstart für die Realwirtschaft könnte den zarten Aufschwung retten, Arbeitsplätze absichern und es uns allen ein wenig leichter machen, die Staatsschulden peu à peu abzustottern.

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

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